Heiraten im Karnevalsmuseum Sie dürfen die Braut jetzt bützen!

Da die Standesämter am Schnapszahl-Datum 11.11.11 Monate zuvor ausgebucht waren, konnten Paare auch im Kölner Karnevalsmuseum heiraten. Aber wie jeck muss man eigentlich sein? Zwei Ja-Sager über Romantik, Remmidemmi und Kölsch statt Sekt.


Reiner Langhammer und Lydia Schürkamp
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Reiner Langhammer und Lydia Schürkamp heiraten vor Dreigestirn-Puppen

Orden und Kostüme aus längst vergangenen Sessionen, Narrenkappen an den Wänden und Kopfhörer, aus denen die Höhner singen. Im Kölner Karnevalsmuseum, genauer gesagt vor den lebensgroßen Puppen im echten Dreigestirn-Kostüm, wollen sich die beiden Kölner Lydia Schürkamp und Reiner Langhammer am Freitag (11.11.2011) das Ja-Wort geben. Danach dürfen sich die frisch Vermählten in das Goldene Buch des Kölner Karnevals eintragen, in dem sogar der Papst schon unterschrieben hat. Während die Gäste das erste Kölsch schlürfen, macht das Brautpaar noch Hochzeitsfotos auf einem Prunkwagen. Danach sollen die kölschen Nationalgerichte Flönz und Halver Hahn gereicht - und richtig gefeiert werden.

WDR.de: Sie heiraten am 11.11, in Köln, in einem Karnevalsmuseum - wie jeck muss man eigentlich sein?

Reiner Langhammer: Dafür? Gar nicht so jeck. Wir wollen etwas Besonderes machen - das ist der springende Punkt.

Lydia Schürkamp: Uns war die Idee gekommen am Elften im Elften 2011 zu heiraten, das fanden wir ein sehr schönes Datum für eine Hochzeit.


Langhammer: Vor ein paar Tagen hatte ich frei, dann sind wir einfach zum Standesamt und haben zu der Standesbeamtin gesagt: 'Wir wollen gerne am 11.11 heiraten'. Sie erwiderte sofort: 'Das geht nicht mehr!' Alles war zu dem Termin schon lange ausgebucht. Doch dann kam sie etwas später wieder und sagte: 'Ich hab hier noch das Kölner Karnevalsmuseum.' Zu diesem besonderen Datum, den 11.11.2011, bieten Standesamt und das Kölner Festkomitee nämlich auch Trauungen im Karnevalsmuseum an. Da hatte ein Paar kurzfristig abgesagt und ein Termin ist frei geworden.

WDR.de: Und dann haben Sie nicht höflich den Kopf geschüttelt und auf den 12.12.2012 gewartet?

Schürkamp: Ach was, da haben wir sofort gesagt: 'Das ist ja toll!' Das passt, das passt zum 11.11 und das passt zu uns, weil wir auch in einer Karnevalsgesellschaft sind. Wir hatten ja sowieso vorgehabt, den kompletten Elferrat einzuladen.

WDR.de: Also sind Sie doch jeck.

Langhammer: Wir sind gemeinsam seit ungefähr zwei Jahren bei der KG Rheinflotte. Ich fahre bei den Umzügen den Trecker, der die Gulaschkanone zieht. Das Ding hat nur einen Zylinder, 750 Kubikzentimeter, ist von 1958 und fährt ganze 20 Stundenkilometer. Das ist der Knaller! Wir haben keine Trauzeugen, dafür kommt der gesamte Elferrat unseres Karnevalsvereins. Und mal ehrlich: Wer hat schon einen kompletten Elferrat als Trauzeuge?

WDR.de: Besteht für ihre Gäste Kostümpflicht?

Langhammer: Nein, nur die Herren des Elferrates tragen Litewka.

WDR.de: Entschuldigung, was tragen Sie?


Lydia Schürkamp und Reiner Langhammer
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Litewka statt Hochzeits-Anzug

Langhammer: Die Litewka ist der Anzug der Rheinflotte, unsere Uniform. Die ist in königsblau gehalten, weil wir die blauen Jungs vom Rhein sind. Ich bin Mitglied des Elferrates, deswegen werde ich auch in der Litewka heiraten. Nach der Trauung gibt es dann einen Kölsch-Empfang - und mit Kölsch und Halve Hahn wird anschließend weitergefeiert.

WDR.de: Wie würden Sie das, was Sie hier planen einem Nicht-Karnevalisten erklären?

Schürkamp: Die Leute, denen wir das erzählt haben, waren erstaunt, aber haben alle sehr positiv reagiert. Beim Karnevalsmuseum als Ort für die Trauung haben viele dann aber doch noch mal nachgefragt.

WDR.de: Sagt der Standesbeamte nach der Trauung: "Sie dürfen die Braut jetzt bützen?"

Langhammer: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Wenn der Standesbeamte die Hochzeit komplett auf kölsch bringt, dann hätte er es meiner Meinung nach ordentlich hinbekommen. Das wäre schon toll, da müssen wir vielleicht noch mal nachfragen.

WDR.de: Kölsch statt Sekt, Litewka statt Anzug - fehlt Ihnen als Braut da nicht ein bisschen die Romantik?

Schürkamp: Als junges Mädchen hatte ich natürlich den Traum in einem weisen, langen Kleid mit Schleier zu heiraten, aber aus dem Alter bin ich raus. Ich werd Bluse, Hosenanzug und einen Umhang in Rheinflotten-Blau anziehen. Die Hochzeit im Karnevalsmuseum finde ich etwas besonderes, das passt und ist trotzdem romantisch.


Reiner Langhammer und Lydia Schürkamp
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Karnevalistisch und trotzdem romantisch

Langhammer: Und karnevalistisch. Ist doch auch gut, wenn es nicht nur sachte plätschert, sondern auch ein bisschen Remmidemmi dabei ist. Eine Hochzeit ist eine lustige, schöne Angelegenheit, da können Musik und Spaß dabei sein. Wir sind in die Sache reingerutscht und machen den Spaß jetzt einfach mal mit.

WDR.de: Ganz ehrlich sind Sie nervös?

Schürkamp: Ja, ja, ja, wir sind nervös!

Langhammer: ...aber das Ziel ist vor Augen.

Das Interview führte Jenna Günnewig.


Stand: 08.11.2011, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 08.11.2011, 20:11 Uhr

Claudia schrieb am 08.11.2011, 20:11 Uhr:
Ein sehr sympathisches Paar, denen ich von Herzen viel Glück wünsche.
andrea schrieb am 08.11.2011, 07:24 Uhr:
Ich dachte erst, es seien Mutter und Sohn - na ja, wenigstens haben sie Humor....