Schmallenberg-Virus teuer für Schäfer: Das Sterben der Lämmer
NRWs Schäfer drohen auf dem finanziellen Schaden sitzen zu bleiben, der ihnen durch den Schmallenberg-Virus enstanden ist. Die Tierseuchenkasse zahlt nur, wenn eine Krankheit als Seuche anerkannt ist. Das ist bislang nicht der Fall.

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Keine Hilfe in Sicht
Alfons Pieper ist besorgt. Der Landwirt aus Wickede/Ruhr ist Schäfer in der vierten Generation, sein Sohn geht ihm mittlerweile zur Hand. Doch derzeit verlieren Vater und Sohn den Spaß an ihren Tieren, denn das Schmallenberg-Virus macht auch vor ihrem Stall nicht halt: Immer wieder kommen missgebildete Lämmer zur Welt. "Nach dem großen Lämmersterben kommt das große Sterben der Schafhalter", sagt der 67-Jährige resigniert. Denn auf dem Schaden durch die vermutlich aus Übersee eingeschleppte Tierseuche, die durch Stechmücken übertragen wird, bleiben die Schäfer sitzen. Aktuell sind laut NRW-Landwirtschaftsministerium 161 Schaf- und sechs Ziegenhaltungen betroffen. Auch bei Rindern in NRW ist das Virus bereits nachgewiesen worden.
Tierseuchenkasse kann zurzeit nicht helfen
Helfen könnte theoretisch die Tierseuchenkasse. Doch sie dürfe nicht, sagt der Soester Kreisveterinär Wilfried Hopp. "Zunächst muss eine Krankheit im nationalen Tierseuchengesetz als meldepflichtig aufgenommen sein." Das ist beim Schmallenberg-Virus bislang nicht der Fall und würde allein auch nicht weiterhelfen. "Die Tierseuchenkasse hat derzeit gar nicht die Möglichkeit zu helfen. Dafür müsste das Schmallenberg-Virus als Seuche mit bestimmten Spezifikationen gelistet sein", sagte ein Sprecher des NRW-Landwirtschaftsministeriums. Zu diesen Spezifikationen zählten etwa "die Übertragbarkeit der Krankheit auf den Menschen oder ob Tiere auf behördliche Anweisung getötet werden müssen".
Ministerium: "Eine ganz neue Krankheit"
Unbürokratisch kann die Tierseuchenkasse den Schäfern auch nicht weiterhelfen, denn gegebenenfalls zahlt das Land die Hälfte der Entschädigung - aber eben nur, wenn das Schmallenberg-Virus als Seuche entsprechend gelistet ist. "Wenn diese Formalien missachtet werden, droht eine Wettbewerbsstrafe aus Brüssel", sagt Veterinär Hopp. Ob die Schäfer rückwirkend entschädigt werden können, ist juristisch zurzeit ungeklärt. Ebenso unklar ist, ob es Ausnahmen von der üblichen Entschädigungspraxis geben könnte, beispielsweise für Härtefälle. Laut NRW-Landwirtschaftsministerium handelt es sich um "eine ganz neue Krankheit". "Insofern kann man derzeit nicht abschätzen, was Härtefälle sind oder was die Regel ist. Das muss alles untersucht werden. Denn viele Fragen zum Schmallenberg-Virus sind überhaupt noch nicht beantwortet", sagte der Sprecher des NRW-Landwirtschaftsministeriums.
Schafzüchter-Verband: "Das ist doch höhere Gewalt"

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Wie wurde die Krankheit eingeschleppt?
Schäfer Hans Holtkamp aus Wesel macht trotz dieser Erklärungen aus seinem Unverständnis keinen Hehl: "Wir haben die Tierseuchen-Kasse gefüllt. Wir haben für jedes Tier Beiträge gezahlt für genau solch einen Fall. Und nun sitzen die brütend auf dem Geld und warten, dass mehr daraus wird", schimpft das Vorstandsmitglied des NRW-Schafzüchter-Verbandes. "Das ist in etwa so, wie wenn ich jahrelang die Prämien der Feuerversicherung zahle und wenn es dann brennt, wird nichts gezahlt." Berufskollege Alfons Pieper pflichtet ihm bei. "Und wir haben keine Schuld. Das ist doch höhere Gewalt", sagt er.
Den Ärger und das Unverständnis der Schäfer kann Veterinär Hopp verstehen. Auch er ist sich sicher, dass die Krankheit aus Übersee eingeschleppt wurde, beispielsweise über den Rotterdamer Hafen. Zunächst seien die Symptome schließlich in den Niederlanden aufgetreten.
Die nächste Seuche kommt bestimmt
![Bildrechte: WDR, dpa, dapd [M] Bösel Rind, Schaf, Ziege unter Schmallenberg Virus Verdacht](/themen/panorama/schmallenberg114_v-ARDAustauschformat.jpg)
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Viele Tiere sind betroffen
Und wegen des weltweiten Handels geht der Amtstierarzt davon aus, dass es nach dem Schmallenberg-Virus irgendwann die nächste exotische Tierkrankheit geben wird. Um den betroffenen Tierhaltern zu helfen, müsse es Änderungen im nationalen Tierseuchengesetz geben, sagt Hopp. "Damit sollte man eine Vorsorge-Regelung schaffen, um den Betroffenen schnell zu helfen." Man könne sicher nicht sämtliche Tierkrankheiten in die Liste aufnehmen, sagt Hopp. Aber Vorsorge sei wichtig: "Die Blauzungenkrankheit war bei uns eigentlich auch nie ein Thema. Trotzdem war sie gelistet. Deshalb konnte die Kasse damals bei der Blauzungen-Erkrankungswelle zahlen."
Stand: 08.02.2012, 17.03 Uhr
Kommentare zum Thema (4)
letzter Kommentar: 09.02.2012, 12:19 Uhr
- Michael schrieb am 09.02.2012, 12:19 Uhr:
- @Veganer: Wenn alle nur noch Biogemüse und Bioobst essen würden, dann geht das nicht lange gut. Wenn man sich in der Pflanzenzüchtung auskennt dann weiß man das alle Pflanzen Nährstoffe brauchen um zu wachsen, die einen mehr die anderen weniger. Bio würden dann heißen die Nährstoffe kommen nicht aus Mineraldünger sondern aus organischem Dünger wie Mist oder Gülle. Um diese Nährstoffe zu produzieren brauche ich also erst mal Tiere. Schlussfolgerung daraus: ohne Tierhaltung gibt es kein Biogemüse. Die eigentliche Ursache des Problems ist doch unsere Globalisierung wo jeder in den nächsten Flieger steigen kann und kommt überall hin und andere kommen von überall her, hier hin zu uns, halt ach blinde Passagiere (die Gnitzen). Wieso kommen solche Krankheiten eigentlich immer aus den Niederlanden, bei der Blauzungenkrankheit war das ja auch so.
- Spagat schrieb am 09.02.2012, 09:19 Uhr:
- Ob Blauzungenkrankheit bei Schafen, Varroamilbe bei Bienen oder irgend eine andere eingeschleppte Krankheit. Es sollten nicht die Halter der Tiere dafür zahlen, sondern die Profiteure der Globalisierung.
- Mr. DATA schrieb am 08.02.2012, 18:19 Uhr:
- Für solche Belanglosigkeiten hat unsere Landesregierung überhaupt keine Zeit. Die müssen erstmal selber ihre Schäfchen ins Trockene bringen ...
- Veganer schrieb am 08.02.2012, 18:14 Uhr:
- Am besten ist es, man verzichtet ganz auf Fleisch und isst nur noch Gemüse und Obst (aber bitte Biogemüse und Bioobst und frei von Gentechnik).
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