Gefahr beim Straßenkarneval? "Karneval ist sicher"

Von Katrin Schlusen

Zwei Ereignisse haben unseren Blick auf Veranstaltungen mit vielen Menschen verändert: Der versuchte Anschlag in Bonn im Dezember 2012 und die Tragödie der Loveparade 2010. Was bedeutet das für den Straßenkarneval in dieser Session?


Sicherheit beim Karnevalszug
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Über manche Sicherheitsmaßnahme wollen die Behörden nicht reden

Das Wichtigste gleich zu Beginn: "Es gibt keine konkreten Hinweise auf Anschläge", sagt Frank Piontek, Sprecher der Polizei in Bonn. Im Dezember des vergangenen Jahres hatte ein Kofferfund am Bonner Hauptbahnhof für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt - bislang ist der Fall nicht aufgeklärt. Welche Auswirkungen hat der versuchte Terroranschlag auf den diesjährigen Straßenkarneval - eine Zeit, in der die Besucher vor allem sorglos feiern möchten?

"NRW ist ein potenzielles Anschlagsziel", sagt Wolfgang Beus, Sprecher des NRW-Innenministers. Das sei nichts Neues. Die Sicherheitsmaßnahmen - die weder das Ministerium noch die Polizei verständlicherweise genauer erläutern wollen - seien seit Langem hoch. Beus gibt zu bedenken: "Die Weihnachtsmärkte haben auch stattgefunden."

Genaue Regeln für den Ablauf von Großveranstaltungen

"Karneval ist sicher", sagt auch Sebastian Veelken, stellvertretender Leiter des Düsseldorfer Ordnungsamtes. "Ich will das ungerne in Zusammenhang mit einem Sicherheitsrisiko gebracht wissen." In Düsseldorf seien die Maßnahmen in den letzten Jahren nicht verschärft worden, denn die Anforderungen seien ohnehin sehr hoch gewesen. Die Tragödie der Loveparade 2010, bei der 21 Menschen ihr Leben verloren, hätte dafür gesorgt, dass sich viele Veranstalter stärker ihrer Verantwortung bewusst geworden sind.


Polizei beim Kölner Karnevalszug
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Behörden sollen koordiniert handeln

Das Düsseldorfer Ordnungsamt hätte dazu beigetragen genaue Konzepte für Ablaufverfahren von Großveranstaltungen festzulegen. Dazu gehöre eine koordinierende Stelle. "Die einzelnen Behörden, Polizei und Feuerwehr dürfen sich nicht widersprechen."

80 Umzüge in Köln genehmigt

Das sieht man auch in Köln so, deswegen wird dort noch genauer auf die Dokumentation der Absprachen geachtet, wie Ordnungsamtsleiter Robert Kilp berichtet. "Wir haben Großveranstaltungen schon immer so gut wie möglich durchgeführt", sagt er. Alleine in diesem Jahr hat sein Amt 80 Karnevalsumzüge genehmigt, darunter viele kleine Stadtteilumzüge, aber auch den großen Rosenmontagszug.

Eine Veranstaltung hatte zunächst kein grünes Licht seiner Behörde bekommen: Der Geisterzug, der seit 1992 fast jedes Jahr stattfindet. Der Veranstalter könnte die 2.000 Euro für den Rettungsdienst nicht aufbringen. "Seit der Loveparade haben die Ordnungsämter große Angst", glaubt er. "Wir hatten noch nie einen Sanitäter-Einsatz", berichtet Organisator Erich Hermans. "Die Geisterzug-Teilnehmer sind sehr friedlich." Durch die Hilfe von Ordnungsamtschef Robert Kilp hätte jetzt doch eine Einigung mit den Sanitätern erzielt werden können, so Hermans. Jetzt wartet das Ordnungsamt noch auf die letzte Bestätigung der Security - erst dann gibt es die endgültige Genehmigung. Der Zug soll am Samstag (09.02.2013) um 19 Uhr in Köln-Ehrenfeld starten.

Fünf Notarzteinsätze an Rosenmontag

So ruhig geht es aber meist nicht zu. Im vergangenen Jahr gab es an Rosenmontag in Köln und Düsseldorf 55 Transporte in Krankenhäuser und fünf Notarzteinsätze. Die größten Sicherheitsrisiken für die Besucher des Straßenkarnevals sind nach Meinung der Experten nicht Terroristen, sondern zu viel Alkohol, Drängeln und das Betreten der Zug-Fahrstrecke. Alle Karnevals-Metropolen haben Glasflaschen aus den Innenstädten verbannt, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Viele Städte haben zudem auch besondere Alkohol-Kontrollen bei Jugendlichen geplant.

Ist dann alles sicher? "Wir wollen, dass die Menschen den Notruf 110 anrufen, wenn sie verdächtige Personen oder Gegenstände sehen", sagt Frank Piontek von der Polizei Bonn. Aber: "Bei aller Wachsamkeit sollten wir uns nicht von dem Besuch der Karnevalsumzüge abhalten lassen."


Stand: 06.02.2013, 16.33 Uhr


Kommentare zum Thema (10)

letzter Kommentar: 07.02.2013, 12.13 Uhr

RechtsDaumenLinks schrieb am 07.02.2013, 12.13 Uhr:
Wenn man die ganze Zeit "Hilfe Wölfe" ruft obwohl keine da sind hört einem auch keiner mehr zu wenn wirklich Gefahr droht. Terror lebt in erster Linie davon das man sich terrorisieren lässt.
juergen schrieb am 07.02.2013, 01.32 Uhr:
"Zwei Ereignisse haben unseren Blick auf Veranstaltungen mit vielen Menschen verändert." Ein Anschlag auf einen Bahnhof ist also ein Anschlag auf eine Veranstaltung? Und eine Tragödie aus 2010 wird erst nach 3 Jahren ein Beitrag zum Karneval 2013? Ist das schon das Sommerloch? Die Seite muss voll äihhh, da tu ich mir was ausdenken, waa! Und ganz im Ernst: Den "Anschlag" im Bonner HBF sollte man wirklich nicht bemühen. Die ganzen Falschaussagen der Behörden und das Rumgeeiere sollten den Dümmsten klar werden lassen, dass es sich hier um einen Fake handelt!
nanu schrieb am 06.02.2013, 22.55 Uhr:
Karneval ist sicher überflüssig!
Hans Maikowski schrieb am 06.02.2013, 21.51 Uhr:
Kann man sich eigentlich noch "guten Gewissens" und ohne Angst als Islamist mit Taschenweste verkleiden, oder wird man dann von drei Seiten gleichzeitig bedraengt: "Staats"schutz, Gutmenschen und islamischen "Fundis"?
Bert Brech schrieb am 06.02.2013, 20.56 Uhr:
Dieser "Staat" hat es fast geschafft. Ich hoere die veraengstigten Bundesschafe schon bloeken:"Wir brauchen mehr Ueberwachung, wir brauchen mehr Kameras...es ist schliesslich zu unserer eigenen Sicherheit...bloek, bloek!"

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