Wie Russen sich warm halten Eugenie Zagrazki mag die Kälte

Bei uns herrscht Kälte, wie sie sonst eher in Russland vorkommt. Da liegt es nahe, bei einer Russin nachzufragen, wie wir diesen Winter am besten überstehen. Eugenie Zagrazki aus Sankt Petersburg mit ihren Tricks und russischen Winter-Traditionen.


Eugenie Zagrazki in ihrem Büro
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"Ab einer gewissen Temperatur spürt man gar nichts mehr"

WDR.de: Frau Zagrazki, in Ihrer Heimatstadt sind es derzeit -23 Grad. Sind solche Temperaturen für Sankt Petersburg normal?

Eugenie Zagrazki: Bis -20 Grad ist im normalen Bereich. Wobei die Menschen bei solchen Temperaturen natürlich auch frieren. Sie haben sich aber daran gewöhnt und passen sich an. Ich bin mit zwölf Jahren dort weg gegangen, aber ich kann mich noch gut erinnern, als das Thermometer auf -33 Grad gesunken ist. Das ist wirklich kalt!

WDR.de: Eine gute Hühnersuppe, Gulasch oder Grünkohleintopf - damit wärmen wir uns hier auf. Was essen die Russen an kalten Tagen?

Zagrazki: Vor allem Pelmeni, das sind mit Fleisch gefüllte Teigtaschen. Blini werden auch sehr gerne gegessen. Die erinnern ein bisschen an französische Crêpes. Blini werden mit Schmand, Kaviar oder süßen Beilagen gegessen. Generell stehen viele Suppen auf dem winterlichen Speiseplan, wie zum Beispiel Borschtsch, ein Eintopf mit Kohl und Rote Bete.

WDR.de: Und welche Getränke nehmen die Russen zu sich? Wodka?


Topf mit Suppe und russische Dekorationsgegenstände
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Borschtsch wärmt

Zagrazki: So viel trinken wir nicht, aber es stimmt schon, dass reichlich Wodka getrunken wird. Ich kenne zwar keine Untersuchung die belegt, dass Wodka gut gegen Kälte wirkt, aber es ist in diesen Breitengraden Tradition. Wodka wärmt auf jeden Fall die Seele und entspannt. Aber in erster Linie trinken Russen viel Tee. In einem Samowar, einer Teebrühmaschine, wird der Tee in ländlichen Gebieten zubereitet. Nostalgiker in der Großstadt benutzen den Samowar auch noch. Kaffee ist mittlerweile durch die Ketten, die es in der westlichen Kultur auch gibt, sehr verbreitet.

WDR.de: Wie ziehen sich Russen im Winter an?

Zagrazki: Da ist kein großer Unterschied zu den Menschen hier im westlichen Europa. Man packt sich warm ein und trägt wie eine Zwiebel mehrere Schichten übereinander. Wichtig: Schal, Wollmütze und dicke Handschuhe. Und ich muss leider sagen, die, die es sich leisten können, tragen Pelz. Da würde jeder PETA-Aktivist durchdrehen, wenn er das sieht. Aber das ist das einzige, was die Leute wirklich warm hält.

WDR.de: Machen sich Russen keine Gedanken über die Herkunft der Pelze und den Tierschutz?

Zagrazki: Russen haben wenige Probleme, Pelz zu tragen. Es gibt Kampagnen gegen Pelze, aber nicht so ausgeprägt wie hier. Ich hatte letztens eine Freundin aus Sankt Petersburg zu Besuch und die kam mit einem Pelz. Ich dachte schon oh Gott, hoffentlich laufen wir keinem Tierschützer über den Weg. Aber sie sagte: Sorry, bei unseren Temperaturen kann ich nichts anderes tragen. Ich kann die Leute verstehen. Ich bin froh, dass ich nicht in diesem Dilemma stecke und mir bei -30 Grad überlegen muss, was ich anziehe und dann eventuell doch auf einen Pelz ausweiche.

WDR.de: Welche Schuhe zieht man bei dem Wetter an?


Hohe Schuhe und Pelzstulpen
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Nach einem Tag im Matsch sehen die Pumps anders aus

Zagrazki: Früher hat man noch Walenki getragen, das sind Stiefel aus fest gewebter Schafswolle. Mittlerweile sind dort alle so modebewusst, die zieht keiner mehr an. Man sieht auf den Straßen auch durchaus hochhackige Schuhe und Stiefel. Die Frauen ziehen Wollsocken in den Pumps an, dann geht das schon. Allerdings leiden die Schuhe sehr durch den salzigen Matsch auf den Straßen und sehen dementsprechend schlimm aus.

WDR.de: Der kalte Wind lässt die Haut austrocknen, Äderchen platzen und die Lippen werden rissig. Wie kann man seine Haut schützen?

Zagrazki: Dieses Märchen, dass sich Russen Fett ins Gesicht schmieren, wie Öl oder Schmalz, das habe ich noch nie erlebt. Man stelle sich eine schicke Moskauerin vor, so eine feine Lady mit Pelz, die Fett ins Gesicht geschmiert hat. Nein. Wir benutzen reichhaltige Cremes, Make up und Lippenstift. Männer ziehen sich einfach den Schal ins Gesicht.

WDR.de: Viele in Deutschland verlassen derzeit das Haus nur ungern, bleiben lieber in der warmen Wohnung. Machen Russen das auch?

Zagrazki: Jetzt bei -20 Grad wird nicht die Hölle los sein auf den Straßen. Aber die Menschen sind das gewohnt und gehen ihren täglichen Geschäften nach. Bei noch kälteren Temperaturen wird das Leben entsprechend langsamer, aber es ist nicht so, dass man sich im Haus vergraben würde. Die Russen sind sehr autoaffin. Sie erledigen kurze Strecken mit dem Auto. Das Problem könnte dann sein, dass das Auto nicht anspringt. Mittlerweile gibt es Abdeckungen aus speziellen Materialien, die nachts über das Auto gelegt werden, damit es nicht einfriert.

WDR.de: Wie empfinden Sie die Kälte am Niederrhein?


Im Hintergrund die winterliche Kulisse von Sankt Petersburg, vorne fliegt ein Vogel vorbei
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Sankt Petersburg im Winter

Zagrazki: Mir ist kalt, aber ich mag das. Eine gewisse Zeit im Jahr muss es mal kalt werden. Hier ist es zwar sehr frostig, vor allem wegen des Windes, aber ich finde das schön. Und das ist kein Vergleich zum kalten russischen Winter. Ich ging damals zur Schule und hatte das Gefühl, die Luft steht still. Du versuchst nicht einzuatmen, weil die Nasenhärchen aneinander kleben vor Kälte. Ab einer gewissen Temperatur spürt man gar nichts mehr.

Das Interview führte Susanne Schnabel.

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Eugenie Zagrazki

Vor 15 Jahren kam Eugenie Zagrazki aus Sankt Petersburg mit ihrer Familie nach Deutschland. Sankt Petersburg hieß bis 1991 Leningrad, liegt im Nordwesten des Landes und ist mit über 4,8 Millionen Einwohnern die nach Moskau zweitgrößte Stadt Russlands. Die 27-jährige Eugenie Zagrazki ist an der Volkshochschule in Mönchengladbach zuständig für den Programmbereich Englisch und germanische Sprachen.


Stand: 04.02.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (6)

letzter Kommentar: 05.02.2012, 22:41 Uhr

Fux schrieb am 05.02.2012, 22:41 Uhr:
Was für ein Thema, was trägt der Russe im Winter, was trägt der Afrikaner im Sommer, wie trinkt der Brite Tee und wie hoppelt der Australier. Zu jedem Thema gibt es Schlauberger und Experten und mein WDR präsentiert mir für meine GEZ Gebühren ganze Paletten an Weisheiten. Manno, diese Berichte über den Umgang mit dem Wetter, nerven einfach nur noch. Es ist Winter und da kann es durchaus kalt sein, lieber WDR. Macht kein Drama darauss, überlasst das lieber der BLÖD-Zeitung. Ihr könnt nicht auf dieses Niveau runter.
Na ja . . . schrieb am 04.02.2012, 14:01 Uhr:
die Kälte ist schon da, wo sie hingehört, nämlich im Winter ;-)
Eiszapfen schrieb am 04.02.2012, 13:46 Uhr:
Alles gut und schön, aber die Kälte soll doch bleiben wo sie hingehört.......im Gefriefach. Ich freu mich auf den Sommer.
UsBe schrieb am 04.02.2012, 13:34 Uhr:
Die junge Frau spricht mir aus der Seele. Auch ich liebe dieses trocken-kalte Wetter. Und Winter ist nun mal nicht Sommer. Gegen Kälte kann man sich wappnen und sich auch früh genug darauf vorbereiten. Ich hätte nichts dagegen, wenn es - wie vermutet - noch den ganzen Februar so bliebe.
Ruhri schrieb am 04.02.2012, 10:41 Uhr:
Wieso kalt? Was macht ihr denn im Winter?

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