450 Kilometer: Staurekord in NRW: Warten auf den Lerneffekt
Das Problem ist bekannt: Sobald es zum ersten Mal kräftig schneit, werden die Autobahnen in Nordrhein-Westfalen zu reinen Blechlawinen. Am Mittwoch (16.01.2013) wurde mit mehr als 450 Kilometern ein Rekord geknackt. In den kommenden Tagen könnte sich die Lage entspannen.

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Nichts geht mehr: Autofahrer müssen sich derzeit in Geduld üben
"Das Phänomen ist jedes Jahr zu beobachten: Die Menschen vergessen, wie man sich bei Schnee verhält", sagte der Duisburger Verkehrsforscher Professor Michael Schreckenberg am Mittwoch (16.01.2013) zu WDR.de. Die meisten Autofahrer seien derzeit übervorsichtig unterwegs. "Sie fahren dann 30 km/h auf der Autobahn." Nur wenige langsame Autofahrer würden ausreichen, um alle anderen auszubremsen.
Die "Schreckenberg-Formel" verspricht Besserung
Nach Schreckenbergs Beobachtungen löst sich das Stauproblem in der Regel nach drei Tagen automatisch auf, weil sich ein Lerneffekt einstellt. "Die meisten Autofahrer haben sich dann an die Straßenverhältnisse gewöhnt und fühlen sich sicherer", so der Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen. Mittwoch war der dritte Stau-Tag. Am Donnerstag dürfte sich die Lage nach der "Schreckenberg-Formel" also bessern.
Offensichtlich wurde ein Staurekord aufgestellt. Nach Informationen von Schreckenberg wurden 2004 einmal landesweit 435 Kilometer gezählt. Das war bislang Spitze. Die am Mittwoch vom ADAC gemeldeten 460 Kilometer wären demnach ein Rekord. Neben übervorsichtigen Autofahrern haben auch andere Faktoren reingespielt, um das bereits stark befahrene Autobahnnetz in NRW am Mittwoch zum Kollaps zu bringen. Mehrere Lastwagen standen quer. Außerdem seien Räumfahrzeuge zu spät losgefahren und hätten dann selbst im Stau gestanden, sagte Schreckenberg. Und dazu sei der Mittwoch ohnehin ein Wochentag mit hoher Verkehrsdichte.
Vorschlag: Mehr Informationen gegen weniger Stau
Der "Schreckenberg-Gewöhnungsformel" widerspricht Peter Ortmann vom WDR-Verkehrsstudio. "Die Gewöhnung bringt nichts, wenn ein Lastwagenfahrer mit abgefahrenen Reifen quersteht", sagt Ortmann. Ein einziger Unfall könne einen kilometerlangen Stau verursachen. Eng könne es wieder an den traditionellen Problemzonen wie dem Kölner Ring oder dem Ruhrgebiet werden.

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Gute Aussichten: Weniger Schnee und freie Straßen
Verkehrsforscher Schreckenberg verlangt als Konsequenz aus dem Stauchaos, dass Autofahrer besser sensibilisiert werden. Hier seien der Landesbetrieb Straßen.NRW, das Landesverkehrsministerium und die Medien gefragt. Denn bei der dreimonatigen Vollsperrung der A40 im Ruhrgebiet sei ein Chaos ausgeblieben, weil die Bürger ausreichend informiert worden seien.
Einen kleinen Lichtblick für genervte Autofahrer liefern die Meteorologen. "Es kommt nur noch wenig Schnee dazu", sagte WDR-Wetterexperte Jürgen Weiß. Dennoch soll es bis zum Wochenende sehr kalt bleiben. Weiß rechnet mit Werten zwischen minus fünf und minus zehn Grad.
Stand: 16.01.2013, 13.59 Uhr
Kommentare zum Thema (27)
letzter Kommentar: 18.01.2013, 07:36 Uhr
- @ Schnarchnasen schrieb am 17.01.2013, 14:52 Uhr: schrieb am 18.01.2013, 07:36 Uhr:
- Vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben 100 % Recht. Schön, dass es doch noch Menschen mit realistischen Sichtweisen gibt. Vorsichtige Fahrweise JA, aber Fahrer mit purer Angst gehören bei Schnee nicht auf die Strasse.
- Leo schrieb am 18.01.2013, 06:55 Uhr:
- Hoffe das endlich mal die Tagfahrlichtpflicht eingeführt wird, zumindest von Oktober bis April. Diese Leute zeigen einem dann den Vogel wenn man sie bei Schnee u. Regenschauer zu spät gesehen hat. Viele verlassen sich auch auf das Tagfahrlicht, aber hinten ist da nun mal keine Beleuchtung, wird Zeit , dass es auch eine Rücklichttagleuchte gibt an den Autos.
- ubi12 schrieb am 17.01.2013, 20:32 Uhr:
- Es ist in der Tat erstaunlich, wie viele Fahrer/innen ich in diesen Tagen beobachten konnte, die bis in die Haarspitzen verkrampft hinterm Steuer saßen und einfach nur Angst hatten. Da gehe ich mit vielen Vorgängern konform und empfehle diesen Mitbürgern, bei diesem Wetter das Auto stehen zu lassen. Zur Not muss man halt mal ein Taxi nehmen. Im Übrigen gilt § 5 Abs. 6 S. 2 StVO, der nahezu allen Verkehrsteilnehmern (leider) unbekannt ist. Noch eine Anmerkung zu "staus nicht nur bei schnee": Wenn sich die Leute mal dazu durchringen könnten, verstärkt Fahrgemeinschaften zu bilden, wären d e u t l i c h weniger Autos auf den Straßen unterwegs. Geld sparen könnte man dabei auch noch.
- Schnarchnasen schrieb am 17.01.2013, 14:52 Uhr:
- Wer unsicher Auto fährt, hat hinter dem Steuer nichts verloren! Die Angsthasen sind durch ihr unberechenbares Verhalten genauso gefährlich, wie Raser. Für Metalliclack und Sitzheizung wird viel Geld ausgegeben, aber ein Sicherheitstraining ist zu viel verlangt. Erst gestern Morgen wieder: Ohne Licht und mit beschlagenen/befrorenen Scheiben mit 30 unterwegs. So nah am Lenkrad, dass sie locker mit den Zähnen hätte Lenken können. Aber den Fahrern einen Vogel zeigen, die sie überholten, dafür hats noch gereicht. Solchen Leuten sollte der Lappen abgenommen werden, genau wie den Mittelspurfahrern.
- Atze schrieb am 17.01.2013, 13:27 Uhr:
- @ Rob, das ist aber irgendwie merkwürdig. Ich befuhr am Montag und Dienstag die Sauerlandlinie und habe mindestens 10 Räumfahrzeuge gesehen. Sie schienen sehr professionell zu arbeiten, die Fahrer haben sicherlich eine Schulung in Österreich erhalten. Vor 14 Tagen war ich noch in Biberwier/ Austria, da habe ich nicht ein Räumfahrzeug gesehen, von dem man sich eine besondere Fahr-und Schiebetechnik hätte abschauen können. Eine verrückte Welt ist das.
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