Shell-Leck in Wesseling bei Köln Kerosin-See wird zur unendlichen Geschichte

Von Martin Teigeler

Die Größe des unterirdischen Kerosin-Sees in Wesseling ist immer noch unklar. Der Unmut über das Verhalten des Shell-Konzerns wächst. Viele Bürger der rheinischen Kleinstadt sind beunruhigt. Die Bezirksregierung versucht, Druck zu machen.


Shell-Mitarbeiter halten zwei Flaschen mit Kerosin und Grundwasser
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Shell-Mitarbeiter in Wesseling halten Flaschen mit Grundwasser- und Kerosin-Proben

Der Mineralölkonzern Shell gerät wegen der Kerosinbelastung im südlich von Köln gelegenen Wesseling zunehmend unter Druck. Am Donnerstag (18.10.2012) musste das Unternehmen zum wiederholten Mal in einem "Aufsichtsgespräch" bei der Bezirksregierung Köln seine Schritte zur Beseitigung des unterirdischen Kerosin-Sees auf den Tisch legen.

Eine Million Liter Kerosin versickert

Ende Februar 2012 war aus einem Rohr in der Rheinland Raffinerie des Mineralölkonzerns rund eine Million Liter Kerosin ausgetreten. Die Bezirksregierung Köln forderte, dass Shell das versickerte Flugbenzin vollständig beseitigt. Wie groß der Kerosin-See ist, wissen die Verantwortlichen aber auch Monate nach dem Zwischenfall noch nicht. Neue Messstellen sollen die Dimension des Problems klären. Die Folgeschäden sind nicht absehbar. Mit Sanierungsbrunnen wurden bisher etwa 100.000 Liter Kerosin abgepumpt.

Die Behörden verlieren langsam die Geduld mit dem Unternehmen. "Leider besteht der Eindruck, dass die Firma Shell bislang nicht mit dem notwendigen Nachdruck an der Beseitigung der eingetretenen Schäden gearbeitet hat. Auch müssen wir feststellen, dass das Unternehmen die Behörden und die Öffentlichkeit nicht immer zeitnah über neue Erkenntnisse unterrichtet hat", sagte der Leiter der für den Bereich Umwelt zuständigen Abteilung der Bezirksregierung Köln, Joachim Schwab, nach den Beratungen mit Shell-Vertretern am Donnerstag (18.10.2012). Shell müsse nun "mindestens sechs weitere Grundwassermessstellen" sowie Sanierungsbrunnen einrichten.

Bezirksregierung rügt Shell

Ursache für das Leck war laut Shell die Wechselwirkung zweier unterschiedlicher Schutzsysteme für Leitungen. Die Behörden lassen diese Version weiter von unabhängigen Experten prüfen. Bisher sehen die staatlichen Stellen keine Gefahr für das Trinkwasser in der Region. Von Shell gab es am Donnerstag (18.10.2012) zunächst trotz mehrmaliger Nachfrage dazu keinen Kommentar.


Die Bezirksregierung kritisierte weiter: "Gegen die Forderung einer 100-prozentigen Wanddickenmessung der betriebenen unterirdischen Rohrleitungen hat Shell bereits Klage beim Verwaltungsgericht Köln erhoben - obwohl deutlich wird, dass sich das Ausmaß des Schadens für Erdreich und Wasser entgegen den ersten Gutachten immer weiter vergrößert." Zudem habe man gegenüber Shell "zwei neue Schadensfälle an anderen Rohrleitungen" im Kölner Teil der Raffinerie thematisiert. Anfang Oktober seien Heizöl-Wasser-Verbindungen sowie ein "hoch aromatenhaltiges Kohlenwasserstoffgemisch" ausgetreten. Wie giftig die Stoffe jeweils waren, müssen Gutachter klären. Vorsorglich wurde das Erdreich an den entsprechenden Stellen entsorgt. Shell habe die Behörden drei Tage verspätet informiert, rügte die Bezirksregierung.

Langfristige Schäden befürchtet

Laut einer Expertin kann der ausgetretene Kraftstoff noch jahrzehntelang das Grundwasser belasten. "Es gibt Fälle von mit Kerosin kontaminierten Böden, in denen auch nach 30 bis 40 Jahren noch Giftstoffe gefunden werden", sagte die Geologin Barbara Reichert dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Auch in Wesseling werde man "vielleicht noch in 40 Jahren messen können, dass dort mal Kerosin ausgelaufen ist", sagte die Forscherin von der Universität Bonn.

Die Flüssigkeit könne nicht vollständig abgesaugt werden, sagte die Wissenschaftlerin. Das Kerosin enthalte vermutlich hochgiftige Stoffe, die wasserlöslich seien. "Die schwimmen im Grundwasser und können sich so mit der Fließrichtung großflächig ausbreiten", warnte Reichert.

Bürgermeister fordert Tempo

Vom NRW-Landesumweltamt war dazu keine Einschätzung zu bekommen. "Federführend ist die Bezirksregierung Köln. Wir können nur ganz allgemein sagen, dass Schadstoffe auch langfristig noch nachgewiesen werden können", sagte ein Sprecher. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) will die Abgeordneten in der kommenden Woche im Fachausschuss des Landtags erneut über den aktuellen Stand im Fall Wesseling informieren.


Der Bürgermeister von Wesseling, Hans-Peter Haupt (CDU), betonte, bislang seien alle Trinkwasser-Proben in Ordnung gewesen. "Dennoch sind viele Bürger verunsichert und beunruhigt. Sie wollen, dass Shell und Bezirksregierung das Problem jetzt in den Griff bekommen", sagte Haupt zu WDR.de. Haupt forderte zusätzliche Brunnen, um das Kerosin schneller abzupumpen. An der Raffinerie in der 35.000-Einwohner-Stadt hängen direkt und indirekt über 2.000 Arbeitsplätze. "Wesseling ist Industriestadt, darum gibt es hier auch keine Panik", sagte der Rathauschef.

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"Rheinland Raffinerie"

Die "Rheinland Raffinerie" ist laut Shell die größte Raffinerie Deutschlands. Sie besteht aus zwei Teilen, dem Werk Nord in Köln-Godorf und dem Werk Süd in Wesseling sechs Kilometer weiter südlich. In Wesseling werden neben Mineralölprodukten vor allem Aromate, Olefine und Methanol als Grundprodukte für die petrochemische Industrie hergestellt.


Stand: 18.10.2012, 15.00 Uhr


Kommentare zum Thema (22)

letzter Kommentar: 20.10.2012, 15:28 Uhr

Walther schrieb am 20.10.2012, 15:28 Uhr:
@gegen Die Unvernuft... : Ah es kommen also immer Giftstoffe ins Grundwasser, wenn auch nur in kleinen Mengen. Dann ist es in der Tat unvernüftig solche Unternehmen hier produzieren zu lassen! Denn auch die kleinste Menge an Verunreinigung ist hier schon zu viel! Was hier aber passiert ist , ist ein kapitaler Fall von Umweltverschmutzung! In einem solchen Fall bittet man das verursachende Unternehmen nicht man zwingt es mit allen Mitteln dazu den Schaden zügig zu beseitigen. Die kosten die dafür anfallen spielen keine Rolle und sind von Unternehmen in vollem Umfang zu zahlen und zwar so lange wie nötig. Auch die evtl Betroffenen Bürger sind unbedingt schadlos zu halten! Das heißt das nicht das klienste Promill Kerosin im Trinkwasser akzeptabel ist. Wir tolerieren viel zu viel von solchen Unternehmen.
gegen Die Unvernuft... schrieb am 19.10.2012, 11:18 Uhr:
die hier aus allen Kommentaren tropft. Natürlich werden die Leitungen regelmässig auf Dichtigkeit untersucht, ich habe solche Projekte für ein paar Jahre, nach dem Studium, betreut. Das interessante an dem Fall ist nicht das Produkt ins Grundwasser gelangt (denn dass passiert fast ständig) sondern die schiere Menge. Die Enternung solcher Produktfahnen mittels Brunnengallerien ist erprobt und bewährt. Die Sanierung wird A, Jahre dauern, und B sehr teuer.
Verärgerter Rheinländer II schrieb am 19.10.2012, 10:06 Uhr:
Ich bin ebenfalls sehr ergerlich über die Verharmlosung, die in diesem Fall gtrieben wird. Wie groß der "Ölsee" wirklich ist, ist kaum zu ermessen. Die Zeche zahlt am Ende wieder der Steuerzahler, der in den Urlaub fliegen will!
Gundula schrieb am 19.10.2012, 09:53 Uhr:
Ooch - Shell wird gerügt, da wird die Firma sicher schwer beeinduckt sein. Es ist schon so, man kann sich in Deutschland jede Schw...nerei erlauben, Hauptsache man tut das in ganz großem Stil.
Kevin schrieb am 19.10.2012, 09:47 Uhr:
@KK: So ist es und so wird es leider bleiben.

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