Schädlinge und Schutzprogramme in NRW Gestresste Stadtbäume

Von Anita Horn

Bäume erreichen in der Stadt nur ein Drittel des Alters ihrer freistehenden Artgenossen. Doch Behörden, Bürger und Baumpfleger versuchen, die Bäume so gut wie möglich zu schützen. Ein Blick ins Laub zum Herbstanfang.


leicht gerötetes Ahornblatt im Frühherbst

Fast 100.000 Bäume zieren die Straßen Kölns. In Münster und Essen sind es etwa 50.000 Bäume, vor allem Platanen und Ahornbäume. Diese sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch wichtig. Sie spenden Sauerstoff, regulieren die Temperatur und bieten Tieren in, auf und um sie herum einen unersetzlichen Lebensraum.

Doch immer wieder nisten sich auch unerwünschte Tiere in den Wurzeln, Stämmen und an den Blättern ein und zerstören die Bäume langfristig. In den letzten Jahren wurden vor allem lebende holzbewohnende Käfer und deren Larven (Bostrichiden) sowie Bockkäferlarven festgestellt, welche sofort mitsamt des Holzes verbrannt und somit vernichtet werden mussten. In der Nähe von Bonn tritt seit 2005 der Asiatische Laubholzbockkäfer auf, der mit Holzware importiert wurde. Dieser in unseren Breiten nicht heimische so genannte Quarantäneschaderreger wird seitdem durch die Behörden überwacht und bekämpft.

Stressfaktor Stadt


Bodenversiegelungen durch Beton, starker Verkehr und somit auch mechanische Schäden durch Unfälle sind typische Stressfaktoren für Bäume in der Stadt. Aber auch unterirdische Leitungen, die die Wurzeln beeinträchtigen und Streusalz im Winter gehören dazu. Es gibt jedoch noch mehr Probleme, erklärt Baumpfleger Knud Dunkhorst: "Der Einzelbaum hat wenig Standfläche. Abgase und industrielle Emmissionen wirken auf den Baum. Es ist zudem trockener und heißer als auf dem Land. Deshalb ist der Standort Stadt wesentlich ungünstiger als für Bäume die freier stehen." Durch den fehlenden Platz müssen Bäume oft gekürzt werden. An den Wunden können sich dann besonders schnell Schädlinge einnisten, die den Baum von innen zerstören.

Schutzprogramme und Gesetze

Es gibt zahlreiche Gesetze und Programme – vom Naturschutz bis hin zu den kommunalen Baumschutzsatzungen. Aber dass in fast allen NRW-Großstädten doppelt bis dreifach so viele Bäume gepflanzt wie gefällt werden, beruhigt Experten nicht. Der ökologische Effekt eines 30- bis 50-jährigen Stadtbaums ist bis zu 100 Mal größer als der eines Jungbaums.

Baumpfleger ist ein Fortbildungsberuf

Cecila Sabatini ist Forstwissenschaftlerin und arbeitet seit mehreren Jahren als Baumpflegerin in Köln. Ob ein Baum vital ist, sieht sie vor allem an der Krone. "Es kommt darauf an, wie die Verzweigungen sind, wie lang die Triebe sind und es kommt auf die Anzahl der Blätter an. Das hier ist zum Beispiel ein dreistämmiger Ahorn, hier kann man die Anbindungen anklopfen, dann hört beim Klopfen, ob er eine Fäule hat." Fäule entsteht vor allem durch Pilzbefall. Der ist tükisch, da er mit bloßem Auge oft nicht zu erkennen ist. All das muss man lernen.


Der Beruf des Baumpflegers ist kein typischer Ausbildungsberuf. Auch Baumpfleger Nils Potschka ist Quereinsteiger. Er ist gelernter Gartenlandschaftsbauer und hat sich wie viele Argarwirte, Ingenieure oder Gärtner im Bereich Baumpflege fortgebildet.

Manche Baumpfleger bieten Kletterkurse an, in denen jeder ausprobieren kann, ob er schwindelfrei und kräftig genug ist, um auch als Baumpfleger zu arbeiten. Denn der Beruf ist nicht zu unterschätzen. Bei Wind und Wetter kürzen sie Triebe und Wurzeln, tragen teils schwere Geräte wie Motorsägen und ihre gut 20 Kilogramm schwere Ausrüstung mit in die Kronen.


Doch wenn die Stadt in saftigem Grün erstrahlt, die Luft einen Hauch von Frische versprüht und die Sonne durch die Kronen scheint, dann wissen die Zuständigen der Behörden, Bürger und Baumpfleger, dass ihre Mühen sich stets lohnen.

Baumliebhaber

In vielen NRW-Städten gibt es zudem Bürgerinitiativen wie zum Beispiel die Mindener Baumfreunde, die Kölschen Baumschützer oder der Verkehrsclub Deutschland in Essen, die Patenschaften für alte Bäume übernehmen und Aufklärungskampagnen für Mitbürger starten.

Der Baum des Jahres 2012

Seit 1989 wird jedes Jahr vom Kuratorium "Baum des Jahres" ein Baum gekürt. Im Jahr 2011 war dies die Elsbeere. In diesem Jahr ist es die Europäische Lärche, Larix decidua, die als einzige heimische Nadelbaumart im Herbst ihre Nadeln abwirft.


Stand: 22.09.2012, 00.01 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 24.09.2012, 11:04 Uhr

Herbst schrieb am 24.09.2012, 11:04 Uhr:
Leiden die Stadt-Bäume - so leiden auch die Stadt-Menschen.