Brückensperrung für Lkw "Keine Zeit, keine Zeit"

Von Andreas Poulakos

Seit mittlerweile fünf Tagen darf die Leverkusener Rheinbrücke von Lkw und Kleinlastern nicht befahren werden. Doch auch am Montagabend ignorieren noch viele Brummifahrer die neuen Verbotsschilder. Ein Ortstermin.


Mirko hat es eilig. "Der Kunde wartet. Eigentlich müsste ich längst hinter Dortmund sein." Selbst die kurze Pinkelpause auf dem Parkplatz an der A1 sei schon ein Luxus, sagt der Fahrer eines Siebeneinhalb-Tonners aus Polen. Nein, mit der gesperrten Rheinbrücke habe seine Verspätung nichts zu tun. "Bei Regen gibt's immer jede Menge Verzögerungen, irgendwer versperrt immer die rechte Spur." Ob er trotz Verbot die Rheinbrücke bei Leverkusen überquert hat, will er nicht sagen. Keine Zeit.

Weniger Lkw als üblich

 

Allein wäre Mirko auf der Brücke am Montagabend (04.12.2012) wohl nicht gewesen. Bei insgesamt vier Testfahrten über das beschädigte Bauwerk sind trotz der späten Stunde noch fünf Lkw zu sehen, darunter auch ein besonders schwerer Autotransporter. Hinzu kommt noch einmal die doppelte Zahl an Kleintransportern, Typ Sprinter, wie üblich mit Vollgas unterwegs. Das sind zwar weit weniger als an normalen Tagen auf dieser viel befahrenen Strecke. Aber eben auch nicht null, wie es das Verkehrsministerium nach der Entdeckung der schweren Schäden im Brückenstahl am Freitag verfügt hat.

20 Euro Strafe

Über 100 Lkw-Fahrer hat die Polizei im Lauf des Tages auf der Brücke gestoppt, verwarnt und ihnen Bußgeldbescheide zu je 20 Euro überreicht. Jetzt ist keine Kontrolle mehr zu sehen. Die Polizei hat Feierabend, die Fernfahrer noch lange nicht. Hinzu kommt, dass auf die große und spektakuläre Sperrung einer der wichtigsten deutschen Verkehrsachsen nur sehr bescheiden hingewiesen wird: In regelmäßigen Abständen gibt es kleine, weiße Hinweisschilder am Straßenrand - einige sogar nach der allerletzten Ausfahrt vor der Brücke.

Nicht durch Köln


Portrait von Siegfried Peters
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Siegfried Peters: "Wir sind doch nicht blöd"

Auf der überfüllten A3 Richtung Köln drängeln sich derweil alle jene Lkw-Fahrer, die sich an die Umleitungsempfehlung gehalten und rechtzeitig die Autobahn gewechselt haben. Auf einem Parkplatz macht gerade Siegfried Peters Pause. Der freiberufliche Spediteur aus Sundern hat Krankenhausleuchten und Teile von Großküchen geladen. "Das mit der Brücke ist zwar ärgerlich", sagt er, "aber an so was sind wir in dem Job gewöhnt." Unter den Lkw-Fahrern gebe es einen ständigen Austausch von Tipps, welche Umleitung gerade die beste ist. Die Angst der Kölner, dass sich bald tausende Lkw einen Weg durch die Innenstadt bahnen, sei völlig unbegründet, sagt er. "Wir sind doch nicht blöd und quälen uns da durch." Für die Kollegen, die immer noch über die Brücke fahren, wirbt er um Verständnis: "Einer fährt durch und alle anderen hinterher. Das ist keine böse Absicht. Nur Routine."

Übrigens …
Andreas Poulakos

... Lkw-Fahrer sind meistens freundliche und offene Zeitgenossen. Außer man stört sie während ihrer Ruhezeiten. Hiermit entschuldigt sich der Autor nochmals ausdrücklich und in aller Form bei dem Fahrer aus Bayern, den er mit lautem Klopfen an die Fahrertür aus dem Schlaf gerissen hat. Die groben Schimpfworte waren angemessen. Schwamm drüber.

Ein LKW fährt über die für LKW gesperrte Rheinbrücke der A1. Video Leverkusener Brücke für LKWs gesperrt- Stau auf Ausweichstrecken (01:23 Min.) WDR aktuell vom 03.12.2012

Leverkusener Brücke für LKWs gesperrt- Stau auf Ausweichstrecken


Stand: 04.12.2012, 07.00 Uhr


Kommentare zum Thema (43)

letzter Kommentar: 05.12.2012, 15:04 Uhr

*kopfschüttel* schrieb am 05.12.2012, 15:04 Uhr:
Bei anderen Gelegenheiten wird gleich Zeter und Mordio und Abzocke geschrieen, wenn das Thema "Bußgeld" in einem Artikel erscheint. Hier ist das Gegenteil der Fall. Wie überaus seltsam. Die Lkw-Fahrer sind doch einfach bloß nicht "obrigkeitshörig", indem sie sich nur an die Verkehrsregeln halten, die ihnen sinnvoll erscheinen und nicht blind alle befolgen.
hajo schrieb am 05.12.2012, 07:21 Uhr:
Operative Hektik überdeckt geistige Windstille, so möchte das Tun und Fordern und Diskutieren mal überschreiben. Ich gehe mal davon aus, dass inzwischen Messeinrichtungen an den Schad- und anderen Stellen installiert sind wie z.B. Dehnungsmesstreifen, die jede kleinste Veränderung sofort aufzeigen. Oder haben die Verantwortlichen nur an Sperrungen gedacht? Dann ist doch mal zu klären, ob es reine durch statische Belastungen verursachte Risse sind oder ob die permanenten Schwingungen der Brücke nicht einen stärkeren Einfluss haben. Dann ist eine rund um die Uhr überwachte Geschwindigkeitsbegrenzung für LKWs über 7,5 t auf 60 kmh/h und für PKWs auf 80 kmh/h wesentlich wirkungsvoller. Spontan einstürzen wird die Brücke nicht, dazu sind die Sicherheitszuschläge bei der statischen Auslegung der Brücke da. Nur sind diese irgendwann aufgebraucht. Unbestritten: dringender Handlungsbedarf, aber mit Sinn, Verstand und Fachwissen.
Tatsache schrieb am 05.12.2012, 03:19 Uhr:
Die Brücke ist 40 Jahre alt und damals für 1000 LKW/Tag mit max. 32 Tonnen ausgelegt worden. Wenn inzwischen 12000 LKW/Tag mit max. 40t da drüber fahren, hätte jedem Fachmann klar sein müssen, dass das nicht lange gut gehen kann. Es ist die heutige Unkultur des Wegsehens und Schönredens, die zu solchen Problemen führt. Die Brücke hätte man schon vor 10 Jahren erneuern müssen. Aber das Geld wollte keiner ausgeben. Schön das Griechenland jetzt 700 Millionen vom deutschen Steuerzahler bekommt, vielleicht sollten wir den Verkehr über Athen umleiten.
@ Anne schrieb am 04.12.2012, 17:40 Uhr:
[Comedy ein] Wie sollte Hannelörschen etwas öffnen können, was sie rein vom Bautyp her gar nicht besitzt? Das ist aber nun wirklich zu viel verlangt. [Comedy aus]
Anne schrieb am 04.12.2012, 16:07 Uhr:
Tja jetzt haben wir ein Problem ? -erst jetzt... ? Wer soll das bezahlen,wer hat soviel Geld ? Liebe Hannelore öffne doch mal zu Nikolaus dein Säckchen und schau mal nach..vielleicht findest du noch was ? Ich wäre für eien Spendenaktion aller PKw die drüber müssen/wollen jeder 1 Euro pro Fahrt mal hin und zurück sind schon 2 Euro.... Seht ihr ist doch gar nicht schwer.

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