Repair Cafés als Widerstand: Mehr reparieren, weniger konsumieren
Ist der kaputte Toaster wirklich reif für die Tonne? Oder ein Fall für das Repair Café? Dort widersetzen sich Tüftler und Experten der Wegwerfgesellschaft und helfen den Besuchern dabei, ihre defekten Geräte selbst zu reparieren. Wir haben ein Repair Café in Köln besucht.
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Jacek Wisniowski und Jutta Hippert tüfteln gemeinsam (Fotostrecke 1)
Auf ihr kleines Grundig-Radio lässt Jutta Hippert nichts kommen: "Das habe ich seit 1971. Und es läuft mit kleinen Einschränkungen immer noch prima." Der kaputte An- und Aus-Schalter ist so eine kleine Einschränkung. "Wenn ich das Gerät ausschalten wollte, musste ich immer den Stecker ziehen." Erst als sich auch der Netzstecker nach und nach in seine Einzelteile auflöste, war damit Schluss. Mit ihrem Besuch im Repair Café des Vereins "Dingfabrik" will die Kölnerin dem Gerät noch eine letzte Chance geben: "Ich würde das Radio wirklich sehr vermissen."
Reparieren als Akt des Widerstands
Inzwischen hat Hippert das Radio an einer Werkbank aus seiner Verkleidung gelöst und das verstaubte Innenleben freigelegt. Die Installation eines neuen Steckers überlässt sie lieber ganz einem der vielen freiwilligen Helfer. "Bei Elektrizität bin ich eher vorsichtig", sagt sie entschuldigend. Gemeinsam mit ihrem Betreuer Jacek Wisniowski sucht sie mittlerweile nach dem Grund für den seit Jahrzehnten defekten Schalter. "Vielleicht nur eine kaputte Feder", meint der gelernte Informatiker und Maschinenbauer aus Aachen während er nach und nach die mechanischen Teile prüft. Seinen Einsatz im Repair Café sieht er auch als Akt des Widerstands. Viele neue Geräte würden absichtlich so gebaut, dass sie schon nach wenigen Jahren ihren Geist aufgeben, meint er. "Das ist nicht in Ordnung." Deshalb werde er demnächst mit seinem Verein "Digitales Aachen" regelmäßig Repair Cafés in seiner Heimatstadt veranstalten.
Vorbild aus den Niederlanden

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Alexander Speckmann: "Wir sehen das Ganze pragmatisch"
Die Idee für die Repair Cafés stammt aus den Niederlanden. Dort sind die öffentlichen Bastelstationen schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich. In Deutschland gibt es das Angebot bisher nur in Köln und in Berlin. "Viele von uns sehen das Ganze ziemlich pragmatisch", erklärt Alexander Speckmann, Vorsitzender des Veranstalters Dingfabrik. "Es muss einfach nicht sein, dass wir haufenweise Elektronikschrott nach Afrika exportieren." Für viele seiner Mitstreiter stehe aber auch einfach der Spaß am Tüfteln und Schrauben im Mittelpunkt. Dass die Besucher selbst Hand anlegen müssen, müsse ihnen klar sein. "Die Leute sollen im Idealfall ja auch etwas lernen. Zumindest sollten sie das Gehäuse selbst öffnen können." Deshalb sei das Angebot auch kostenlos.
Kosten oft nur wenige Cents

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Manfred Melchior (r.) auf der Suche nach dem Fehler im System
Im Werkraum der Dingfabrik herrscht inzwischen an allen Bänken Hochbetrieb. Manfred Melchior aus Pulheim hat einen defekten Festplattenrecorder mitgebracht. "Den habe ich 2007 gekauft, eigentlich ein gutes Gerät. Aber die Reparatur würde wohl gut 200 Euro kosten. Das lohnt sich nicht mehr." Der Fehler ist relativ schnell gefunden: ein defekter Elektrolytkondensator, nur wenige Cent teuer. Leider ist das passende Ersatzteil gerade nicht da. "Das Teil bringe ich einfach zum nächsten Repair Café mit", meint Melchior. Das findet allerdings wohl erst wieder Anfang Oktober statt.
Jahrzehnte alten Fehler behoben
An anderen Tisch geht es um Laptops, Kaffeemaschinen oder kleine Fernseher - fast ohne Ausnahme können die Besucher mit einem funktionstüchtigen Gerät nach Hause gehen. Auch das kleine Radio ist mittlerweile so gut wie neu: alle Schalter funktionieren wieder. Grund für die Störung war nur ein ausgeleierter Seilzug. Jutta Hippert freut sich sichtlich - mehr als sie sich jemals über ein nagelneues Gerät hätte freuen können. Ob sie in Zukunft kleine Macken an ihrem Radio selbst beheben kann? "Wenn klar ist, wo der Fehler liegt, werde ich's versuchen. Ansonsten wohl eher nicht."
Stand: 29.07.2012, 10.00 Uhr
Kommentare zum Thema (44)
letzter Kommentar: 31.07.2012, 15:18 Uhr
- Alles hat ein Ende schrieb am 31.07.2012, 15:18 Uhr:
- Anarchie = Reindemokratie schrieb heute, 07:19 Uhr: Das kann nur ein Grieche behaupten? In Griechenland bekamen die Schulkinder bis 2010 jedes Jahr neue, druckfrische Schulbücher. Das hat man in BRD schon im letzten Jahrhundert für 4-6malige Wiederverwendung aufgegeben und jetzt fangen wir wieder an Spulen der defekten Waschmaschinen mit Kupferdraht selbst zu wickeln! Wir Deutschen können nicht anders und werden dann noch von Juncker und seinem Außenminister beschimpft weil wir angeblich nicht alles Geld und unsere Arbeitskraft in die Märkte von Europa stellen. Wofür Draghi sorgen wird, werden wir sehen oder von Goldman Sachs als Bulletin bekommen? Müssen wir bald schon unsere Einkommenerklarung an Brüssel richten oder direkt an EZB?
- Helmut schrieb am 31.07.2012, 13:28 Uhr:
- @Hauptschüler: Wir haben einen grundsätzlich unterschiedlichen Freiheitsbegriff. Freiheit bedeutet sich in freier Konkurenz mit anderen messen zu können! Freiheit bedeute Profite zu erwirtschaften und sich damit neue Möglichkeiten zu schaffen! Freiheit bedeutet sich durch Leistung von anderen absetzten zu können. Freiheit bedeute mit erwirtschaftetem Kapital den Einflußbereich der eigenen Existenz zu erweitern und vieles vieles mehr. Ich möchte nicht in einer Welt ohne Konkurenz leben. Das wäre das Ende jeder echten Inovation jedes Fortschritts. Nein ihre sozialistischen Träume sind schon so oft gescheitert wie es Dumme gibt die glauben darin eine Lösung für ihr Unvermögen zu sehen. Wir sind nicht alle gleich, dass ist ein Natugesetz welches sich in der Geschichte der Menscheit immer wieder bestätigt hat. Aber träumen sie weiter ...............
- Helmut schrieb am 31.07.2012, 13:05 Uhr:
- @Optimist: Ihr religiöses Gerede disqualifiziert sie auf ganzer Linie. Leute die sich von, zum Dogma erhobenen "Vorstellungen", also religiösem Glauben, leiten lassen sind einfach keine ernst zu nehmenden Menschen.
- Anarchie = Reindemokratie schrieb am 31.07.2012, 07:19 Uhr:
- @ Anonym schrieb am 30.07.2012, 21:16 Uhr, " der Euro geht nach Griechenland bis er bricht" der Euro bricht nicht, ist aber wesentlich überbewertet weil gehortet und nicht mehr in dem masse im Umlauf wie erforderlich. Die Euros liegen in der Schweiz, auf den Krokodielinseln, oder in sonst welchen Steueroasen, somit müssen neue Euros gedruckt werden und die Gebunkerten werden dann ebbend weniger wert. Dafür will der EZB Chef jedenfalls sorgen und das ist auch gut so und lange überfällig.
- Dankbare Bonnerin schrieb am 30.07.2012, 23:06 Uhr:
- Vielen Dank für den Beitrag auf der WDR-Internetseite! Ich habe vor ca. 6 Wochen einen TV-Beitrag zu diesem Cafe gesehen u. wusste den Sender u. Tag nicht mehr u. auch in meinen Internetrecherchen kam ich nicht auf "repair cafes" ... Ich finde diese Initiative SUPER!!! In der Vergangenheit hatte ich in der Familie u. im Freundeskreis noch Tüftler, die stets bedacht waren a) den Fehler zu ermitteln und b) günstig zu reparieren, statt einfach wegzuwerfen u. neu zu kaufen. Das Ergebnis: Erfolgreiche Repartur, wieder an Erfahrung dazugelernt und glückliche Mitmenschen :-) Da meine persönlichen Tüftler mit ihrem Knowhow u. Geschick leider nicht mehr leben, vermisse ich sie in mehrfacher Hinsicht und würde mich freuen, wenn wir auch in Bonn oder dem Rhein-Sieg-Kreis solche fähigen Menschen finden und um Hilfe bitten könnten. Dem Repair Cafe in Köln DANKE und weiterhin Viel Erfolg!!! PS: merkwürdig, wozu manche Kommentatoren diese Plattform "nutzen" bzw. aus meiner Sicht "mißbrau ...
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