So war Weiberfastnacht in NRW Friedliche Jecken in eisiger Kälte

Helau und Alaaf: Die Karnevalisten im Land haben die Macht in den Rathäusern an sich gerissen - mit dicker Strumpfhose unterm Kostüm und warmen Handschuhen. Es herrschte geschunkelter Ausnahmezustand mit wenig Zwischenfällen.


Weiberfastnacht in Köln
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Der Alter Markt in Köln verwandelte sich über mehrere Stunden in ein Schunkelmeer. Zuvor war Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) entmachtet worden, den Stadtschlüssel und die Macht hatte das Dreigestirn an sich gerissen. Prinz Ralf III., Bauer Dirk und Jungfrau Katharina tanzten und sangen für ihre Untertanen - ebenso wie Stefan Raab, die Höhner und viele andere Bands. Die Polizei meldete keine besonderen Vorkommnisse: 40 Menschen wurden festgenommen, 20 zur Ausnüchterung vorübergehend in Gewahrsam genommen. "Im letzten Jahr mussten wir 85 Platzverweise aussprechen, die Leute sind in diesem Jahr deutlich weniger aggressiv", sagt Dorothe Göbel von der Kölner Polizei und hofft, die Jecken bleiben auch in den Kneipen friedlich. Allerdings gab es am frühen Abend einen schweren Unfall: In Leverkusen wurde ein Jeck von einem Bus überrollt, als er auf die Straße stolperte. Er musste von der Feuerwehr befreit und ins Krankenhaus gebracht werden.


Bei den Nachbarn in Düsseldorf wurde in der Altstadt herumgeschnibbelt: Weiber und Möhnen trachteten nach den Krawatten der Herren. Die von Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) wurde von der Venetia zuallererst kürzer gemacht. Elbers hatte mehrere Krawatten einstecken, in diesem Jahr angeblich elf Stück. Auch in Düsseldorf passierte laut Polizei "nichts, was uns nervös macht", erklärte Sprecher Andreas Jann. "Bisher gab es keine Festnahmen." Nur ein junger Raser, der als "Scheich" unterwegs war, fiel unrühmlich auf: Er war mit 138 Stundenkilometern unterwegs, obwohl nur 70 erlaubt waren und er nicht alkoholisiert war. Die Polizei war wenig amüsiert und verhängte ein Fahrverbot von drei Monaten.

Wäscherinnen-Aufstand in Bonn


In Bonn-Beuel stürmten Wäscherprinzessin Bonna Andrea I. und ihre Frauen den Ersatz des Ersatzrathauses. Eigentlich hatten die Bonner ihr Rathaus bereits im letzten Jahr verlegt - das "Ersatzrathaus" war direkt am Rheinufer aufgebaut worden, denn an dem eigentlichen Rathaus in Bonn-Beuel wird zurzeit noch gebaut. Nur leider sorgte das Hochwasser für unangenehm nasse Füße und so musste das "Ersatzrathaus" seinerseits verlegt werden. Besondere Vorkommnisse meldete die Polizei nicht. Auf der anderen Rheinseite dagegen wanderten zwei junge Männer hinter Gitter: Auf einer Karnevalsparty in der Beethovenhalle soll ein 33-Jähriger drei Männer geschlagen und getreten und die herbeigerufenen Polizisten beleidigt haben. Die Quittung: Eine Nacht im Polizeigewahrsam. Ein 28-Jähriger aus Bornheim, der offensichtlich unter Alkohol und Drogen stand, soll am späten Abend einen 25-Jährigen so schwer verletzt haben, dass der mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Fettdonnerstag in Aachen


In Billerbeck im Kreis Coesfeld nahmen 40 Gruppen an einem Umzug durch die Innenstadt teil. Den Preis für das schönste Kostüm gewann eine Gruppe von Frauen mit überlebensgroßen Schmetterlingsflügeln. Die Feierei verlief bis zum späten Nachmittag friedlich, Festnahmen gab es keine. "Wir erwarten aber leider noch Schlägereien in den frühen Abendstunden - wenn der Alkoholpegel bei vielen Jecken steigt", sagte Sprecher Eckard Langheim von der Coesfelder Polizei-Leitstelle. Und in Aachen - am anderen Ende des Bundeslandes - feierten 2.000 Menschen auf dem Marktplatz und 3.000 im Ortsteil Burtscheid den Karnevalsauftakt, der hier "Fettdonnerstag" heißt. "Wir haben das Gefühl, die Menschen feiern etwas ruhiger als im letzten Jahr. Bisher wurden weder Unfälle noch Schlägereien gemeldet", sagte ein Sprecher der Polizei. Das änderte sich mit steigendem Alkoholpegel: Randalierende Jugendliche, betrunkene Frauen und Partygäste, die der Feier mit Pfefferspray mehr Würze verleihen wollten, hielten die Polizei auf Trab. Kuriosum am Rande: In einem Bekleidungsgeschäft hatte eine Kundin vor lauter Anprobieren gar nicht mitbekommen, dass das Geschäft zum Öcher Karnevalsauftakt schloss. Sie rief dann über Handy an: Alle Türen seien zu, alles sei dunkel. Sie wurde befreit, der Vorfall in der Polizei-Karnevalsakte vermerkt. Dort steht auch die Geschichte des Nicht-Öchers, der vor Jahren Strafanzeige erstattete, weil man ihm die Krawatte abgeschnitten hatte...

Es blieb fast trocken


Weiberfastnacht in Düsseldorf
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Warme Kostüme waren angesagt

Was alle Feierenden miteinander verband, war das kalte Wetter. Doch trotz 90 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit blieb es fast überall trocken, nur in Aachen und Billerbeck fielen leichte Schneeschauer. Viele Jecken trugen Fleece-Pullover unterm Kostüm oder Mützen und Schals. Laut WDR-Wetterstudio bleibt es in den nächsten Tagen kühl, um die Null Grad Celsius. "Wir raten all jenen, die am Freitagmorgen mit dem Auto unterwegs sind, vorsichtig zu fahren: Die Straßen werden sehr glatt sein", sagt Andreas Neuen vom WDR-Wetterdienst. In der Eifel, im Bergischen Land und im Münsterland könnten zwischen fünf und zehn Zentimetern Schnee fallen. Die Karnevalshochburgen Köln, Düsseldof und Bonn bleiben vermutlich schneefrei. Neuen macht allen Jecken Hoffnung: Auch am Rosenmontag könnte es trocken bleiben.


Stand: 08.02.2013, 10.36 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 07.02.2013, 12.34 Uhr

Bärbel schrieb am 07.02.2013, 12.34 Uhr:
Liebe Karin ich grüße Dich in Bonn. Feier schön! Gerne wäre cih heute auch dabei. Liebe Grüße Bärbel
Ilona Mroczek schrieb am 07.02.2013, 12.30 Uhr:
Hab Weimweh komme aus dem Ruhrgebiet wohne jetzt in Niedersachsen da ist nix mit Karneval aber wir sehen WDR immer und heute sowieso ihr macht das Klasse Grüsse Alle in recklinghausen und alle Narren Alaaf und Helau
Gerd Neumeister schrieb am 07.02.2013, 09.36 Uhr:
Und gleich ab 11.11 Uhr bis Veilchendienstag wird es der WDR einmal mehr schaffen, 95% Kölner Karneval, 4% Düsseldorfer Karneval und 1% sonstiger Karneval zu präsentieren. Besonders gespannt bin ich auf das Ungleichgewicht am Rosenmontag bei der Zugübertragung. Da wirds doch wieder bestimmt irgendwas geben, was die Übertragung aus Düsseldorf fast gänzlich verhindert, oder?
Pit Flick schrieb am 07.02.2013, 09.27 Uhr:
Dä Kölsche könne nit lache un fiere. Nur dä Düsseldorfer könne lache un fiere. Mer san völl lockerer und lustiger als dä Kölsche. Isch musset wissen, isch wor mol Karnevalsprinz von Düsseldorf. Helau.
Bürger schrieb am 07.02.2013, 09.03 Uhr:
...vielleicht wird Deutschland ja doch noch normal;-)))

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