Heiße Spuren zum Bonner Bombenfund Zweiter Tatverdächtiger identifiziert?

Die Behörden haben nach dem Bombenfund im Bonner Hauptbahnhof eventuell schon zwei Tatverdächtige ermittelt. Wie der WDR aus Sicherheitskreisen erfuhr, soll ein Verdächtiger aus Langenfeld kommen und Verbindungen zu Al Qaida haben. Der zweite Verdächtige soll laut einer Sonntagszeitung ein Somalier aus Bonn sein.


Bislang gibt es allerdings keine offizielle Bestätigung für die Identifizierung des zweiten Tatverdächtigen, von der die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) berichtet. Die Bundesanwaltschaft hat dem WDR gegenüber jede Aussage darüber verweigert und erklärt, eine entsprechende Information komme nicht aus ihrem Haus. Laut FAS soll es sich bei dem Mann um den dunkelhäutigen mit Phantomfoto gesuchten Tatverdächtigen handeln, der angeblich die Bombe platziert hat. Er werde der radikal-islamistichen Szene in Bonn zugeordnet und soll sich 2011 der Shebab-Miliz in Somalia angeschlossen haben, beruft sich die FAS auf Sicherheitskreise. Diese Miliz soll in Bonn Verbindungen zu einer Gruppierung namens "Deutsche Shebab" unterhalten, der vor allem deutsch-somalische Islam-Extremisten angehörten.

Verbindungsmann zu Al Qaida


Der Verdächtige aus Langenfeld gilt den Ermittlern als Verbindungsmann zum Terrornetzwerk Al Qaida. Allerdings ist nach WDR-Informationen bisher nicht klar, ob der Mann tatsächlich zur Tatzeit am Bonner Hauptbahnhof oder vielmehr mit der Planung des Anschlags beschäftigt war. Die Bundesanwaltschaft hatte bereits offiziell mitgeteilt, dass belastbare Hinweise dafür vorlägen, dass die verdächtige Person über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt. Neben Bonn gilt Solingen, das an Langenfeld grenzt, als Zentrum salafistischer Hassprediger. Der Bundesinnenminister hatte in diesem Jahr den dortigen Moscheeverein "Millatu Ibrahim" wegen extremistischer Umtriebe verboten. Es besteht der Verdacht, dass der Mann aus Langenfeld aus dem Umfeld dieses Moscheevereins stammt. Nach WDR-Informationen suchen die Ermittler nach mindestens drei Tatverdächtigen.

Bombenbau-Anleitung aus dem Internet?


Am Montag (10.12.2012) war im Bonner Hauptbahnhof auf Gleis eins in einer abgestellten Tasche eine Bombe entdeckt worden. Nach derzeitigem Ermittlungsstand war der Sprengsatz sogar gezündet worden, explodierte aber aufgrund eines Konstruktionsfehlers nicht. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete am Samstag (15.12.2012), der Sprengsatz passe von der Machart her zu einer Bombenbau-Anleitung aus dem Internet-Magazin einer Al-Qaida-Filiale im Jemen. Bis auf wenige Abweichungen sei die Bombe mit der dort beschriebenen Konstruktion identisch.

Forderung nach Kameras mit Aufzeichnungs-Funktion

Wer die Tasche mit der Bombe im Bonner Bahnhof tatsächlich deponiert hat, ist weiter unklar - auch deshalb, weil die Überwachungskameras keine Bilder vom Tatort aufgezeichnet haben oder nicht aufzeichnen konnten. Uwe Schünemann, Sprecher der Unions-Innenressortchefs der Länder, fordert als Konsequenz aus dem Anschlagversuch deutlich mehr Videoüberwachung. "Sie muss an Kriminalitätsschwerpunkten dringend ausgeweitet werden. Auf Bahnhöfen ist dies flächendeckend erforderlich", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". Technisch müssten diese Kameras grundsätzlich auch mit einer Aufzeichnungsmöglichkeit ausgestattet sein: "Ohne eine solche Möglichkeit ist eine nachträgliche Aufklärung von Straftaten nur selten möglich."

Außerdem plädiert Schünemann dafür, den Straftatbestand der Bildung einer terroristischen Vereinigung zu erweitern. Der entsprechende Paragraf 129a des Strafgesetzbuches müsse auch bei Brand- und Sprengstoffdelikten angewendet werden. "Die bis 2003 geltende Rechtslage muss wieder hergestellt werden", verlangte er.

Warum Bonn?

Unterdessen gerät die Frage in den Vordergrund, warum ausgerechnet Bonn Anschlagsziel werden sollte. Möglicherweise hängt das mit einer gewaltsam verlaufenen Demonstration im Mai dieses Jahres in Bad Godesberg zusammen. Mehrere hundert Salafisten waren dort auf zahlenmäßig unterlegene Kräfte der Polizei losgegangen und hatten 29 Beamte verletzt, zwei davon durch Messerstiche schwer. Die Justiz hatte im Anschluss an die Ausschreitungen zahlreiche Salafisten angeklagt. Der Haupttäter wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. In Bonn gibt es wie in Solingen eine große Salafisten-Szene.

Konflikte um Kompetenzen

Derweil ist der bisherige Führungsstab der Kölner Polizei und der Bonner Staatsanwaltschaft aufgelöst worden. Die Zusammenarbeit beider Behörden in den vergangenen Tagen wird von Beteiligten als nicht konfliktfrei bezeichnet. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hatte am Freitag (14.12.2012) die Ermittlungen übernommen. Es lägen zureichende Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Geschehen um einen versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung handele. Der Generalbundesanwalt hat nun das Bundeskriminalamt mit den kriminalpolizeilichen Ermittlungen und der Fahndung nach möglichen Tatbeteiligten beauftragt.


Stand: 15.12.2012, 18.16 Uhr