Internationale Spieletage in Essen : Spielepreise für eine ganze Familie
Alle in der Familie Brand aus Gummersbach sind Spiele-Freaks und Erfinder. Dieses Jahr räumen die Vier die beiden ersten Plätze beim Deutschen Spielepreis auf einmal ab. Überreicht werden die Preise im Rahmen der Spielmesse in Essen, die am Donnerstag (18.10.2012) beginnt.
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Video:
Internationale Spieletage in Essen
(00:44 Min.)
WDR aktuell vom 17.10.2012
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Internationale Spieletage in Essen
Für Spielefans ist der Keller der Familie Brand das reinste Paradies. In vier Regalreihen stapeln sich von oben bis unten jede Menge Gesellschafts- und Kartenspiele mit Titeln wie "Medina", "Flussgeister am Niagara", "Zug um Zug", "Siedler von Catan" und, und, und. Fast 3.100 Stück sind es.

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Beliebt bei vielen Spielern und Händlern: "Village" und "Mogel Motte"
Dabei bräuchten die Vier theoretisch gar keine Spiele zu kaufen, denn sie erfinden selbst welche. Und das mit Erfolg: Im September haben die Eltern, Inka (35) und Markus (37) für ihr strategisches Brettspiel "Village" den Hauptpreis beim Deutschen Spielpreis 2012 bekommen. Bei dieser Publikumsauszeichnung darf jeder abstimmen, der interessiert ist. Den Kinderpreis erhielten die Geschwister Emely (10) und Lukas (12) für das Kartenspiel "Mogel Motte". Sie sind die ersten Kinder überhaupt, die diesen Preis gewinnen. Die Verleihung findet am Mittwochabend (17.10.2012) in Essen statt, wo am Donnerstag die Internationalen Spieletage beginnt. Mehr als 800 Aussteller aus 37 Nationen haben sich dazu angemeldet.
Beim ersten Date gespielt
Sowohl Markus Brand, der als Versicherungskaufmann arbeitet, als auch seine Frau Inka, die Hotelfachfrau gelernt hat und jetzt Hausfrau ist, haben schon immer gerne gespielt. Das war schon ihr großes Thema bei ihrem Kennengelernen auf einer Hochzeit. "Bei unserem ersten Date haben wir natürlich auch gespielt", erzählt Markus Brand. Bald darauf fingen sie an, Spiele zu erfinden - immer gemeinsam. "Wenn man zu zweit etwas entwickelt, bekommt sofort ein Feedback", erklärt Markus Brand. "Wir diskutieren dann viel, streiten aber nicht." Sein Ziel war es immer, "einmal in einen Laden zu gehen und auf einer Spielebox meinen Namen zu lesen".
Sechs Jahre ganz ohne Erfolg

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Über 3.000 Spiele horten die Brands in ihrem Keller
Bis die erste Idee von einem Verlag angenommen wurde, mussten die beiden allerdings eine lange Durststrecke durchstehen. "In den ersten sechs Jahren waren wir auf ganzer Linie einfach nur erfolglos", erinnert sich der Familienvater. Doch Aufgeben kam nie in Frage. Irgendwann war der Bann gebrochen und mittlerweile ist das Erfinder-Duo bei Verlagen bekannt, was ihnen Türen öffnet. Zusammengerechnet hat das Ehepaar in den vergangen 13 Jahren 204 Spiele entwickelt, 45 davon sind auf den Markt gekommen. Reich werden die Brands durch ihren Erfindergeist jedoch nicht. "Es ist ein nettes Zubrot", meint der Familienvater. Mit fünf Prozent vom Händlerpreis sind sie an jedem verkauften Spiel beteiligt.
Mittelalterliche Großfamilie spielen
Dass die ganze Familie dieses Jahr gleich zwei Preise einsteckt, hätte sich die Mutter nie träumen lassen. "Wir wussten schon, dass 'Village' ein gutes Spiel ist. Ich hatte es trotzdem nur unter den ersten zehn erwartet. Und dass die Kinder es schaffen, war auch nicht abzusehen." Bei "Village" spielen zwei bis vier Personen das Leben in einem mittelalterlichen Dorf nach. Dabei besteht jede Familie aus bis zu vier Generationen und versucht, möglichst viel Einfluss, d.h. Punkte zu sammeln. Wenn eine Figur eine Brücke überquert, sterben die ältesten Familienmitglieder. Am Ende gewinnt, wer die meisten Punkte hat. Inka Brand hat sich das Konzept ausgedacht. Sie war beim Lesen historischer Romanen darauf gekommen. Ihr Mann war davon sofort angetan.
"Kinder sind die ehrlichsten Kritiker"

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Emely und Lukas testen als Erste die Spiele ihrer Eltern
Zwei Monate brauchte das Ehepaar, um die Details auszutüfteln und am Küchentisch Prototypen aus Pappe zu basteln. "Dann haben wir es bestimmt 100 Mal ausprobiert – allein und mit Freunden, die auch gerne spielen und jeden Montag zu uns kommen. Die sind Gold wert", schwärmt Markus Brand. Im Frühjahr kam "Village" dann auf den Markt. Bis dahin hatte sich das Ehepaar vor allem bei Kinderspielen einen Namen gemacht. Zwei Mal heimsten sie den Deutschen Kinderpreis ein - für "Burg der 100 Spiegel" (2009) und für "Monsterfalle" (2011). Wenn es um Spiele für Kinder geht, verlassen sich die Eltern auf das Urteil ihres Nachwuchses. "Wenn Emely und Lukas nicht begeistert sind, dann kann man es direkt sein lassen. Kinder sind die ehrlichsten Kritiker", meint der Familienvater.
Geschwister starten schon mit erster Erfindung durch
Anders als ihre Eltern sind die Geschwister schon mit ihrer ersten Erfindung richtig durchgestartet. Das Besondere bei dem Kartenspiel mit dem Namen "Mogel Motte": Schummeln ist nicht verboten, sondern sogar ausdrücklich erwünscht. Man schiebt sich die Karten in die Ärmel oder wirft sie unauffällig zu Boden und wer als Erster alle Karten mit Kakerlaken, Spinnen und Ameisen los ist, hat gewonnen. "Ich hab' gedacht, was unsere Eltern können, können wir auch", sagt Lukas. Die Eltern haben tatsächlich nur Tipps gegeben.
- Übrigens ...
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Wer schaut sich eine Spielebox eigentlich gezielt darauf an, den Namen der Entwickler zu entdecken?, fragt sich die Autorin Lisa von Prondzinski. Bei Büchern ist es ein Muss, den Verfasser zu kennen. Bei Brett- und Kartenspielen gehen die Entwickler ziemlich unter. Mag ihre Idee noch so gut sein.
Stand: 17.10.2012, 10.45 Uhr
Kommentare zum Thema (8)
letzter Kommentar: 18.10.2012, 13:35 Uhr
- WDR.de schrieb am 18.10.2012, 13:35 Uhr:
- @ Richard Stracke: Die Spielemesse in Essen geht bis Sonntag, 21. Oktober.
- Richard Stracke schrieb am 18.10.2012, 13:28 Uhr:
- Hallo, Es mag ja für die Autorin selbstverständlich sein, aber warum schreibt sie nicht wie lange die Spielemesse geht ?
- WDR.de schrieb am 17.10.2012, 19:17 Uhr:
- Posting wurde entfernt. Externe Links sind nicht gestattet.
- Frank schrieb am 17.10.2012, 18:41 Uhr:
- Ich habe mich über den Bericht gefreut. Es ist schön zu sehen, dass sich Familienmitglieder mit dem Entwickeln von Spielen beschäftigen, weiter so.
- Sanny schrieb am 17.10.2012, 13:52 Uhr:
- Ich schaue auch sehr oft drauf.. wer hat das Spiel eigentlich erfunden? Schön, die erfolgreichen Erfinder kommen aus meiner Heimat. Finde ich toll, werde mir die Spiele auf der Messe mal genauer ansehen. Noch eine Anmerkung: Aber das man sich damit nur ein kleines Zubrot verdient, kann ich mir bei 5% Gewinn eines jeden verkauften Spieles wahrlich nicht vorstellen. Vorallem weil es ja Spiele des Jahres sind.
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