Prozess um Recht am Bild mit toter Gans Vergleich bei Streit um Wattenscheider Gänsereiten

Vor dem Bochumer Landgericht ist am Donnerstag (26.01.2012) ein Prozess um Fotos des Wattenscheider Gänsereitens mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Bei diesem traditionellen Karnevalsbrauch wird einer toten Gans der Kopf abgerissen.


Mann auf einem Pferd reisst einer Gans den Kopf ab
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Der Gans den Kopf abreißen

Vor dem Landgericht Bochum musste sich ein Gegner des Rituals verantworten: Der Aktivist Michael S. vom "Bündnis gegen das Bochumer Gänsereiten" war auf 3.000 Euro Schmerzensgeld verklagt worden - von Gänsereiter Sven S.. Michael S. wurde vorgeworfen, bei einer Protestaktion im Karneval 2011 Fotos benutzt zu haben, die Sven S. beim Gänseköpfen in Aktion zeigen. Der Abgebildete sah darin eine Verletzung seines Rechts am eigenen Bild. Michael S. hatte im vergangenen Jahr die Demonstration gegen das Wattenscheider Gänsereiten angemeldet.

Die beiden Parteien hätten sich nun auf einen Vergleich geeinigt, sagte der Sprecher des Bochumer Landgerichts, Volker Talarowski, am Mittwoch zu WDR.de. Der beklagte Aktivist Michael S. habe sich dazu verpflichtet, die Fotos nicht weiter in der Öffentlichkeit zu zeigen. "Er hat ein sogenanntes Vertragsstrafenversprechen abgegeben", so Talarowski. "Wenn Michael S. seine Zusage bricht, muss er 5.001 Euro bezahlen." Im Gegenzug habe der klagende Gänsereiter Sven S. von seiner Schmerzensgeld-Forderung abgesehen. Die Frage, wie die ungerade Summe zustande gekommen ist, konnte der Sprecher nicht beantworten.

"Barbarische Leichenfledderei"?

Den umstrittenen Rosenmontagsbrauch pflegen Karnevalisten in Bochum-Wattenscheid seit Jahrhunderten: Auf galoppierenden Pferden versuchen Reiter, einer kopfüber vom Baum hängenden, toten Gans mit den Händen den Kopf abzureißen. Wer es schafft, wird beim anschließenden "Inthronisierungsfest" zum Gänsereiter-König für ein Jahr ernannt. Die Gans wird später gemeinsam verspeist.

Protest gegen diese Tradition gibt es seit Jahren: Unterschriftensammlungen, Demonstrationen, immer wieder erstatten Aktivisten vom "Bündnis gegen das Bochumer Gänsereiten" Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutz- und das Jugendschutzgesetz. Doch was die Kritiker vom Bündnis eine "barbarische Leichenfledderei", ein "mittelalterliches Verhalten" nennen, bleibt für die Fans offenbar eine große Gaudi, die alljährlich ein großes Publikum - Erwachsene und Kinder - nach Wattenscheid lockt.

Stadt Bochum: "Tradition aus dem 16. Jahrhundert"


Mann auf einem Pferd reisst einer Gans den Kopf ab
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"Teil der Brauchtumspflege"

Er finde es "widerlich", hatte Aktivist Michael S. vor dem Prozess gesagt, "einen Tierkörper derart zu zerfleddern". Bereits mehrfach habe man die Stadt Bochum aufgefordert, dem brutalen Treiben ein Ende zu setzen. Doch die zeigt sich unbeeindruckt: Während in den Nachbarstädten Dortmund und Essen, wo das Gänsereiten in einigen Vororten ebenfalls als Tradition gefeiert wird, schon seit Jahren statt echter Gänse Attrappen verwendet werden, sieht man in Bochum keinen Grund einzuschreiten. "Es handelt sich um eine Tradition, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts besteht", erklärt Stadtsprecher Thomas Sprenger. "Das Gänsereiten ist ein Teil der Brauchtumspflege."

Er verweist darauf, dass sämtliche Anzeigen, die in den vergangenen Jahren bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sind, negativ für die Gegner des Gänsereitens beschieden worden seien. "Es bestehen also offenbar weder ordnungs- noch strafrechtliche Einwände", meint der Sprecher.


Stand: 26.01.2012, 15.46 Uhr