Karneval für Profis: Nie mehr Schreck-Jeck
Jeder Jeck ist anders, aber anders kann auch schnell peinlich sein. Touristen, Evangelen, Zugezogene - fast alle machen, lachen und feiern mit. Karneval kann doch jeder, denkt der Laie - schön wärs, weiß der Alt-Jeck. Ein paar Tipps für mehr Spaß am Feiern.

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"Verkleidung ist die beste Tarnung"
Wie benimmt man sich im Karnevalstrubel so richtig richtig? Wo ist die Grenze zwischen Jeck und Schreck? Was ist go, was ist no? WDR.de holte sich Tipps von drei Jecksperten: Sigrid Krebs vom Festkomitee Kölner Karneval, Bernd Jost vom Comitee Düsseldorfer Karneval und Helga Resch, der Autorin des Buches "Karnevalknigge".
Richtig angezogen?
- Passen Sie sich Ihrer Umgebung an: Verkleidung ist die beste Tarnung! Sie fühlen sich sonst inmitten von Teufelchen, Clowns und Indianern als Fremdkörper und fehl am Platz. Machen Sie es wie die Zwiebel: Ziehen Sie mehrere Schichten an. Sonst haben Sie schlechte Chancen, den abrupten Wechsel zwischen kühlen Außentemperaturen und tropischem Kneipenklima heil zu überstehen. Lieber praktisch und zwei Nummern größer als super gestylt.
- Wer etwas auf sich hält, kommt in der Eigenkreation. Selbst Kostüme von der Stange lassen sich mit wenigen Details individuell aufpeppen. Zu sexy kommt nicht gut an. Frau kann auch ohne tiefer gelegten Ausschnitt, ultrakurzen Mini und hohe Stöckelschuhe lecker aussehen.
- Verzichten Sie auf unnötigen Ballast in Form von Tasche und Rucksack. Stecken Sie Geld, Schlüssel und Lippenstift in die Hosentasche oder einen Brustbeutel.
Grenze zwischen jeck und nervig
- Die Regeln des guten Geschmacks gelten auch im Karneval: Bützen, Flirten und tiefe Blicke in andere Augen sind erlaubt. Ungefragt aufdrängen, grabschen oder auf den Mund küssen, das riecht nach Ärger!
- Auch wenn man sich beim Schunkeln gut gelaunt körperlich näher kommt: Es ist nicht automatisch die Aufforderung, den Kontakt zu vertiefen - außer die oder der andere ist einverstanden.
- Karneval ist kein Blankoscheck für fiese Anmache und Fremdgehen. Wer belästigt wird, hat durchaus das Recht, sich zu wehren.
In der Kneipe
- Alleine feiern gilt nicht, erst recht nicht für Anfänger. Der Jeck ist von Natur aus ein Gruppenmensch. Treffen Sie sich mit Leuten, von denen Sie wissen, dass man mit ihnen gut feiern kann. Wichtig: Mindestens ein Karnevalskenner sollte dabei sein.
- Schalten Sie Ihren Kopf ab, lösen Sie die emotionale Handbremse und lassen Sie sich auf die Stimmung ein. Wer schüchtern oder als stiller Beobachter in der Ecke steht, verdirbt sich selbst den Spaß. Also: Mittrinken, mitschunkeln und mittanzen.
- Nerven Sie Mitfeiernde nicht, indem Sie ständig nach dem Text fragen. Singen Sie einfach mit, auch wenn Sie die Lieder nicht gut kennen. Trainieren Sie vorher bei WDR.de oder lesen Sie den Refrain notfalls von den Lippen ab.
- Wichtig ist, das richtige Getränk am richtigen Ort zu bestellen. Wer in Köln ein Alt und in Düsseldorf ein Kölsch ordert, riskiert schiefe Blicke und Minuspunkte in Sachen Sympathie.
- Wenn Sie Getränke bestellen, dann nicht nur für sich allein, sondern für alle in Ihrer Gruppe. Sonst denkt man noch, Sie trinken nur auf Kosten anderer.
- Lassen Sie keine klaustrophobischen Anfälle zu. Gehen Sie nur im äußersten Notfall raus, Sie könnten nicht wieder rein kommen.
Wenn der Zoch kütt
- Der echte Jecke befindet sich beim Rosenmontagszug meist mitten im karnevalistischen Trubel auf der Straße und seltener auf der Tribüne.
- Kinder dürfen immer in die erste Reihe. "Wir stehen schon länger hier" ist kein Argument.
- Schnappen Sie den Kleinen die Bonbons nicht vor der Nase weg.
- Wild hinter jeder Kamelle her zu jagen, ist verpönt. Es werden Tonnen davon geschmissen.
- Wer sich ins Getümmel des Straßenkarnevals stürzt, sollte offen auf seine Nachbarn links und rechts zugehen. Auch wenn man sich (noch) nicht kennt, miteinander feiern wird groß geschrieben. Zudem versüßt es die Wartezeit.
Feiern auf der Arbeit
- Weiberfastnacht und Rosenmontag sind keine gesetzlichen Feiertage. Wer meint, "blau" machen zu dürfen, muss mit ernsten Worten seines Chefs rechnen.
- In vielen Betrieben wird Karneval wenig gearbeitet und viel gefeiert, oft auch feucht-fröhlich. Wichtig ist abzuschätzen, wie viel bierselige Laune der Arbeitgeber toleriert.
- Auch wenn die Stimmung im Büro locker ist: Sehen Sie davon ab, Ihrem Chef oder Kollegen mal richtig die Meinung zu sagen.
Stand: 11.11.2010, 11.11 Uhr
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