Wie heute gespielt wird: Brett, Bildschirm oder Bolzplatz?
Auf der Spielemesse in Essen, die noch bis Sonntag (21.10.2012) läuft, werden Hunderte neue elektronische wie klassische Spiele vorgestellt. WDR.de sprach mit Kindern, Eltern und Fachleuten, wie und womit heute gespielt wird.

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Fußball am Bildschirm - und auf dem Bolzplatz
Luka stellt die Spielkonsole an, manövriert sich ruckzuck durch das Menü und schon startet das Fußballspiel Manchester gegen Marseille. Nach wenigen Minuten hat der Siebenjährige ein Tor geschossen und jubelt. "Ein richtiges Tor auf dem Platz macht natürlich viel mehr Spaß", sagt Luka, der seit drei Jahren im Verein Fußball spielt. Zwei- bis dreimal pro Woche geht er an die Konsole für eine Partie. Viel lieber vergnügt er sich mit seiner Playmobil-Westernstadt. "Da sind Cowboys und Indianer. Ich mag aber auch Uno und Kniffel. Und ich bin gerne im Garten und tobe mit Freunden rum." Seine Mutter Natascha Tanaskovic muss das Spielen an der Konsole nicht einschränken. "Im Sommer ist die oft wochenlang unbenutzt. Dann denkt er gar nicht daran, weil er lieber draußen spielt", so die Mönchengladbacherin.
Den Umgang mit Medien lernen

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Neues Spiel, neues Glück?
Müsste dagegen Erik, acht Jahre alt, auf seine tragbare Spielekonsole verzichten, wäre er schon ein wenig traurig. "Die habe ich von meinem Taschengeld bezahlt, und die war teuer", sagt er. Seine zehnjährige Schwester Karoline und er spielen die gleichen Spiele auf ihren Konsolen, wie beispielsweise Super Mario und Lego Star Wars. Dabei sitzen sie nebeneinander auf dem Sofa und geben sich Tipps, wie sie am besten das nächste Level erreichen. Tanja Saurwein, die Mutter der beiden, macht sich um das Spielverhalten der Kinder keine Sorgen. "Kinder müssen Medienkompetenz lernen. Ich habe nichts dagegen, dass Karoline und Erik ab und zu Fernsehen schauen oder Computerspiele machen. Sie beschäftigen sich die meiste Zeit mit anderen Spielformen: Rollenspiele, klassische Brett- und Würfelspiele oder sie basteln."
"Ein Stock konnte ein Laserschwert oder ein Schiff sein"

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Spielen in und mit der Natur
Ihr sei wichtig, dass den Kindern die Fantasie beim Spielen nicht verloren geht, und das funktioniere nur durch Improvisation. "Es darf nicht alles perfekt sein. Mittlerweile kann man ja für Puppen die komplette Garderobe kaufen. Wir haben damals aus einer Plastiktüte ein Regencape gebastelt und waren glücklich. Ein Stock konnte ein Laserschwert oder ein Schiff sein. Auch die Kinder heute können Fantasie entwickeln, man muss sie nur unterstützen."
Die Kleine im Garten, der Große in der Hi-Fi-Abteilung

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Mit einer Stulle gestärkt spielt es sich am besten
"Das Spiel ist die höchste Form der Forschung", hat Albert Einstein einmal gesagt. Ihm hätte bestimmt die kleine Sam gefallen. Die Vierjährige ist eine fantastische Forscherin: Im Garten beobachtet sie lange einen Baum. Dann freundet sie sich mit einem Regenwurm an. Und als es zu regnen beginnt, bastelt Sam in der Wohnung geduldig ein Pferd aus Bügelperlen. "Natürlich schaut sie auch gerne mal fernsehen, aber in der Natur ist sie am glücklichsten", sagt Sams Mutter Nadine Schneider. Ihr Sohn Kim ist 14 Jahre alt und interessiert sich nur noch wenig für "kindische" Spiele. Er bringt sich selber E-Gitarre bei, hört viel Musik, schickt Hunderte SMS an seine Kumpels, spielt FIFA Computer-Spiele und möchte sich im Fitnessstudio anmelden. "Das Interessanteste für Kim ist derzeit die HiFi-Abteilung. In den Campingurlaub wollte er in diesem Jahr zum ersten Mal nicht mitfahren", sagt Nadine Schneider etwas wehmütig.
Eltern müssen wissen, was gespielt wird

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Erwachsene haben kaum eine Chance gegen den Nachwuchs
Das Verhalten sei völlig normal für einen Teenager, sagt Udo Hartings, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung NRW in Willich. Der Diplom-Sozialpädagoge berät Familien unter anderem auch zum Thema Medienkompetenz. Nach seiner Erfahrung spielen Jugendliche intensiv bis exzessiv - Internet, Smartphones und Spielekonsolen nehmen einen großen Stellenwert in ihrem Leben ein. Hartings motiviert Eltern, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. "Sie müssen wissen, was ihre Kinder spielen, dann bekommen sie auch deren Akzeptanz", so Hartings.
Zum Beispiel könne man bei World of Warcraft nicht einfach mitten im Spiel den Computer ausschalten. Dort spielt man eine Rolle in einer Community und die anderen wären sauer, wenn man einfach verschwindet. Hartings: "So etwas müssen Eltern wissen. Sie sollten auch kontrollieren, ob sich die Kinder illegale, brutale Spiele runterladen. Dazu sind die Kids heute ohne Weiteres in der Lage."
Spielen sei für die Entwicklung der Kinder enorm wichtig, so Hartings. Bei Memory würden sich Kinder so sehr anstrengen, dass Erwachsene kaum eine Chance hätten zu gewinnen. Brett- und Würfelspiele schulten Kinder in Geduld und Ausdauer, sie würden außerdem lernen, Misserfolge zu verkraften.
Spiel als Streitschlichter
In einer Mädchenwohngruppe des Heil-Pädagogischen Zentrums Saeffelen bei Heinsberg wird viel gespielt. Hier leben neun Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren zusammen. Wenn die Mädchen Streit haben, dann sei ein Spiel eine gute Möglichkeit, wieder Frieden herzustellen. "Die Mädchen können den Streit in einem kontrollierten und geschützten Rahmen ausfechten. Eine Partie 'Mensch ärgere Dich nicht' und alles ist wieder in Ordnung. Das funktioniert", erzählt Nikola Hülbrock, Leiterin der Gruppe. Lieblingsspiele der Mädchen seien Scharade, Rollenspiele, Klassiker wie Brett-, Karten- und Würfelspiele oder Strategiespiele.
Das Spiel diene dazu, den Umgang mit Macht, Konkurrenz, Leistungsdenken und Solidarität zu lernen, Grenzerfahrungen zu machen und Hemmungen zu überwinden, so Nikola Hülbrock: "Gruppenspiele fördern die Gruppendynamik, das soziale Verhalten und die Auseinandersetzung mit sich selbst. Spielen entwickelt den Charakter."
- Übrigens...
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Unsere Autorin Susanne Schnabel spielt höchst ungern Gesellschafts- oder Computerspiele. Kickern, Flippern und Billard - davon bekommt sie dagegen nie genug. Allerdings hat sie die Recherche zu diesem Beitrag neugierig gemacht - und sie hat sich vom achtjährigen Erik zu einem Einführungskurs an der Konsole einladen lassen.
Stand: 20.10.2012, 09.00 Uhr
- Internationale Spieletage in Essen : WDR aktuell vom 17.10.2012
- Internationale Spieletage in Essen : Spielepreise für eine ganze Familie (17.10.2012)
- EU-Initiative klicksafe.de
- Kindergesundheit-info.de: Informationen für Eltern zum Thema Spielen
- Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung NRW
- Internationale Spieletage 2012
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 20.10.2012, 19:03 Uhr
- Heinz Keuken schrieb am 20.10.2012, 19:03 Uhr:
- Moooooment mal... Udo Hartings? Ist das jetzt eine zufällige Namensdoppelung oder ist es tatsächlich der Hartings der beim Spielautomatenking Gauselmann (Espelkamp - NRW) in der Geschäftsführung sitzt?
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