Orden wider den tierischen Ernst: Otti Fischer ist Ritter aus Leidenschaft
Karl-Theodor zu Guttenberg war ganz weit weg, als Ottfried Fischer Samstagnacht (28.01.2012) die Bühne betrat. Der an Parkinson leidende Komiker erhielt in Aachen den Orden wider den tierischen Ernst. Ein starker Mann, ein bewegender Auftritt.

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Fischer im Narrenkäfig: "Ich bin der legitime Ritter-Sport. Quadratisch, praktisch, gut"
Statt roter Pappnas' gibt es einen langen roten Teppich. Statt Funkenmariechen mit stämmigen Beinen werden die 1.400 Gäste von den langbeinigen Hostessen eines Keks-Herstellers begrüßt. Der Orden wider den tierischen Ernst in Aachen (28.01.2012) ist mehr Glitzer als Konfetti.
Und damit eigentlich eine passende Bühne für den geschmeidigen Karl-Theodor zu Guttenberg und nicht für den gemütlichen Pfundskerl aus Bayern, für den Schauspieler Ottfried Fischer. Doch wie schon im vergangenen Jahr gab Guttenberg den Aachener Karnevalisten kurzfristig einen Korb. Eigentlich hätte er als Preisträger 2011 nun die Laudatio auf Fischer halten sollen, der CSU-Hoffnungsträger im amerikanischen Exil entschied sich dann aber doch für einen Rücktritt vom Comeback und blieb in den Staaten.
Viel Prominenz - und Heidi Klums Vater ist auch da

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Kamelle in Aachen
Sein Bruder half wieder aus, er hielt die Laudatio auf Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer, der in einer dreistündigen Gala den karnevalistischen Nobelpreis verliehen bekam. Der Aachener Orden wird als Einziger nicht für, sondern gegen etwas verliehen - nämlich wider den tierischen Ernst. "Er kritisiert, ohne zu moralisieren", charakterisiert AKV-Präsident Werner Pfeil seinen neuen Ritter. Fischer hatte 2008 bekannt gegeben, dass er an Parkinson leide. Vier Jahre später merkt man, dass ihn der Auftritt in Aachen Kraft kostet - und trotzdem Spaß macht. Fischer ist Profi, Rampensau, er reißt Witze, posiert und lächelt immer wieder in das Blitzlichtgewitter der Fotografen hinein.
Neben ihm und mit ihm lacht Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Beim Orden wider den tierischen Ernst kann man jedes Jahr regionale und manchmal sogar echte Promis anschauen. Bahrs Vorgängerin Ulla Schmidt (SPD) und der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sitzen an den langen Tischen. Der Vater von Heidi Klum, Moderator Jean Pütz und natürlich "das Plagiat", Karl-Theodors jüngerer Bruder Philipp zu Guttenberg, schunkeln sich ebenfalls unten im Saal warm.
Guttenberg als kreditfähiger Wulff-Nachfolger?

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Bayerischer Schlagabtausch auf rheinischer Karnevalsbühne: Philipp zu Guttenberg und Otti Fischer
Gern genutzte Steilvorlage auf der Bühne ist neben dem abwesenden Guttenberg und der präsenten Eurokrise natürlich Christian Wulff. "Ganz großes Vorbild unser Wulff. Der kann für Portugal und Griechenland eine große Hilfe sein, der weiß, wie man günstig an Kredite kommt", witzelt Ingolf Lück. Und bei seiner Frau Bettina gebe es "Escort-Service-Gerüchte": "Ich denke eher, dass die als junges Ding nicht die Raten für ihren Ford Escort bedient hat." Guido Cantz bietet ein paar Minuten später die perfekte Lösung für das Bundespräsidenten-Dilemma: Guttenberg könne es doch machen: Der warte auf sein politisches Comeback und könne sich selber ein Darlehen geben. Die Abkürzung AKV hat Cantz im vergangenen Jahr noch mit "Also kein Verteidigungsminister" übersetzt, dieses Jahr findet er "abermals Karl-Theodor verpasst" lustiger.
Richtig beleidigt scheinen die Organisatoren vom AKV über die Absage des Freiherren aber nicht zu sein - das Projekt Guttenberg ist aufgegangen. Die Karnevalsveranstaltung in Aachen hat vom Rummel um den schillernden Ex-Minister profitiert. Im vergangenen Jahr erreichte die Sitzung über 4,6 Millionen Zuschauer in der ARD - das ist viel für rheinischen Karneval. Denn zwischen der ganzen Satire werden immer wieder die klassischen Alaaf-Nummern gezeigt, Rad schlagende Funkenmariechen, auswendig gelernte Kalauer und Lokalkolorit, der unterschiedlich gut ankommt.
"Er sucht dort die verdiente Stille - ohne Doktor, Gel und Brille"

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Fast besser als das Original - Philipp zu Guttenberg
Humoristischer Höhepunkt ist Plagiat Philipp, der ähnlich viele Vornamen wie sein älterer Bruder und schon im vergangenen Jahr einen glänzend, selbstironischen Auftritt hingelegt hat. Etwas tapsig, aber durchaus mit komödiantischem Talent, steht er auch ein Jahr später wieder für seinen Bruder in der Bütt: "Verpieselt hat er sich, gefloh‘n / ist unser fränkischer Baron. Holt mich hier raus, ich war ein Star! / Hauptsache schnell nach USA! / Er sucht dort die verdiente Stille / ohne Doktor, Gel und Brille." Über Röttgen, Steinbrück bis zu den "abschreibenden Journalisten" - Philipp zu Guttenberg teilt kräftig aus.
Dem Publikum gefällt es - manch einer im Saal würde den anwesenden Guttenberg sofort zum Ritter schlagen, sein älterer Bruder wird erkennbar nicht vermisst. Dabei hat Karl-Theodor die Rede über Skype mitgeschrieben, wie Philipp später erzählt: "Wenn man seinen Bruder durch den Kakao zieht, spricht man das doch ab." In der Rede richtet er Fischer den Respekt "von KT" aus und bekennt selber: "Als Knappe ziehe ich meinen Hut / vor Deinem übergroßen Mut / Ritter wirst, weil du uns lernst: / Man lacht und ist es noch so ernst!"
"Ottfried Fischer ist unser Ritter!"
"Ich war begeistert, erfreut und gerührt über Ihre Laudatio", bekennt Fischer, während er als frisch geehrter Ritter im Narrenkäfig steht. Dann hält der 58-Jährige keine karnevalistische, sondern eine moralische Rede. "In der Politik müsse statt Schönheit wieder Glaubwürdigkeit Vorrang haben." Und: Guttenberg sei eigentlich ein Stoff, aus dem griechische Tragödien geschrieben würden. Fischer fällt das Reden schwer, teilweise ist er fast nicht zu verstehen.
Nach der Veranstaltung spricht der Präsident Pfeil von einer "schwierigen Situation." Dennoch sei er in Anbetracht von Fischers Krankheit stolz auf den Auftritt: "Er ist unser Ritter!" Und in jeder Sekunde, die man Ottfried Fischer an diesem Abend beobachtet, sieht man, dass auch er unglaublich stolz ist nun ein Ritter wider den tierischen Ernst zu sein.
Stand: 29.01.2012, 10.00 Uhr
Kommentare zum Thema (4)
letzter Kommentar: 31.01.2012, 18:03 Uhr
- Erina schrieb am 31.01.2012, 18:03 Uhr:
- Wenn ein Mensch mit weißer Hautfarbe einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe so beleidigt hätte, wie es in der Sendung durch einen sehr bösartigen Menschen mit schwarzer Hautfarbe geschehen ist, wäre der weiße Mensch ins Gefängnis gekommen. Die Gäste applaudieren dann auch noch?? Es war eine gezielte Mißachtung der Menschen mit weißer Hautfarbe!! Andere Worte möchte ich lieber nicht benutzen, diese werden nur gerne gegen Deutsche im Gedenken an den zweiten Weltkrieg benutzt. Schade, denn ansonsten war die Sendung unterhaltsam, Lück in Pampers war nicht nötig, war auch so gut, hat er wiederum nicht nötig sich in Pampers darzustellen.
- Rainer schrieb am 31.01.2012, 14:55 Uhr:
- Vorweg:Ich habe nicht alles gesehen, nur bis einschließlich "Amigos". Aber das allerletzte war doch wohl Ingolf Lück in Pampers!!!. Eine größere Geschmacklosigkeit habe ich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch nicht gesehen. Was mögen wohl die vielen Menschen gedacht haben, die sich unfreiwillig in solche "Geräte" hineinzwingen müssen oder hineingezwungen werden, und die dann womöglich von Pflegekräften "saubergemacht" werden? Bei dem Altersdurchschnitt des Publikums im Saal war sicherlich auch so mancher "gepamperte" anwesend. Wo bleibt der Anstand, wo der Respekt vor den Gebrechen anderer? Ich kann nicht verstehen, dass weder den AKV-Größen noch den ARD-Verantwortlichen dieser fürchterliche faut pas passiert ist. Letztere hätten doch auch die Möglichkeit gehabt, zumindest diese eine Szene wegzuschneiden. Pfui!
- sabine schrieb am 30.01.2012, 22:38 Uhr:
- man sollte die Sendung bzw. Sitzung beenden, das war heute die schlechteste aller Zeiten.
- Gabi schrieb am 30.01.2012, 21:22 Uhr:
- Noch niveauloser als die potterkinder um Michael Schanze waren ja wohl die alten Männer, die amigos! Bahh
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