Wie Deutsche "Sandy" erlebten Als die Lichter ausgingen

Von Insa Moog

Wie haben die Menschen in und um die Metropole herum die Hurrikan-Nacht erlebt? Wir haben bei Deutschen nachgefragt, die sich beim Eintreffen von "Sandy" dort und nahe der US-Ostküste aufhielten: Anrufe in Brooklyn, Yorktown und in den Washington Heights. Eine Mail erreicht uns aus Washington D.C.


Wasser fließt über einen Spazierweg in New York
Bild 1 vergrößern +

Seltenes Bild: Spaziergänger im teils überfluteten New York City

Brooklyn Bridge nach dem Superstorm Sandy Video Wirbelsturm "Sandy"- Die Folgen (01:36 Min.) WDR aktuell vom 31.10.2012

Wirbelsturm "Sandy"- Die Folgen

In New York ist gerade nichts mehr wie es vor dem Eintreffen von "Sandy" war. Ganze Straßenzüge und die U-Bahn-Linie sind gesperrt. Überrascht hat der Hurrikan die Menschen nicht, die Behörden warnten vorab umfangreich, empfahlen das Anlegen von Lebensmittel- und Wasservorräten. Wie haben die Menschen den "Frankenstorm", wie Sandy schnell auf Twitter hieß, erlebt?

Anruf in Brooklyn (NY): "Fast umgeweht"


Silke von Brockhausen

Silke von Brockhausen

Silke von Brockhausen kommt gebürtig aus Ludwigshafen. Sie lebt in Williamsburg, einem Stadtteil des New Yorker Stadtbezirks Brooklyn, und arbeitet als Referentin für Social Media bei der UNO. Gegen halb neun gingen die Lichter aus, berichtet sie. Vom Dach aus konnte sie am Abend beobachten, wie ganze Teile Manhattans komplett dunkel wurden. Es sei ein komisches Gefühl zu wissen, dass nun ganze Straßen und die komplette U-Bahn gesperrt sind.

Audio

Anruf in der Upper Westside von Manhattan, NYC (NY): "Dann gingen in New Jersey die Lichter aus"


Stefanie Lemcke

Stefanie Lemcke

Stefanie Lemcke leitet eine PR-Agentur für Medien, Unterhaltungsindustrie und Technologieunternehmen. Sie wohnt im neunten Stock eines Altbaus auf der Upper Westside mit direktem Blick auf den Hudson River. Am Haus gegenüber stürzte ein komplettes Baugerüst in sich zusammen; beinahe hätten die herabfallenden Teile vier Menschen erschlagen, berichtet Stefanie Lemcke. Wie die meisten New Yorker hat auch sie sich ab dem Abend über Facebook und Twitter über die aktuellen Entwicklungen informiert.

Audio

Anruf in den Washington Heights, NYC (NY): "Bei Freunden sicherer gefühlt"


Tom Buchmaier

Tom Buchmaier

Tom Buchmaier studierte an der FH Köln Sprachen und ist derzeit für ein Praktikum im IT-Bereich in New York. Die Nacht hat er bei einem Freund in den Washington Heights verbracht. Zwischendurch befürchtete er, dass die Fensterscheiben zerbrechen, berichtet Tom Buchmaier.

Audio

Mail aus Washington D.C.: "Die Gewissheit, dass etwas kommt"

Laura Lindholm aus Wassenberg (Heinsberg) ist gerade als Aupair bei einer Familie in Washington D.C. Weil sie nicht telefonieren kann, schickt sie uns eine Mail und schildert die Ereignisse seit dem Abend vor dem Sturm in der US-Hauptstadt.


Verwüstung durch Hurricane Sandy
Bild 2 vergrößern +

"Seit Montagmorgen waren alle darauf eingestellt, dass bald der Strom ausfällt, es war nur noch ein "darauf Warten". Die Schulen und auch die Büros, die mit der Regierung zusammenhängen, waren geschlossen, also waren wir alle zuhause. Meine Gastfamilie hier hat wie viele andere auch Hamstereinkäufe gemacht, für den Fall, dass wir länger ohne Strom sind. Gegen 18 Uhr Ortszeit fing es langsam an; es wurde sehr dunkel und regnete und stürmte unglaublich stark - bei einer Freundin von mir war zu dieser Zeit schon der Strom weg. Bei uns blieb es auch in der Nacht dabei: viel Regen und Sturm. Aber ich weiß von Au-Pairs in New York und New Jersey, wie schlimm es sie dort erwischt hat, und bin deshalb wirklich froh über das, was hier war. So richtig Angst hatte ich nicht. Das war bei meinen Freundinnen hier aber genauso. Einfach aus dem Grund, dass wir uns nicht wirklich was unter diesem "Supersturm" vorstellen konnten. Was allerdings ein furchtbares Gefühl war, war die Gewissheit zu haben, dass etwas kommt, wir aber eben nicht wussten, wann und wie heftig. Wenn man jetzt aus dem Fenster schaut, ist alles grau und verhangen und es regnet noch. Die Straßen sind leicht geflutet und es liegen überall kleinere Bäume und größere Äste herum, auch auf unserem Auto."

Anruf in Yorktown (NY): "Ich kenne keinen, der Strom hat"


Karen Vogelsang

Karen Vogelsang-Brown

Karen Vogelsang-Brown ist Marketing-Leiterin in der US-Vertretung eines deutschen Messeunternehmens. Sie lebt mit ihrer Familie in Yorktown, einem Vorort von New York City, etwa 60 Kilometer entfernt von Manhattan. Ihr Mann Danny ist leitender Polizeibeamter bei der NYPD. Er und seine Kollegen müssen derzeit Zwölf-Stunden-Schichten schieben, berichtet Karen. Seine Kollegen hatten zum Teil große Schwierigkeiten bei den Evakuierungsarbeiten, weil in einigen Abschnitten der Stadt viel Wasser in die Häuser gelaufen war. Die Straßen sind übersät mit Bäumen und umgefallenen Strommasten, beschreibt Karen Vogelsang-Brown. Strom haben die Vogelsang-Browns derzeit keinen mehr - bis sich das ändert, werden wohl mehrere Tage vergehen.

Audio

Insa Moog:
Insa Moog

"Das hat geklappt: Über Twitter hatten wir nach Deutschen gesucht, die sich gerade im "Sandy"-Einzugsgebiet aufhielten. Tom Buchmaier war einer der ersten, der reagierte. Einen anderen Twitterer in New Jersey haben wir leider zwischenzeitlich nicht mehr erreichen können: Mailbox. Er schrieb später, es gebe Probleme mit dem Mobilfunknetz. Wer "Sandy" ebenfalls hautnah erlebt hat, kann gerne seine Geschichte noch in die Kommentare schreiben!"


Stand: 30.10.2012, 18.00 Uhr


Kommentare zum Thema (20)

letzter Kommentar: 02.11.2012, 11:54 Uhr

Stürmer schrieb am 02.11.2012, 11:54 Uhr:
Es ist bezeichnend für den deutschen Michel das hier ausschließlich das Leid der USA wahrgenommen wird. Wie immer. Das z.B. allein in Haiti mehr als vier(!) mal so viele Menschen durch den Sturm umgekommen sind wie in den USA interessiert den deutschen Michel wenig. kuba hat fast die identische Zahl an Todesopfern, wie die USA. Dort sind massig Menschen gestorben. Hier überlegt man aus dem Sessel heraus was die USA falsch machen, ...im Schatten derer sterben die Menschen in Massen ohne das es jemand merkt. Für die Wallstreet oder das reiche NY wird in der Not fleißig gespendet, was wohl auch richtig ist, aber was ist mit all den Anderen die das gleiche Problem hatten? Was ist mit den Leuten im Süden Amerikas, die nicht wie in NY morgen zu einem Arzt fahren können?
Nadine schrieb am 02.11.2012, 03:51 Uhr:
Klar die deutschen Medien berichten wirklich viel darüber aber in den USA ist es nicht anders schon am Sonntag vor dem Sturm sind alle verrückt geworden. Ich war mit einem anderen AuPair in Philadelphia für einen Wochenendtrip wir leben momentan beiden in den Vorstädten New Yorks. Wir hatten Samstag Nacht eine Mail bekommen das unser Bus zurück nach NY gestrichen wurde. Eigentlich wollten wir um 5 Nachmittags fahren haben aber haben nur einen Bus um 9:30 morgends bekommen. Auf der Rückfahrt haben wir dann erfahren das der öffentliche Nahverkehr in NY um 6Uhr abends eingestellt werden sollte, da waren wir doch etwas froh, das wir früher zurück waren. Der Sturm kam aber erst Montag bei uns an ich wohne nur ein paar Minuten von Frau Vogelsang-Brown entfernt und wir hatten gegen 19Uhr keinen Strom mehr und er ist immer noch nicht wieder da. Seit dem bin ich ungefähr 30Meilen gefahren und was ich da alles gesehen habe, umgefallene Bäume gekappte Strom und Telefonleitungen.
Till Schumacher schrieb am 01.11.2012, 13:05 Uhr:
Das seltene Bild mit Spaziergängern im Regen ist nicht in NY aufgenommen. Es stammt aus Washington DC und zeigt den Potomac River, das Kennedy Center, etwas verdeckt das Watergate Building und ist an der Promenade in Georgetown aufgenommen. Viele Grüße aus DC
Bürger schrieb am 01.11.2012, 11:19 Uhr:
Die USA sollten mal etwas für das Klima tun, ihre maroden Energieleitungen vom 19.Jahrhundert verändern, Schutz für z. B. der U-Bahnen, vernünftige Häuser bauen usw. Die USA sind nur führend in der Welt, wenn es um Kriege geht. Da wird Geld hereingepummt ohne Ende. Für Menschenvernichtung ist Geld da, nur für die Vorsorge nicht. Und unsere Medien heulen natürlich mit. Traurig ist nur, dass es wie immer Unschuldige trifft.
Hmm schrieb am 31.10.2012, 16:34 Uhr:
Ob die US-Medien genauso "umfangreich" berichten, wenns bei uns mal "stürmt" ?

Alle Kommentare anzeigen