Zwei Herden verschwunden Schafklau am Niederrhein

Von Annika Mareli Schlemmer

In Kleve und Goch sind in der vergangenen Woche 85 Schafe von ihren Weiden gestohlen worden. In den Niederlanden gab es ebenfalls mehrere Fälle. Die gestohlenen Tiere sind wohl für den Weiterverkauf oder die Schlachtung bestimmt.


Schafherde auf einer Wiese
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Schafherden sind weitgehend ungesichert

Schafzüchter am Niederrhein sind mittlerweile in Alarmbereitschaft. In Kleve müssen die Diebe zwischen Sonntagnachmittag und Dienstag (09.10.2012) gewesen sein: Sonntag war der Besitzer noch bei den Tieren auf der Weide gewesen, zwei Tage später waren alle 50 Schafe verschwunden. Ein anderer Schäfer in Goch vermisste am Donnerstagmorgen 35 Schafe, die er dort noch am Mittwoch versorgt hatte.

Leichtes Spiel für die Diebe

Es sei üblich, dass Schafherden nicht direkt am Betrieb, sondern weiter weg, zum Beispiel auf den Deichen, weiden, sagt eine Polizeisprecherin. Sie seien also nicht permanent überwacht. Ionel Constantin von der Landwirtschaftskammer NRW in Kleve erläutert: "Meistens werden mobile Zäune verwendet, die natürlich auch nicht absolut sicher sind." Es sei relativ einfach, solche Herden zu stehlen, vor allem, wenn sie nachts eng zusammengepfercht stehen.


Eingepferchte Schafherde hinter einem Holzzaun
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Auch Einpferchen hilft wenig gegen Diebstahl

Eigentlich als Schutz vor Füchsen oder anderen Raubtieren gedacht, kann den Schäfern das Einpferchen eben auch zum Verhängnis werden: Denn so sind bereits alle Tiere nah beisammen. "Wenn dann jemand mit einem großen Transporter kommt, die Leittiere mit Kraftfutter lockt - dann kommen direkt alle anderen hinterher", sagt Constantin. Selbst bei Herden von einigen hundert Tieren sei das kein Problem.

Viel Geld für Schaffleisch

Und auch eine Markierung per Chip sei keine wirkliche Lösung: "Die Ohrmarken lassen sich leicht entfernen - da macht man dann im neuen Betrieb einfach neue dran". Vorausgesetzt, die Tiere sollen weiter als Zuchttiere einsetzt werden. Auch Chips, die über das Futter im Magen der Tiere platziert werden, nützten oft nicht viel - denn in den meisten Fällen werden die gestohlenen Schafe schwarz geschlachtet, vermutet Constantin. In den letzten Tagen sei der Preis für Schaffleisch gestiegen, der Schafklau biete also eine gute Möglichkeit, Geschäfte zu machen.

50 Tiere waren trächtig

Auch die Tatsache, dass die Tiere möglicherweise geimpft und damit nicht zum Verzehr geeignet sein könnten, halte die Schafdiebe wohl kaum davon ab, meint der Experte: "Das dauert dann ein paar Wochen, dann ist der Impfstoff nicht mehr gefährlich". Die Schafe, die in Kleve gestohlen wurden, werden jedoch vermutlich eher als Zuchttiere weiter verwendet, da es sich um 50 trächtige Muttertiere handelt. Für den Schäfer ist das deshalb aber auch gleich ein doppelter Verlust.

Polizei tauscht sich mit niederländischen Kollegen aus

Von zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen in der Gegend weiß Ionel Constantin bisher nichts, zumal eine verstärkte Überwachung auch nur schwierig zu bewerkstelligen sei, insbesondere bei größeren Herden. Auch die Polizei Kleve wiegelt ab: "Natürlich sind alle sensibilisiert: Die Polizei und selbstverständlich auch die Nachtstreife - und die Schäfer ja sowieso. Aber es wird jetzt nicht jede Herde vorsorglich überwacht". Schließlich sei jeder erstmal selbst für sein Eigentum verantwortlich, so die Sprecherin. Dazu gehöre auch die Sicherung des Eigentums, in diesem Fall der Schafe. Aber natürlich würden weiterhin mögliche Zeugen befragt. Außerdem tausche man sich mit der niederländischen Polizei aus. Direkt hinter der Grenze seien in den letzten Monaten ebenfalls einige Fälle von Schafdiebstahl gemeldet worden. Ob allerdings Zusammenhänge mit einem weiteren Schafklau-Fall im Emsland bestehen, konnte die Sprecherin noch nicht sagen. Dort wurden am vergangenen Wochenende elf Tiere von ihrer Weide gestohlen.


Stand: 12.10.2012, 13.00 Uhr


Kommentare zum Thema (12)

letzter Kommentar: 16.10.2012, 15:06 Uhr

NW schrieb am 16.10.2012, 15:06 Uhr:
@ Horst, Sie haben noch vergessen aufzuführen, die Sonnenkollektoren auf dem Dach. Vielleicht sollte man den Tieren irgendwie versteckt einen Sender im Körper einsetzen, den man selbst beim Zerlegen des Tieres nicht sofort sieht, mit dem man sie jederzeit orten kann.
mellie schrieb am 13.10.2012, 16:25 Uhr:
Das tut mir sehr leid für die Schäfer. die ja bestimmt nicht die reichsten sind. Furchtbar auch, dass soviel trächtige Schafe gestohlen wurde. Man weiss nicht wie sie behandelt werden von skrupellosen Räuberbanden bestimmt nicht adäquat. Auf welche Ideen werden solche noch kommen??
WDR.de schrieb am 13.10.2012, 15:03 Uhr:
Posting wurde entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich.
Gerda schrieb am 13.10.2012, 12:44 Uhr:
Ich fahre jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an Weidegebieten in der Gegend vorbei. Leider sehe ich auch kaum, dass diese Tiere bewacht werden. Aber in der heutigen ABI-Gesellschaft würde sich ja auch keiner mehr herablassen den Posten eines Schafshirten zu übernehmen. Was mich wundert, ist das die Autobahnen in der Nähe einen enormen LKW Zuwachs haben, oft mit ausländischen KFZ und oft vermehrt in den Parkbuchten der Rastplätze stehen- da kann man doch auch in der Nacht mal Kontrollen fahren- oder? Ich persönlich werde ab sofort bei Auffälligkeiten nun sofort die Polizei verständigen... das sollten andere Bürger vielleicht auch tun.
Anonym schrieb am 13.10.2012, 10:14 Uhr:
Was heißt heutzutage. Schon vor 23 Jahren wurde in der DDR nach der Wende Vieh aus den Ställen geklaut in Größenordnungen. Niemand wusste, wem noch irgendetwas gehörte. Lastkraftwagen fuhren vor, irgend ein Fetzen Sch...hauspapier vorgezeigt oder nur etws gemurmelt und der volkseigene Bauer musste zusehen, wie das Vieh abtransportiert wurde. Von den Erlösen des Viehklaus stehen heute evtl. wer weiß wo im Friedenseuropa schmucke Villen.

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