"Tierschützer" droht, Ställe anzuzünden: Keine Pferde im Aachener Karnevalszug
Pünktlich zu Beginn der Karnevalstage bahnt sich in Aachen ein Skandal an: Ein selbsternannter Tierschützer behauptet, dass die im Karnevalszug eingesetzten Pferde ruhig gestellt seien. Die Aachener Karnevalisten dementieren - wollen Rosenmontag jedoch ohne Pferde auftreten.

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Streitobjekt : Pferde im Aachener Karneval
Die Aachener Prinzengarde und der Karnevalskorps Oecher Storm haben am Mittwoch (15.02.2012) einen unangenehmen Pressetermin anberaumen müssen. Mit Bedauern in der Stimme verkündeten Markus Bongers, Kommandant der Prinzengarde, und Hans-Hürgen Begas vom Karnevalskorps Oecher Storm, dass der Aachener Karneval in diesem Jahr fast ohne Pferde auskommen müsse. "Ein anonmyer Anrufer hat unsererm Pferdeverleiher gedroht, seinen Stall abzufackeln", sagt Markus Bongers mit Empörung. Der selbsternannte Tierschützer habe angegeben, dass die Tiere während des Rosenmontagszugs sediert, das heißt ruhig gestellt würden - mit dem Anruf wolle er nun die Tiere schützen.
"Saubere Tiere"
Die Aachener weisen die Vorwürfe weit von sich. "Ich weiß mit Bestimmtheit, dass die Tiere sauber sind", sagt Markus Bongers. Bongers ist Mitglied der Reiterstaffel der Aachener Prinzengarde. Jedes Jahr steigt er am Rosenmontag auf sein Pferd und hat bisher keinen "übermäßigen Stress" bei ihm bemerken können - daher gebe es auch keinen Grund, den Tieren Beruhigungsmittel zu verabreichen. Auch Hans-Jürgen Begas vom Oecher Storm, dem ältesten berittenen Korps in Aachen, kann die Wut des anonymen Anrufers nicht nachvollziehen. "Wir tun alles, um die Sicherheit von Pferd und Reiter zu gewährleisten", sagt er. "Bevor die Tiere in den Zug kommen, werden sie von einem Tierarzt überprüft, und wenn sie sich nervös zeigen, treten sie nicht auf."
Nur Kaltblüter nehmen teil
Obwohl die Aachener Karnevalisten sich im Recht sehen, ziehen sie dennoch Konsequenzen: Weder Prinzengarde noch Oecher Storm werden Pferde am Rosenmontag einsetzen - in der Geschichte des Aachener Karnevals beispiellos. Nur einige Kaltblüter, die für die Oecher Storm Planwagen und Kutschen ziehen, dürfen wie geplant an dem Zug teilnehmen. Der Rückzug, betonen Begas und Bongers, sei kein Schuldeingeständnis. "Wir wollen nur keine Gefahr eingehen", sagt Bongers. "Falls am Rosenmontagszug etwas passieren würde, würden wir uns später Vorwürfe machen."
Während die Karnevalisten abwiegeln, gibt der Betreiber des Aachener Pferdestalls, der den Korps jedes Jahr die Tiere zur Verfügung stellt, jedoch gegenüber einer Reporterin der "Lokalzeit Aachen" unumwunden zu, dass den Pferden alljährlich "was gegeben" werde. In den letzten Jahren habe es Probleme mit Feuerwerkskörpern gegeben - und da habe man den Tieren "den Stress nehmen" müssen.
Veterinäramt gibt sich gelassen
Das Veterinäramt Aachen sieht trotz dieses Bekenntnisses bisher keine Veranlassung einzuschreiten. "Ich bin kein Erfüllungsgehilfe von Tierschutzvereinen", sagt Chef-Veterinär Peter Max Heyde - und dementiert Berichte, wonach den weiterhin für den Karnevalsumzug eingeteilten Pferden Blutproben entnommen würden. "Das ist Kokolores", sagt er. "Solange es keine Auffälligkeiten gibt, werden wir keine Dopingkontrollen durchführen." Und falls die Tiere doch ruhig gestellt sein sollten? "Das wäre nicht der richtige Weg", sagt Heyde.
Polizei ermittelt
Die Polizei ermittelt nach Angaben eines Sprechers wegen Bedrohung und Nötigung. "Wir nehmen die Drohung ernst", sagte Polizeisprecher Paul Kemen. Von den 42 Pferden, die für die Korps in den Zügen mitgehen sollten, komme der Großteil von dem bedrohten Hof.
Stand: 15.02.2012, 17.30 Uhr
Kommentare zum Thema (85)
letzter Kommentar: 20.02.2012, 20:26 Uhr
- Meike schrieb am 20.02.2012, 20:26 Uhr:
- Ich habe keine Ahnung von Pferden und ich weiß nicht, ob sie für den Zug sediert werden oder einfach gut ausgebildet sind oder auch nichts von beidem. Aber für mich sahen die paar Pferde, die heute außerhalb des AKV mitgezogen sind, alles andere als entspannt aus. Und ganz ehrlich.......warum denn nicht ein Zug ohne Pferde? Muss man den Tieren solch einen Stress zumuten? Ich habe bei der letzten Zugnummer absolut kein Pferd vermisst - die Holzpferdchen haben es doch auch getan ;-) Trotz allem ist die Tatsache, dass mit Brandstiftung gedroht wurde, natürlich nicht zu unterstützen und absolut der falsche Weg!!!
- Reiterlein schrieb am 20.02.2012, 19:12 Uhr:
- Ich möchte dazu nur sagen, daß ich schon jahrelang mit den Pferden und den Kutschen im Kölner Rosenmontagszug unterwegs bin. Keines der Pferde mit denen ich bisher zu tun hatte war gespritzt und keines ist sofort danach zum Schlachter gegangen, wie ein Kommentator hier behauptet hat. Manche der Tiere gehen schon zum x-ten mal mit und haben überhaupt keine Probleme mit dem Trubel und dem Lärm. Wer mit Pferden zu tun hat weiß, wie gefährlich ein nervöses Pferd werden kann und das sich dies schon am Aufatellungsplatz zeigt. Solche Pferde werden aus dem Zug genommen. Wenn mir jemand drohen würde meinen Stall anzuzünden in dem meine Tiere stehen, würde ich mit der Schrotflinte in der Box schlafen um von meinen Tieren Schaden abzuhalten. Wer sowas von sich gibt kann kein Tierfreund sein und hat von Pferden grundsätzlich nicht den Hauch einer Ahnung!!!!!!!!! P.S.: Komm doch mal persönlich vorbei und sei nicht so feige anonyme Drohungen abzugeben!!
- Anonym schrieb am 20.02.2012, 12:14 Uhr:
- unter dem Deckmantel der sogenannten Ehrbaren ,Anständigen geschehen teils ganz andere Dinge noch,wenn dann jemand nachfragt gleich die Keule des "Gutmenschen,Tierschutzterroristen etc" der Jargon stammt doch von bestimmten "Schlechtmenschen "sozusagen. Nein wenn man es Pferden ersparen kann warum sollte man ihnen dann dieses zumuten. Dem hier Anpreiser von Sauerbraten etc guten Appetit beim Verzehr von PFERDELEICHENTEILEN, genau das gleiche Schema bei der barbarischen Ausbeutung in den industriellen Tierfabriken.Auch hier gilt :Weniger ist mehr und Tiere haben Recht auf artgerechte Haltung. Da ist wieder der Bezug zu dem Einsatz von Pferden im Karneval.Und sie sind darauf angewiesen daß sie Fürsprecher unter den Menschene haben Je hilfloser ein Lebewesen,desto mehr Schutz durch den Menschen braucht es. vor der Grausamkeit der Menschen.
- Gerold schrieb am 18.02.2012, 14:39 Uhr:
- Ich weiß gar nicht, was die ganze Aufregung soll. Im Eberspolder Stadtanzeiger steht, daß alle, in Aachen am Umzug teilnehmenden Pferde sowieso vom Tierarzt ausgesonderte Kandidaten sind, die sofort nach dem Zug der Schlachtung zugeführt würden. Gönnt den armen Tieren doch diesen letzten Rosenmontag. Man kann es mit der Tierliebe auch übertreiben!!
- Jecke Tünnes schrieb am 18.02.2012, 12:47 Uhr:
- @Anonym: Der Teufel kümmert sich nicht um Karnevalisten, er frisst vermeintliche Tierschützer die ihm von anständigen Bürgern und feierndern Karnavalisten mundgerecht vor die Füße gejagt werden :-)) Kölle Alaaf und ein dreifaches Hoch auf unsere Reitercorps!!
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