Urteil des Wuppertaler Landgerichts Hohes Schmerzensgeld für vergewaltigte Schülerin

Von Frank Menke

Eine vergewaltigte junge Frau hat am Dienstag (05.02.2013) ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 Euro zugesprochen bekommen - das höchste in vergleichbaren Fällen bisher. Die Wuppertaler Richter stellten damit die bisherige Rechtspraxis in Frage.

Nach Angaben des Wuppertaler Landgerichts ist es das bislang höchste jemals in Deutschland verhängte Schmerzensgeld für ein Vergewaltigungsopfer. Die heute 20-jährige Frau war im Alter von 16 Jahren auf dem Schulweg in Solingen verschleppt, gefangen gehalten und mehrfach vergewaltigt worden. Erst nach dreieinhalb Tagen konnte sie aus dem Haus des damals 29-jährigen Täters flüchten. Er wurde im Jahr 2009 wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Geiselnahme zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Opfer war zum Tatzeitpunkt schwanger


20.000 Euro Schmerzensgeld hatte der Vergewaltiger bereits an sein Opfer gezahlt. "Das Gericht hat noch einmal 80.000 Euro oben draufgelegt, 20.000 Euro mehr, als die junge Frau verlangt hatte", sagte Thorsten Anger, Pressesprecher des Landgerichts Wuppertal, am Dienstag (05.02.2013). Die Kammer habe diesen Fall als "besonders schwerwiegend" eingestuft. Das Mädchen war zum Tatzeitpunkt im vierten Monat schwanger. "Damit bestand auch eine Drohung gegen das ungeborene Kind", ergänzte der Sprecher. Der arbeitslose Verkäufer hatte die Schülerin mindestens viermal stundenlang vergewaltigt. Er drohte ihr, sie nie wieder freizulassen und sie umzubringen, falls sie nicht leise sei.

Nach Aussage ihres Anwalts Hendrik Prahl hat die junge Frau das Kind später zur Welt gebracht und lebt heute mit diesem und dem Vater zusammen.

Bisherige Höchstzahlung verdoppelt

Laut Anger zog das Landgericht bei seiner Bewertung vergleichbare Fälle heran: "Es gibt eine sogenannte Schmerzensgeld-Tabelle, in der gerichtliche Entscheidungen festgehalten werden. Der Kammer erschienen die gezahlten Summen für Vergewaltigung als zu niedrig. Bisher waren 50.000 Euro das höchste jemals gezahlte Schmerzensgeld für eine Vergewaltigung in Deutschland gewesen." Diese Summe habe die Kammer verdoppelt, um der "Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion des Schmerzensgeldes in diesem Fall Rechnung zu tragen".

Anwalt des Täters kündigt Berufung an

Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht. Der Anwalt des Täters, Karl-Hermann Lauterbach, kündigte Berufung beziehungsweise Revision an. "Ich habe lange mit dem Vorsitzenden Richter diskutiert. Die Kammer geht davon aus, dass eine solche bahnbrechende Entscheidung nicht sofort rechtskräftig wird, sondern von höheren Instanzen wie dem Oberlandesgericht oder dem Bundesgerichtshof überprüft werden muss."

Ob der jungen Frau das Schmerzensgeld tatsächlich ausbezahlt wird, konnte ihr Anwalt vor diesem Hintergrund nicht einschätzen: "Das steht auf einem anderen Blatt. Das vermag ich noch nicht zu beurteilen. Da warte ich erst einmal, ob das Urteil rechtskräftig wird", sagte er. Obwohl der Täter im Gefängnis sitzt, könnte er über entsprechende Mittel verfügen. Laut Gericht stammt er aus wohlhabendem Elternhaus und soll Immobilien besitzen.


Stand: 05.02.2013, 12.41 Uhr