Urteil zu Pokergewinnen Der "schnelle Eddy" hat sich verzockt

Eduard "Eddy" Scharf ist mit seiner Klage vor dem Finanzgericht Köln gescheitert. Der erfolgreiche Pokerspieler muss Gewinne aus Turnieren versteuern. Pokern sei bei ihm eine gewerbliche Tätigkeit, urteilte das Gericht.


Entscheidend war für das Gericht, dass ein Gewerbe ausgeübt worden sei, im Sinne von "selbständig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht", erklärte Norbert Eppers, Sprecher des Finanzgerichts, WDR.de nach der Urteilsverkündung am Mittwoch (31.10.2012). Da der Kläger in diesem konkreten Einzelfall an namhaften, hochdotierten Turnieren erfolgreich teilgenommen habe, sei von gewerblichen Einkünften auszugehen und folglich Einkommensteuer zu zahlen.

Scharf gewann hochdotierte Turniere

"Der schnelle Eddy", wie Scharf in der Pokerszene genannt wird, hatte unter anderem 2001 und 2003 hoch dotierte Pokerturniere in den USA gewonnen. Zwischen 2003 und 2007 nahm er an 19 internationalen Pokerturnieren teil. Das Finanzamt hält ihn für einen "Star der Szene", sein Erfolge hatte ihm unter anderem einen Kommentatorenjob und Werbeverträge eingebracht. Hauptberuflich arbeitet Scharf als Pilot, vor Gericht sagte er, das Pokern sei lediglich eines von mehreren Hobbys. Nach Informationen des WDR-Magazins WESTPOL soll Scharf Steuern in Höhe von bis zu 500.000 Euro zahlen. Dagegen klagte Scharf vergebens. Nach dem Urteil sagte der Pokerspieler am Mittwoch, er stehe vor dem Ruin. Er solle mehr nachzahlen, als er je gewonnen habe, denn seine Verluste bei den Pokerspielen seien höher als seine Gewinne. Nach Darstellung des Gerichts hat Scharf Gewinne "im sechsstelligen Bereich" eingestrichen.

Glück oder Geschick?


Gewinne aus Glücksspielen wie beispielsweise Lotto sind steuerfrei. Scharf hatte vor Gericht argumentiert, dass es sich bei seinem Poker um ein Glücksspiel handele, das Können mache nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus. Glück oder Geschick - das war auch für das Gericht von Bedeutung. "Die Frage wurde aber nicht abstrakt beantwortet, sondern am individuellen Einzelfall", so Gerichtssprecher Eppers. Sicher könne man jedoch sagen, dass Gewinne aus Roulette nicht zu versteuern sind, denn den Lauf der Roulettekugel könne man nicht beeinflussen. "Das Poker-Blatt ist vom Zufall abhängig", sagte Eppers, "aber der Kläger hat die Gewinne mit seinem Geschick erzielt."

Kein Grundsatzurteil

Weil das Finanzgericht Köln nur im konkreten Einzelfall entschieden hat, handelt es sich hier nicht um ein Grundsatzurteil. Für die Finanzbehörden in Köln war der Prozess jedoch ein Musterverfahren. Weitere Verfahren gegen Pokerspieler sind dort anhängig. Eine Revision beim Bundesfinanzhof in München wurde vom Finanzgericht zugelassen. Die Frage nach der Versteuerung von Pokergewinnen wird die Gerichte wohl noch länger beschäftigten.


Stand: 31.10.2012, 19.25 Uhr


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Kommentare zum Thema (15)

letzter Kommentar: 01.11.2012, 15.27 Uhr

Klaus Lohmann schrieb am 01.11.2012, 15.27 Uhr:
Wenn das Urteil (und die noch folgenden Urteile in ähnlich gelagerten Fällen) dazu dient, dass sich die Pokerbranche auch online von dem selbstgebastelten Mythos verabschiedet, dass nur die coolen, schlauen Jungs mit mächtig im Schädel die dicken Gewinne einstecken (etwas, was der hier unterlegene Spieler früher selbst behauptete), könnte das heilsame Auswirkungen für die Masse an spielsüchtigen Poker"fans" haben, die durch solch falsche Versprechungen grade online ihr ganzes Geld verzocken.
Anna schrieb am 01.11.2012, 14.37 Uhr:
Was für eine Schwachsinnsbegründung ist das denn? "...ist vom Zufall abhängig, aber der Kläger hat die Gewinne mit seinem Geschick erzielt" Sorry, aber diese BEgründung entbehrt jeglicher Logik. Entweder man ist geschickt und erreicht etwas, oder aber man hat Glück und erreicht "zufällig" etwas. Hier drängt sich mir doch sehr der Verdacht auf, dass es - wie so oft - lediglich um eine erspähte Einnahmequelle geht, die man sich nicht durch die Lappen gehen lassen will. Pfui Teufel! Das nennt sich dann Rechtsprechung! Aber so langsam wundert man sich ja über Vieles nicht mehr, was so alles rechtens sein soll.
dobby.s schrieb am 01.11.2012, 13.59 Uhr:
Es ist doch ganz einfach: Wenn das Pokern ein Gewerbe ist, sind alle Einnahmen und Ausgaben in die Steuererklärung einzubringen! Also die Kosten zur Erzielung des Gewinns (Startgeld, Reisekosten, Übernachtung und Verpflegung) und natürlich auch die Kosten für nicht gewonnene Turniere. Die Frage ist bloß, ob der Spieler das jetzt rückwirkend für die letzten Jahre alles noch parat hat, schließlich sind die Kosten ja nach bisheriger Rechtsprechung von niemandem erstattet worden... Unterm Strich wird sich da nicht übermäßig viel für den Staar rausholen lassen, aber die Spieler und die Finanzämter haben jede Menge Arbeit damit...
Gundi schrieb am 01.11.2012, 13.26 Uhr:
Gewinnerzielungsabsicht habe ich auch wenn ich Lotto spiele. Wenn jemand aus Hobby pokert- dann hat er schließlich auch das Risiko zu tragen. Da zahlt ihm auch das FA nichts zurück. Wenn dann bitte kosequent- er sollte sich dann vermarkten die Einkünfte aus Werbeerträgen muss er versteurn und für das Pokern macht er eine GuV mit Verlustvorträgen bei dem FA geltend, natürlich auch die Aufwendungen der Übernachtungen und Fahrten zu den Veranstaltungen. Wie kleinbürgerlich sind denn unsere Gesetzgeber denn eigentich. Kümmert Euch lieber um die vielen Schwarzarbeiter aus den EU-Ländern. Die machen nämlich mehr Gewinn als jemand der seine Gabe in die Spielgunst setzt. Der Deutsche Neid ist in den Amtsstuben wohl leider zu sehr vertreten.
Klaus Lohmann schrieb am 01.11.2012, 11.51 Uhr:
Die Sicht des Finanzamtes ist nur stringent. Wenn Privatsender regelmäßig solche hochdotierten Pokerturniere als "Sport" bewerben und dabei die Teilnehmer als "Stars" mit "taktischem Geschick" darstellen, können sich Gerichte dieser Sichtweise kaum entziehen. Sie würden diesen Rummel ansonsten ja als pure Verar...e bloßstellen.

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