Unterstützung für Querschnittsgelähmte Mit Roboter-Anzug wieder gehen lernen

Hilfe für Querschnittsgelähmte: In Bochum ist das europaweit erste Zentrum für Neurorobotales Bewegungstraining (ZNB) eröffnet worden. Ein Roboter-Anzug, der dort zum Einsatz kommt, soll Patienten mehr Eigenständigkeit ermöglichen.


Der querschnittsgelähmte Philippe von Gliszynski läuft in einem Roboteranzug
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Nach einem Sturz kann Philippe von Gliszynski ...

Der in Japan konstruierte Roboter ist von Yoshiyuki Sankai an der Universtität Tsukuba entwickelt worden. Er war neben NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin am Montag (10.09.2012) bei der Eröffnung des neuen Therapie-Zentrums in Bochum zu Gast. Drei Patienten haben die neue Therapie-Möglichkeit in den letzten Monaten getestet. Einer von ihnen ist Philippe von Gliszynski. Der Architekt war im Winter 2010 beim Schneeschaufeln auf einem Dach durch eine Luke gestürzt und drei Meter tief gefallen. Seitdem ist er ab dem zwölften Brustwirbel gelähmt. In seinen Beinen, besonders im linken, hat er noch minimale Empfindungen. Nach einer Operation und den üblichen Reha-Maßnahmen war der 35-Jährige nach eigener Aussage austherapiert.

Vorbedingung: Lernfähigkeit des Körpers


Der querschnittsgelähmte Philippe von Gliszynski im Roboteranzug läuft
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... mit Hilfe der japanischen Laufhilfe ...

"Für mich war zu diesem Zeitpunkt klar, dass sich mein Zustand nicht mehr verbessern wird." Die Aussicht: Ein Leben im Rollstuhl. Umso freudiger und stolz zeigte Philippe von Gliszynski bei der Eröffnung des ZNB, welche Fortschritte er in kurzer Zeit gemacht hat. Dank der japanischen Laufhilfe konnte der Architekt seine Selbstständigkeit erheblich steigern. Im Februar 2012 stoppten die Ärzte beim 10-Meter-Lauftest an einer Gehhilfe noch eine Zeit von 72 Sekunden. Im Juni brauchte von Glyszynski für die gleiche Strecke nur noch 26 Sekunden. Er läuft jetzt an einem Rollator und ohne Roboter weit über 1.000 Meter.

Möglich macht das die Lernfähigkeit des Körpers. Denn der Roboter braucht die Hilfe des Patienten. Der trägt das 14 Kilogramm schwere Gerät und ist mit Sensoren verkabelt. Diese Kontakte auf der Haut liefern Impulse an den Roboter weiter, den zuvor das Gehirn in Richtung Beine geschickt hat. Der Roboter führt dann die Schritte aus, die vom Körper wegen der zu schwachen Nervenreize und der zu schwachen Muskulatur verweigert werden. Ist das Training erfolgreich, übernimmt der Körper allmählich die vom Roboter unterstützten Funktionen wieder selbst.

Nicht für jeden Fall geeignet


Der querschnittsgelähmte Philippe von Gliszynski im Roboteranzug läuft
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... wieder einen Fuß vor den anderen setzen

Professor Thomas Schildhauer: "Wir beobachten durch das Training mit dem Anzug eine deutlich gesteigerte Mobilität, einen intensiven Muskelaufbau und ein höheres Aktivitätsniveau." Der Ärztliche Direktor der Uniklinik Bergmannsheil schränkt aber ein: "Die zerstörten Nervenbahnen sind nicht verheilt. Und auch nicht für jeden Querschnittgelähmten ist das System geeignet." Aber auch Patienten mit spastischen Leiden sind eine mögliche Zielgruppe. Das neue Zentrum ist angegliedert an das Universitätsklinikum Bergmannsheil.

Nach der Testphase des "Hybrid Assistive Limb" (HAL) geht es jetzt in Bochum in die nächste Runde. Zuerst stehen fünf, später zehn Roboter bereit. Pro Woche müssen die Patienten an fünf Tagen zwei Stunden damit trainieren. Von Gliszynski war als Bauleiter auf Baustellen tätig. Das wird er nicht mehr können. Als Architekt aber will er weiter arbeiten. Das war vor einem halben Jahr für ihn noch unvorstellbar.


Stand: 10.09.2012, 17.00 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 11.09.2012, 00:48 Uhr

Odyssee schrieb am 11.09.2012, 00:48 Uhr:
Faszinierende Technik, aber muss man das HAL nennen?