Verkehrsgerichtstag will mehr Kontrollen Rüpel-Radlern die Luft rauslassen - oder nicht?

Von Fabian Wahl

Sie missachten rote Ampeln und fahren verkehrt in die Einbahnstraße: Gegen Rüpel-Radler hat der Verkehrsgerichtstag in Goslar am Freitag (25.01.2013) eine härtere Gangart gefordert. Doch sind mehr Kontrollen und strengere Strafen richtig?


Fahrradampel mit Rotlicht
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Der Präsident des Verkehrsgerichtstages meint: Kaum ein Radfahrer hält sich an rote Ampeln

Der 51. Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar empfahl am Freitag (25.01.2013) mehr Kontrollen, um aggressive Radfahrer zur Rechenschaft zu ziehen. Zuvor hatte der Präsident des Verkehrstages, Kay Nehm, gesagt: "Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln." Er verlangte strengere Strafen.

Verkehrssicherheitsrat: Strafen sind kein Allheilmittel

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) mit Sitz in Bonn kritisierte Nehms Vorstoß. "Wir sehen das nicht so dramatisch", sagte DVR-Sprecher Sven Rademacher zu WDR.de. "Aus Sicht der Verkehrssicherheit ist es unnützlich, eine Seite zu stigmatisieren." Strafen wären grundsätzlich hilfreich, aber kein Allheilmittel. Der Verkehrssicherheitsrat setze auf Aufklärung und Kampagnen. "Fahrradfahrer sind im Zweifelsfall die Schwächeren, sie sollten aus Selbstschutz Gelassenheit entwickeln."


Ein Mann fährt mit seinem Fahrrad über eine schneebedeckte Straße
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Die Zahl der getöteten Radfahrer ist gestiegen

Das nordrhein-westfälische Innenministerium äußerte sich ebenfalls zurückhaltend. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der getöteten Radfahrer in Nordrhein-Westfalen um 17 Prozent auf 81 Opfer gestiegen, sagte ein Ministeriumssprecher. Es müsse nun untersucht werden, ob die Zunahme mit verantwortungslosen Radfahrern oder rücksichtslosen Autofahrern zusammenhänge. Vor einer Verschärfung der Gesetze sollten die Kontrollen ausgeweitet werden. Für den Bußgeldkatalog für Radfahrer sei der Bund verantwortlich.

Gibt es ein Problem mit Rambo-Radlern?

Horst Schulze ist Chef der Abteilung "Verhalten und Sicherheit im Verkehr" der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch Gladbach und hat beim Verkehrssicherheitstag in Goslar den Arbeitskreis "Aggressivität im Straßenverkehr" geleitet. "Bei der Aggressivität stehen nicht die Radfahrer, sondern die Autofahrer an erster Stelle", sagte er. Radfahrer seien im Straßenverkehr häufiger Opfer als Aggressoren.

Problem: Alkohol

Dennoch sagte Schulze auch: "Die Regelverletzungen von Radfahrern nehmen in einigen Bereichen zu." Inzwischen werde häufiger über "rot" gefahren. Ein starkes Problem sei auch die Trunkenheit am Lenker. "Immer mehr Menschen lassen ihren Wagen stehen und fahren dann mit dem Rad, um Alkohol trinken zu können", sagte Schulze. Die Konsequenz sei ein Anstieg der sogenannten Alleinunfälle.


Die selbsterklärte Fahrradstadt Münster versucht das Alkoholproblem seit dem vergangenen Jahr durch ein strikteres Durchgreifen in den Griff zu bekommen. Alkohol ist bei Radfahrern in Münster die häufigste Unfallursache. Deshalb hatte die Stadt beschlossen, Radfahrverbote für notorische Alkoholsünder zu verhängen.

Wenig Unfälle durch Rüpel-Radler

Aus Sicht der Unfallforschung verursachen Rüpel-Radler nur in seltenen Fällen Unfälle im Straßenverkehr. "Rotlichtdelikte und Fahren in die falsche Richtung spielen bei Unfällen mit Autos kaum eine Rolle", sagte der Leiter der Unfallforschung im Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Siegfried Brockmann. Wenn Radfahrer über "rot" fahren, hätte das in nur zwei Prozent der Fälle einen Unfall zur Folge.

Stichworte

Bußgeldkatalog für Radfahrer

Die Strafen für Verkehrsverstöße von Radfahrern werden im amtlichen Bußgeldkatalog festgehalten. In der Regel müssen Radfahrer für ein Delikt die Hälfte des Bußgeldes zahlen, das Autofahrer zahlen müssen. Bei Bußgeldern ab 40 Euro gibt es einen Punkt im Kraftfahrt-Zentralregister in Flensburg. Das Befahren einer Einbahnstraße in falsche Fahrtrichtung kann bis zu 30 Euro kosten, die Missachtung einer "roten" Ampel bis zu 120 Euro.

Was nicht jeder weiß: Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung während des Radfahrens wird mit 25 Euro geahndet. Radfahren im betrunkenen Zustand wird als Straftat bewertet. Bei absoluter Fahrunsicherheit – ab 1,6 Promille – müssen sich Radfahrer unter Umständen vor Gericht verantworten (Quelle: ADFC).


Stand: 25.01.2013, 14.00 Uhr


Kommentare zum Thema (73)

letzter Kommentar: 30.01.2013, 20:09 Uhr

Gudrun Jansen schrieb am 30.01.2013, 20:09 Uhr:
Scheinbar weiss niemand, dass Radfahrer ihr Bike auf dem Zebrastreifen SCHIEBEN müssen.Sie kommen aus dem"Nichts"angesaust und zwingen einen in die Bremse.Ebenfalls an der Tagesordnung:Fahren auf der falschen Seite des Radwegs und "Rechts vor Links" Missachtung, man muss immer darauf gefasst sein, dass ein Radfahrer dort auftaucht, wo er nicht sein dürfte.Ohne Licht fahren ist auch beliebt, Gefahrenbewusstsein:Null.Eine Plage sind Radfahrer auf Waldwegen.Der Spaziergänger hat beim Klingelton wie ein Torpedo ins Gebüsch zu springen.Der"Sportfahrer" entsorgt, nach"Tour de France Art" seinen Isodrink gern lässig an Ort und Stelle.In der Anonymität kann man eben die Sau rauslassen.Warum keine Kennzeichenpflicht für Radfahrer, selbst bei Reitern geht das?!---Ab und zu mache ich auch Erfahrungen mit wirklich netten Radfahrern, sicher gibt es die auch, aber leider sind (nicht nur)meine Erfahrungen überwiegend schlecht.
Der mit dem Stern fährt schrieb am 27.01.2013, 13:20 Uhr:
Grade in den Städten sollte es konsequente Kontrollen der Radfahrer geben und, ganz wichtig, auch konsequent Bußgelder verhängt werden. Vieleicht kann man den Radfahrern so beibringen sich an Regeln zu halten und nicht in Wildwest Manier durch die Stadt zu fahren. Ich bremse nicht mehr für Radfahrer die bei Rot noch über die Ampel flitzen oder mir verkehrt herum in einer Einbahnstraße (ohne Licht) entgegenkommen. Was ich nicht unbedingt sehen muß sehe ich halt stoisch einfach nicht. Solange mir kein juristischer Strick daraus gedreht werden kann ist mir der/die "ignorante" Radfahrer/in mittlerweile wirklich völlig egal!
@kleinundbissig schrieb am 27.01.2013, 07:52 Uhr:
Das sind deine Autofahrerkollegen die unter der Woche mit min.150kmh auf Tempo 100 Autobahnabschnitten staendig rechts auf Standstreifen ueberholend und auf 10m an den Vordermann heranfahrend unterwegs sind.
Anonym schrieb am 26.01.2013, 21:56 Uhr:
Den Blitzmarathon des Herrn Jäger muß ich auch als Autofahrer gutheißen, er möge jedoch in gleicher Art und Weise die Eierschalenträger überwachen.
kleinundbissig schrieb am 26.01.2013, 16:00 Uhr:
Ach ja, die armen, gebeutelten Radfahrer in Köln!!! Ich schlage euch vor, an einem schönen Sonntag im Sommer mal einen Spaziergang auf der Rheinuferpromenade oder gar über die Hohenzollernbrücke zu machen. Da werdet ihr die RÜCKSICHTSVOLLEN Radler zur genüge kennenlernen!

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