Razzien in NRW und Italien Schlag gegen italienische Baumafia

In 15 NRW-Städten haben Polizei und Steuerfahndung am Donnerstagmorgen (17.01.2013) Privatwohnungen und Geschäftsräume italienischer Baufirmen durchsucht. Es wurden elf Verdächtige festgenommen, die der Mafia angehören sollen. Zeitgleich fanden auch in Sizilien Razzien statt.


Arbeiter auf einer Baustelle
Bild 1 vergrößern +

Verdacht auf Schwarzarbeit bei Baufirmen

Den Beschuldigten wird zur Last gelegt, 24 sogenannte Strohmannfirmen gegründet zu haben. Durch Schwarzarbeit und Steuerstraftaten soll ein Schaden von mehr als 30 Millionen Euro verursacht worden sein. Bislang haben die Ermittler nach eigenen Angaben elf Haftbefehle in NRW und sechs in Sizilien vollstreckt. Die in Italien Festgenommenen sollen nach Köln ausgeliefert werden.


Mehr als 400 Polizisten und Steuerfahnder haben am Donnerstagmorgen Privaträume und Geschäftsräume italienischer Baufirmen in Köln, Leverkusen, Bergisch Gladbach, Troisdorf, Solingen, Hagen, Schwerte, Witten, Dortmund, Hamm, Pulheim, Recklinghausen, Bornheim, Geilenkirchen und Wuppertal durchsucht. In Sizilien wurde unter anderem eine Luxusvilla beschlagnahmt.

Geschäfte von Köln aus gelenkt

Nach Angaben der Kölner Polizei wurde seit November 2011 gegen eine mafiöse Gruppierung überwiegend sizilianischer Tatverdächtiger ermittelt. Demnach soll ein 39 Jahre alter Sizilianer aus einer italienischen Gaststätte in Köln die Geschäfte gelenkt haben. Das Lokal sei darüber hinaus auch als Drogenumschlagplatz für Kokain genutzt worden sein. Zudem wird dem 39-Jährigen Schusswaffengebrauch, Handel mit falschen Führerscheinen und Warenkreditbetrügereien vorgeworfen.

Im Lauf der Ermittlungen fiel den Behörden eine zweite Gruppe auf, die in Dortmund und Witten ansässig war und von einem 55-jährigen Sizilianer geleitet wurde. Er soll gemeinsam mit der Kölner Organisation den Betrieb von Strohmannfirmen organisiert und davon profitiert haben.

Scheinrechnungen und Geldwäsche

Das illegale Geschäftsmodell, nach dem die Tatverdächtigen vorgegangen sein sollen, hat laut Staatsanwaltschaft folgendes Muster: Die Rädelsführer gründen angebliche Baufirmen und setzen Strohmänner als Geschäftsführer ein. Über diese Gesellschaften werden unter anderem Schwarzarbeiter beschäftigt, Scheinrechnungen erstellt und Gelder gewaschen. So werden Finanzamt und Sozialbehörden um Millionenbeträge geprellt.

Auch am Markt etablierte Baufirmen wurden nach Polizeiangaben als Kunden der Baumafia enttarnt. Bereits vor zwei Jahren war den Ermittlern ein ähnlicher Schlag gelungen. Fahnder hatten damals bei Razzien in mehreren Bundesländern zehn Verdächtige verhaftet. Der Schaden, den die Bande in Deutschland angerichtet hatte, lag damals ebenfalls bei rund 30 Millionen Euro. Die Polizei hatte schon beim ersten Schlag betont, dass die heimische Bauindustrie von hoch organisierten italienischen Gruppierungen unterwandert sei.

Polizeigewerkschaft fordert Vorratsdatenspeicherung

Die Deutsche Polizeigewerkschaft nutzte den Fall, um Forderungen an die Politik zu stellen. "Die Vorratsdatenspeicherung ist ein unverzichtbares Instrument, um Tatzusammenhänge und Hintermänner schneller zu erkennen und so mafiöse Strukturen zu zerschlagen. Leider wird die erforderliche Gesetzgebung durch die Bundesjustizministerin blockiert", sagte NRW-Landeschef Erich Rettinghaus.


Stand: 17.01.2013, 12.49 Uhr


Kommentare zum Thema (14)

letzter Kommentar: 17.01.2013, 22.43 Uhr

Georg schrieb am 17.01.2013, 22.43 Uhr:
Sehr gute Aktion. Hut ab. Die Vorratsdatenspeicherung ist trotzdem eine Methode totalitärer Staaten und hat bei uns nichts verloren. Wir brauchen mehr gute Leute und nicht haufenweise Daten bei weniger Personal.
heinzb aus nrw schrieb am 17.01.2013, 22.29 Uhr:
Egal, ob Italiener oder Sizilianer, ich kannte mehrere Italiener berufsbedingt näher, feine, ehrliche Ehrenmänner, die einem solange nichts Böses wollen, solange man sie vor sich hat, den Rücken habe ich keinem von ihnen zugewandt, die waren für mich ehrgeizig bis zum Verrat an ihren eigenen Eltern, nur um sich Vorteile zu verschaffen, die agierten gegen Kollegen aus dem Hinterhalt, offene Konfrontation wollten sie nicht, da sie dann unterliegen würden. Wer zwingt uns eigentlich, diese Leute nach Schadenwiedergutmachung und Haftverbüßung hier in Deutschland zu belassen, das Gesetz sollte es hergeben, diese Leute dann für immer abzuschieben, meine ich.
Ottmar schrieb am 17.01.2013, 21.51 Uhr:
Strafverfolgung gegen Menschen mit Migrationshintergrund? Das wäre ja, als würde man etwa auf den Portalen für Gebrauchtwagen schauen, wer da als Privatmann gebrauchte Autos verkauft! Ein Fall für den Europäischen Gerichtshof!Deutschland sollte sich schämen! ;-)
Hey Polizei schrieb am 17.01.2013, 17.58 Uhr:
Lasst die Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger in Ruhe. Sie ist die einzige vernünftige in der FDP. Nein zur Vorratdatenspeicherung! Ihr könnt nach einem 6-monatigen Beobachtung die Verdächtigen fangen und die Steuern durch beschlagnamen deren Vermögen eintreiben. Wenn ihr es nicht schafft, dann eben Pech gehabt. Hauptsache ist dass uns/mir der Polizeistaat ersparrt bleibt. Ich bin in so einen Staat aufgewachsen und will es nicht widersehen. Ich weiss dass für die Polizisten einen Polizeistaat die Aufwertung ihrer gesellschaftlichen und witrtschaftlichen Position bedeuten würden. Dass kann auch anderswie erreicht werden. Vorratdatenspeicherung öffnet Tür und Tor für Missbrauch.
Volkmann schrieb am 17.01.2013, 17.17 Uhr:
Wen ich die News und Informationen hier vom WDR und noch GMX lese, könnte ich zu der Auffassung gelangen: Deutschland ist dem Untergang geweiht. Vielleicht sollte ich zum Konsum der Show- und Unterhaltungs-Branche wechseln - unter Vorbehalt denn da bröckelt es ähnlich. Also selbstauferlegte Nachrichten-Sperre. Schwer einzuhalten solange es der PC tut. Fernsehenm gucke ich schon seit Jahren nicht mehr - schon allein deshalb weil kein feed back möglich ist und einfach ich alles Negative schlucken muss bis es mir geht wie einer Tanne im permanenten "sauren Regen": man stirbt ab in dem Sinne dass Gleichgültigkeit das Resultat ist. Aber was soll man machen? Es geschieht was geschieht.

Alle Kommentare anzeigen