300 Beamte rüsten gegen "Wildpinkler": Wenn Feiern zum dringenden Bedürfnis wird
Ordnungshüter haben zu Karneval eine besondere Aufgabe: Wildpinkler stoppen! Das Problem: zu wenige Toiletten. Gut erreichbare Kneipen-Klos sind der Geheimtipp. In Köln formiert sich Protest. Die Lösung sollen versenkbare Urinale sein.
![Bildrechte: WDR/Paul Eckenroth[m]um Wildpinkler](/themen/panorama/sp_karneval/karneval442_v-TeaserAufmacher.jpg)
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An Karneval immer wieder ein Ärgernis: Wildpinkler
Wenn zur Narrenzeit Kölsch und Altbier fließen, stehen Trinkfreudige wieder vor der Frage: Wohin, wenn die Blase drückt? In Kneipen bilden sich lange Warteschlangen, der Weg zu Klohäuschen und Toilettenwagen ist vielen zu weit. Besonders Männer stellen sich dann gern an Autos, Bäume, Mauern oder Laternenmasten - und zahlen schnell mal ein Verwarnungsgeld von 35 Euro.
2011: 279 Männer und 32 Frauen erwischt
Im Kampf gegen diese Zustände zieht das Kölner Ordnungsamt zum Karnevalsauftakt rund 300 Beamte zusammen. Sie sollen das Verbot von Glasflaschen durchsetzen, betrunkene Minderjährige aufspüren - und "Wildpinkler" stoppen. Zwar platzieren Karnevalisten und Gastronomen am Freitag (11.11.2011) wieder mehr als 100 Klohäuschen, Toilettenwagen, Behinderten-WCs und Urinalrinnen in der Innenstadt. Trotzdem erwischten die Beamten letztes Jahr 279 Männer und immerhin 32 Frauen beim Pinkeln außerhalb solcher Anlagen. Tatsächlich seien es mehr als doppelt so viele Fälle, vermutet der Leiter des Kölner Ordnungsamtes, Robert Kilp. "Die Hemmschwelle ist unter Alkoholeinfluss sehr viel niedriger."
"Deutlich zu wenig öffentliche Toiletten"

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Gut besucht: Toilettenwagen
Auch sein Düsseldorfer Kollege beklagt das Problem mit den Pinklern zu Karneval. "Es gibt deutlich zu wenig öffentliche Toiletten", sagt Michael Zimmermann, der das Ordnungsamt der Landeshauptstadt leitet. 19 zusätzliche Toilettenwagen und zwölf Pissoirs müssen dort zum närrischen Treiben auf den Straßen reichen. "Wir haben immer wieder Beschwerden über Geruchsbelästigungen", sagt Zimmermann. Doch weil enge Straßen wie in der Düsseldorfer Altstadt die Gefahr einer Massenpanik erhöhen, könne man dort nicht einfach beliebig viele Klohäuschen aufstellen.
Auch außerhalb der jecken Zeit ein Thema
Das Problem gibt es allerdings nicht nur an den tollen Tagen. Auch Touristen und Bewohner verrichten ihr Geschäft häufig im Busch oder müssen sich in Cafés, Kneipen und Restaurants flüchten, meint Winrich Granitzka. Der Vorsitzende der Kölner CDU-Fraktion hatte schon im Oktober beklagt: "Es kann nicht sein, dass wir Bürger und Besucher quasi nötigen, sich in die Büsche zu schlagen, wenn sie ein dringendes Bedürfnis haben."
Fortschritte erhofft sich die Fraktion von versenkbaren Urinalen, die per Knopfdruck aus dem Erdboden auftauchen und wieder verschwinden. Zwei Stück dieser selbstreinigenden, futuristisch anmutenden "Urilifte" stehen bereits im Rheinauhafen. Nach Vorstellung der CDU sollen es in der Innenstadt noch mehr werden. In vielen Städten Englands und der Niederlande sind die zylinderförmigen Säulen längst Teil des Stadtbildes. Mit 35.000 Euro Neupreis ist die vollautomatische Anlage allerdings eine teure Angelegenheit.
Geheimtipp "halb öffentliches Klo"
Um auch ohne hohe Kosten ein stadtweites Toiletten-Netz zu schaffen, nehmen einige Gemeinden in Nordrhein-Westfalen die Gastronomen stärker in die Pflicht. Gaststätten, Cafés und Geschäfte öffnen ihre Klos der Allgemeinheit und erhalten im Gegenzug jeden Monat eine Entschädigung von der Stadt. Dennoch sind solche Absprachen die Ausnahme. Halb öffentliche Klos werden deswegen vielerorts wie Geheimtipps gehandelt. Auf der Internetseite "Gratispinkeln.de" etwa verraten sich Bürger gegenseitig die besten Plätze fürs "Müssen müssen".
Gegen stechenden Uringeruch haben die Reinigungstrupps in Köln ein Rezept: Sie sammeln nicht nur Becher und Dosen ein, sondern parfümieren die Straßen mit einer Art Waschlotion. Das Duftmittel der Schwemmfahrzeuge soll den Gestank neutralisieren. Der Geruch geht - doch die "Wildpinkler" bleiben. Michael Zimmermann aus Düsseldorf fasst zusammen: "An Karneval wird man nie genug Toiletten haben."
Stand: 10.11.2011, 18.08 Uhr
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