Schmuggel-Tiere leben jetzt im Kölner Zoo: 700 Tiere in einem Reisekoffer?
Rund 700 Reptilien, Amphibien und Insekten befreite die Feuerwehr aus einem Kölner Hotelzimmer. Die illegal eingeschmuggelten Tiere sind nun im Kölner Zoo untergebracht. WDR.de sprach mit Zoodirektor Theo Pagel über den unverhofften Zuwachs.
Ein ungewöhnlicher Rettungseinsatz beschäftigte am Wochenende die Kölner Feuerwehr und das Zollfahndungsamt Essen. Rund 700 Amphibien und Reptilien musste die Feuerwehr am Freitagabend (09.12.2011) aus einer Kölner Hotelsuite holen. Die Tiere seien von zwei Japanern und einem Chinesen nach Deutschland eingeführt worden, um sie auf der Reptilienschau Terraristika in Hamm (10.12.2011) auszustellen, so ein Sprecher des Zollfahndungsamts. Die Feuerwehr übergab die Tiere an den Kölner Zoo. Dort soll nun geklärt werden, um welche Tierarten es sich handelt und ob ein Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen vorliegt.
WDR.de: Wie muss man sich das vorstellen, wenn die Feuerwehr am Wochenende plötzlich mit 700 Tieren vor der Tür steht?
Theo Pagel: Wir hatten gerade unsere Weihnachtsfeier, als es passierte. Das war großes Glück für die Tiere, weil alle Fachleute da waren. Neben dem Leiter des Aquariums war sogar ein Reptilienspezialist aus Vietnam da, mit dem wir dort Naturschutz vor Ort machen. Gemeinsam mit Experten und Tierpflegern konnten wir die Tiere dann gleich richtig versorgen.
WDR.de: Was sind das für Tiere, die da nun bei Ihnen in der Quarantänestation untergebracht sind?
Pagel: Es sind ungefähr 150 Schlangen, 100 Schildkröten, 70 Tausendfüßler und der Rest sind Amphibien, also Lurche und Frösche. Die Tiere stammen vor allem aus Südchina und dem nördlichen Vietnam. Aus verfahrenstechnischen Gründen darf ich nicht sagen, um welche Arten es sich genau handelt, aber es sind auf jeden Fall artgeschützte Tiere dabei. Da waren Tiere darunter, die wir noch nie gesehen haben, und das soll schon was heißen. Im Moment sprechen alle Indizien dafür, dass die Tiere nicht offiziell nach Deutschland eingeführt worden sind und dass sie hier vermutlich illegal auf dem Schwarzmarkt verkauft werden sollten.
WDR.de: Wie hat man die Tiere denn in dem Hotelzimmer entdeckt?
Pagel: Angeblich soll eine einzelne Schlange im Hotel herum gekrochen sein und das Hotelpersonal hat dann die Polizei verständigt.
WDR.de: Aber wie bringt man überhaupt 700 Tiere in einem Hotelzimmer unter?
Pagel: Sie dürfen sich das jetzt nicht so dramatisch vorstellen. Das sind relativ kleine Tiere, die passen in einen normalen Reisekoffer. Von den Schlangen ist keine größer als 50 Zentimeter und die Schildkröten waren zum Beispiel alle durcheinander gewürfelt in Säckchen verpackt.
WDR.de: Was passiert jetzt mit den Tieren?
Pagel: Wir müssen jetzt warten, dass sich Anfang nächster Woche die Artenschutzbehörde mit uns in Verbindung setzt. Bei beschlagnahmten Tieren, die dann dem Staat gehören, versuchen wir, sie in ordentliche Hände zu vermitteln, zum Beispiel an zoologische Gärten.
Das Gespräch führte Katja Goebel.
Stand: 11.12.2011, 13.05 Uhr
Kommentare zum Thema (14)
letzter Kommentar: 12.12.2011, 14:33 Uhr
- Antonietta schrieb am 12.12.2011, 14:33 Uhr:
- Zurzeit leben etwa 10 000 Giftschlangen, 200 000 Würgeschlangen und 10 000 Warane, Pfeilgiftfrösche und Chamäleons in deutschen Wohnzimmern. Diese vielfach aus freier Natur entführten Tiere werden, einmal bei uns in Europa, oft ohne die nötige Sachkenntnis gehandelt und verkauft, sodass immer wieder Exoten sterben, weil ihre Halter im Umgang mit den teilweise auch für Menschen gefährlichen Tieren überfordert sind. Hinzu kommt, dass viele vom Aussterben bedrohte und deshalb geschützte Arten bei Sammlern besonders begehrt sind und im Verkauf hohe Preise erzielen ? was wiederum den Schmuggel antreibt. Das alles wird von einer nicht einheitlichen, mitunter gänzlich fehlenden Gesetzgebung begünstigt.
- Internationaler Vielflieger schrieb am 12.12.2011, 14:24 Uhr:
- Es ist schon ziemlich merkwuerdig, dass hier Koffer voller bedauernswerter Tiere eingeschmuggelt wurden. Als Vielflieger wird man bei jeder Rueckkehr, vor allen Dingen aus Asien und der Karibik , vom Zoll wie ein Drogenschmuggler kontrolliert und auch so behandelt. Ein Narr , wer Boeses dabei denkt ?!
- Hakan schrieb am 12.12.2011, 14:20 Uhr:
- @Tierfreund: Je einfacher der Geist umso ..................! Wenn sie wirklich an das glauben was sie hier schreiben dann sollten sie wissen was sie als Vertreter der Spezies Mensch dagegen zu tun haben ;-)
- Tierfreund schrieb am 12.12.2011, 12:45 Uhr:
- Der Mensch, die schützenswerteste Spezies ? Man stelle sich eine andere Spezies auf diesem Planeten vor, die vorsätzlich trotz besseren Wissens und aus egoistischer Gier den Planeten verseucht,ausbeutet und die Lebensgrundlage aller Lebewesen vernichtet, diese Spezies würde von den Menschen gejagt und rigoros ausgerottet. Der Mensch ist mit Sicherheit keine schützenswerte Spezies, eher eine Fehlentwicklung der Natur, wie Schimmelpilz auf einem Apfel.
- Hakan schrieb am 12.12.2011, 11:41 Uhr:
- Es gibt schlimmeres! Was nicht bedeuten soll das die "Täter" nicht bestraft werden sollen. Aber es lohnt auch nicht sich zu sehr drüber aufzuregen. So ist halt der Mensch, für mich übrigens die schützenswerteste Spezies ;-)


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