Ermittlungen zu Bonner Bombenfund Fahndung bisher erfolglos

Die Polizei hat noch keine Antwort auf die Frage, ob Terroristen den Sprengsatz im Bonner Hauptbahnhof deponiert haben. Auch nach der Veröffentlichung eines Videos verlief die Fahndung nach den beiden Verdächtigen bisher ohne Ergebnis.



Drei Tage nach dem Fund eines Sprengsatzes am Bonner Hauptbahnhof sind die Tatverdächtigen noch nicht gefasst. "Wir suchen weiter nach den beiden Männern", sagte Polizeisprecher Thomas Held am Donnerstag (13.12.2012) in Köln. Gesucht wird auch ein Zeuge, der sich gegen 13 Uhr am Montag (10.12.2012) in der Schalterhalle des Bahnhofes beim "Infopoint" gemeldet hatte. Dieser Mann "mit kurzen blonden Haaren, der ein bisschen stotterte, weil er vermutlich etwas aufgeregt war oder halt da hin gerannt ist, hat diese herrenlose Tasche gemeldet", so Polizeisprecher Ingo Wünsche. "Diesen suchen wir ganz dringend und würden ihn bitten, sich bei uns zu melden."

Die Ermittler gehen weiterhin von einem versuchten Anschlag aus. Ob er auf Terroristen zurückgeht, können sie noch nicht sagen. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) betonte, es gebe keinen Grund, belebte Orte wie Weihnachtsmärkte nun zu meiden.

Bosbach verwundert über Bundesanwaltschaft

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), vermutet einen terroristischen Hintergrund. Deshalb könne er nicht verstehen, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen bisher noch nicht an sich gezogen habe. Bosbach verwies im Fernsehsender N24 auf die hohe Gefährlichkeit des Sprengsatzes und fragte: "Welches andere Motiv kann es denn gewesen sein, als durch einen terroristischen Anschlag das Land in Angst und Schrecken zu versetzen?"


Das Bundeskriminalamt (BKA) warnte indes vor voreiligen Schlüssen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst", Spekulationen seien verfrüht. "Auch die allgemeine Terrorgefahren-Situation hat sich nicht verändert." NRW-Innenminister Jäger appellierte an die Bürger, sich nicht einschüchtern zu lassen. "Wir müssen wachsam bleiben, aber nicht furchtsam", sagte er in einem Interview des Bonner "General-Anzeigers". Jetzt öffentliche Plätze, Weihnachtsmärkte oder Fußballspiele zu meiden, wäre genau das Falsche. Denn falls der Sprengsatz tatsächlich von Terroristen abgestellt worden sein sollte, beabsichtigten diese gerade das.

Auch die Bundesregierung sieht keinerlei Grund für eine auf Weihnachtsmärkte zielende Terrorwarnung. "Hinweise auf die Gefährdung konkreter Ziele in Deutschland liegen unseren Sicherheitsbehörden nicht vor. Das gilt auch für Weihnachtsmärkte", betonte das Innenministerium am Donnerstag in Berlin. "Deshalb sollten wir - bei aller Wachsamkeit - unser alltägliches Leben nicht beeinträchtigen lassen."

Fahndung trotz "heißer Spur" ohne Ergebnis

Die Polizei sucht seit Mittwoch (12.12.2012) einen hellhäutigen Mann, der auf dem Video einer McDonald's-Filiale am Bahnsteig von Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof zu sehen ist. Auf den Kamerabildern vom Montagmittag (10.12.2012) trägt er nach Vermutung der Polizei die blaue Tasche, in der sich die Bombe befand. Die Polizei bezeichnete die Videoaufnahme als "heiße Spur". Der zweite gesuchte Mann ist dunkelhäutig und groß. Er soll die blaue Tasche wenig später zwei Jugendlichen direkt vor die Füße gestellt haben und weggelaufen sein.


Zu den Verdächtigen bekam die Polizei am Mittwochabend und am Donnerstag neue Hinweise aus der Bevölkerung. "Wir werten das derzeit aus", sagte Polizeisprecher Held. In der Sporttasche befand sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr, um das vier Butangas-Kartuschen gebunden waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig war, habe noch nicht geklärt werden können, sagte Held. Bei einer Zündung wäre die selbst gebaute Konstruktion von "beachtlicher Sprengkraft" gewesen.


Stand: 13.12.2012, 18.58 Uhr