Diskussion um Transplantationszentren "Patienten müssten weitere Wege in Kauf nehmen"

Von Ulrike Völler

Weniger Transplantationszentren gleich mehr Qualität - der Verband der Organtransplantierten bezweifelt diese Gleichung. Gerade in NRW käme eine Zusammenlegung von Kliniken "einem Kahlschlag" gleich, mit weiteren Wegen und höheren Kosten für die Patienten.


Operationssaal
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Bis zur Transplantation warten Patienten oft monatelang

Als Reaktion auf die Transplantations-Skandale hatten die Deutsche Stiftung Patientenschutz und die Bundesärztekammer Anfang Januar eine Reduzierung der bundesweit 47 Zentren gefordert. Davon versprechen sich die Verbände mehr Transparenz und bessere Kontrollmöglichkeiten. Doch der Bundesverband der Organtransplantierten (BDO) mit Sitz in Duisburg lehnt die Forderung ab.

Notwendige Zentralisierung oder Kahlschlag?

"Patienten müssten weitere Wege in Kauf nehmen", sagt Burkhard Tapp, Pressesprecher des BDO gegenüber WDR.de. "Vor allem in der ersten Zeit nach einer Transplantation finden wöchentlich Nachsorgetermine statt." Außer bei Nierentransplantationen müssten die Patienten zur Nachsorge in das behandelnde Zentrum reisen, die Kassen zahlten die Fahrtkosten aber nicht.

Gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland, NRW, befürchtet Burkhard Tapp durch eine Reduzierung der Zentren die Zerstörung gewachsener Strukturen. "Schon jetzt erhalten 80 Prozent der Lungen- und fast 100 Prozent der Herzpatienten nicht über die normale Warteliste, sondern über die Hochdringlichkeitsliste ein Organ." Die Ergebnisse seien im europäischen Vergleich entsprechend schlecht, so Tapp, der die Forderung nach weniger Zentren als völlig "illusorisch" und die Umsetzung noch in diesem Jahr als "Kahlschlag" bezeichnet.

NRW hat neun Transplantationszentren

In NRW gibt es insgesamt neun Transplantationszentren: Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen, die Kliniken der Stadt Köln sowie die Universitätskliniken in Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster.


Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbei getragen
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In einem Behälter wird ein Spenderorgan transportiert

Das Zentrum in Bad Oeynhausen ist spezialisiert auf das Herz und genießt international einen guten Ruf auf diesem Gebiet. Das Merheimer Klinikum, eines der drei Häuser der Kölner Kliniken, wurde noch Anfang Oktober 2012 von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens für sein Engagement im Bereich Organspende ausgezeichnet. Professor Volker Limmroth, ärztlicher Direktor des Klinikums Köln-Merheim, sieht die Ehrung als Ansporn, "uns weiterhin mit vollem Einsatz in der Organspende wie der Transplantation zu engagieren".

Ein Zentrum in Köln an zwei Standorten

Wenn ernsthaft über eine Reduzierung in NRW nachgedacht werde, liefe es in Köln wahrscheinlich auf einen Standort hinaus, so Tapp. Allerdings kooperiere das Klinikum Merheim bereits mit dem Universitätsklinikum Köln, sodass es eigentlich nur um eine Zusammenlegung der Leber-, Nieren- und Bauchspeicheldrüsen-Programme gehen könne, die es an beiden Standorten gebe.

Weniger zu überprüfen gebe es dennoch nicht, argumentiert Tapp, denn die Zahl der Transplantationen insgesamt bliebe schließlich gleich. "Wenn die Qualität durch weniger Zentren verbessert werden kann, sind wir dafür", sagt Tapp. "Doch bisher gibt es keine Nachweise, dass das der Fall ist." Ebenso wenig könne belegt werden, dass die Qualität an kleineren Zentren mit weniger Transplantationen schlechter sei als in großen. "Wir wehren uns dagegen, dass man die Zahl der Zentren als Maßstab für die Qualität nimmt."

Zurückhaltung bei den Kliniken in NRW

Die Universitätskliniken in Aachen und Düsseldorf wollten sich gegenüber WDR.de zum derzeitigen Stand der Diskussion nicht zum Thema äußern. Noch sei die Forderung einer Reduzierung der Zentren lediglich eine Idee, und solange es keine konkreten Vorschläge oder politische Forderungen gebe, wolle man keine Stellungnahme abgeben, teilten die Pressesprecher der beiden Häuser mit.

Die Qualität der Arbeit ist ausschlagebend


Nierenentnahme für eine Transplantation
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Eine Niere wird für eine Transplantation entnommen

Die Verantwortlichen des Universitätsklinikums Münster (UKM) stehen einer Diskussion zur Reduktion von Transplantationszentren in Deutschland "offen gegenüber". In Münster werden Patienten für Leber-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen-, Darm- und Dünndarmtransplantationen betreut sowie Patienten, bei denen mehrere Organe betroffen sind. So sei es möglich, alle Kombinationen von Transplantationen im Bauchraum durchzuführen. "Dieses ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Region", hebt das UKM in einer Stellungnahme hervor.

Dennoch müsse laut Professor Norbert Roeder, Vorstandsvorsitzender und ärztlicher Direktor des UKM, die Frage diskutiert werden, ob eine Reduzierung der Zentren Sinn mache. "Es sind weniger die Transplantationszahlen als die Qualität, der in den Zentren geleisteten Arbeit ausschlaggebend für die Patientenversorgung", sagt Roeder. Ausschlagebend sei, dass die Patienten gute versorgt würden und die Transplantation erfolgreich verlaufe.


Stand: 16.01.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (13)

letzter Kommentar: 17.01.2013, 12:51 Uhr

alt ? schrieb am 17.01.2013, 12:51 Uhr:
Wenn du alt bist braucht du keine Versorgung mehr,ist genug wenn sich die Reichen gut versorgt fühlen.Bau-Maffia, Banken-Maffia und Ärzte -Maffia,hab ich noch was vergessen,ach ja korrupte Politiker und die Scheinheiligen von CDU und FDP,die CSU nicht vergessen!
Anonym schrieb am 16.01.2013, 17:53 Uhr: schrieb am 17.01.2013, 09:41 Uhr:
Vielen Dank für die Info, dem wird nachgegangen. Aber bitte unterlassen Sie doch die Polemik, Diffamierung kann ich nicht erkennen, wohl aber die Bitte nach Quellenangabe. Ein normaler Vorgang im akadem. Umfeld. Inzwischen schreibt die SZ vom 16.01, dass es Bestrebungen gibt, die Chefarzt-Boni gesetzlich zu regeln. Das wird wohl von allen Ärzten, ausser den CÄ, sehr begrüßt.
Anonym schrieb am 16.01.2013, 18:03 Uhr:
eine steuerfinanzierte Bürgerversicherung mit kleinen, privaten Zusatzversicherungen für Zahnerstz, Kuren und Hilfsmittel könnte das Problem der profitgesteuerten Fehlentwicklung im Gesundheitssystem schon regeln. Wer aber keine Banken reguliert, wird die Grundversorgung aus Organbanken, gesundheitlichen Datenbanken(Länderübergreifend, sodass z.B.ein niederländischer Neurologe nicht in BRD weitermachen kann wenn in im Heimatland gesperrt?) und Wissensbanken nicht patienten- sondern weiter nur gewinnorientiert fließen lassen? Alle bis auf wenige Ärzte, Apotheker und Pharmafirmen oder Versicherungsvertreter hätten eine Vorteil davon, aber das sind einfach zu viele die profitierten und die Profite weniger würden dadurch dramatisch sinken?
Anonym schrieb am 16.01.2013, 17:53 Uhr:
@Anonym 9:31 Zielvereinbarung für Assistenzärzte? schrieb heute, 15:12 Uhr: : Bitte die Quellen und Autoren "der Story im Ersten" kontaktieren oder sich den Beitrag ansehen(Mediathek?) und sich nicht auf ihre Kenntnisse beschränken, ehe man andere Kommentare diffamiert. Wer ist "Wir" was macht "wir" für die Patienten? Was ist wenn wir Patienten endlich besser vertreten würden von der GKV und Politik. Wenn "grundlos" operiert wird(Beweis die Röntgen-oder Tomographiebilder), dann sollte sofort unabhängig von Ärztebehauptungen wegen "Körperverletzung" ermittelt werden können? Für eine Gewerkschaft wäre es sicherlich ein Leichtes die Sendung "Vorsicht Operation" vom 14.01. in der Mediathek abzurufen?
Was, wenn die Transplantationschirurgen und ihre Familien schrieb am 16.01.2013, 17:21 Uhr:
nicht an ein neues Zentrum/Stadt umziehen wollen, weil sie die sozialen Bindungen in ihrer jetzigen Stadt nicht aufgeben wollen? Werden die dann auch gesetzlich gezwungen oder gibts dann einfach weniger Personal an den neuen Orten? (Betrifft ebenso Fachintensivpfleger etc.) Transplantation lernt man nicht in zwei Jahren.

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