Kardinal Meisner zur "Pille danach" "Bestimmte Präparate akzeptabel"

Nach einer Beratung durch Fachleute hat Kardinal Meisner nach eigener Aussage seine Meinung über die "Pille danach" geändert. Ihm sei nicht klar gewesen, dass es verschiedene Präparate mit unterschiedlicher Wirkweise gebe.


Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hält die Abgabe zeugungshemmender "Pillen danach" an Missbrauchsopfer für akzeptabel. "Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar", sagte Meisner am Donnerstag (31.01.2013) in Köln. Der Einsatz von "Pillen danach", die die Einnistung bereits befruchteter Eizellen verhindern sollen, sei hingegen nicht hinnehmbar.


Joachim Kardinal Meisner predigt während eines Gottesdienstes
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"Bestimmte Präparate akzeptabel"

Der Kölner Erzbischof sagte, er habe seine Ansicht zu dem Medikament nach einer Beratung mit Fachleuten geändert. Ihm sei deutlich geworden, dass unter dem Namen "Pille danach" verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Wirkungen zusammengefasst werden. Meisner betonte, die Ärzte in katholischen Einrichtungen seien aufgefordert, ihr Handeln auf diese Prinzipien auszurichten. "Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über Zugänglichkeit aufklären", sagte der Kardinal.

Erklärung nimmt Unsicherheit


Die Krankenhäuser reagierten erleichtert auf die Erklärung des Erzbischofs. "Es gibt also kein generelles Verbot der 'Pille danach' für Vergewaltigungsopfer", stellten sie fest. Die Erklärung nehme den Ärzten die in letzter Zeit entstandene Unsicherheit und berücksichtige ihre Eigenverantwortung. Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) begrüßte die "klarstellenden Worte des Erzbischofs". Sie müssten für alle katholischen Kliniken in NRW Signalwirkung haben.

Eine junge Frau war im Dezember nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung in zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden, weil die Ärzte dort keine "Pille danach" verschreiben wollten. Dafür war die Kirche heftig kritisiert worden.


Stand: 31.01.2013, 18.24 Uhr


Kommentare zum Thema (97)

letzter Kommentar: 04.02.2013, 15.36 Uhr

Torch schrieb am 04.02.2013, 15.36 Uhr:
Ich denke, dass sich Ärzte alleine an die Gesetze halten müssen und die Kirche kein recht haben sollte sich einzumischen. Säkularität ist ein schlechter Witz hier in Deutschland... So weltoffen... Technologiestandort Deutschland...aber die Liste der Sonderrechte von kirchen ist so lang wie mein Unterarm. Und diese Privilegien weren auch schamlos ausgenutzt. Es gibt Gemeinden mit eigenen Zeit-Arbeitsfirmen, weil die günstiger arbeiten können, als gesetzliche. Von Wegen Nächstenliebe... das ist doch alles Gewäsch.
De Hans von de stroß schrieb am 03.02.2013, 23.29 Uhr:
Wer denen überhaupt noch etwas glaubt etwas gibt oder ihnen Irgentwelche Rechte einräumt denen kann man nicht mehr helfen. Nur soviel sei doch mal zu bedenken jede menge Heilige sind zu Lebzeiten Papst gewesen und Hurenböcke und haben jede menge Menschen auf dem gewissen und sollen nun als Vorsprecher bei "Gott" Dienen Was soll man von so einem verein halten ??
Christian Niesig schrieb am 03.02.2013, 20.55 Uhr:
Soll man für das, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, auch noch applaudieren ? Für eine Entscheidung, die auf reinstem Kalkül basiert und nicht auf Barmherzigkeit?
mkpopper schrieb am 03.02.2013, 19.34 Uhr:
Bei den ganzen unqualifizierten Wortmeldungen hier ist es mir peinlich, mich überhaupt noch zu äußern. Aber eine wesentliche Frage scheint mir einfach zu fehlen: Hat eigentlich niemand ein Problem damit, dass die Behandlung unter Berufung auf "die Pille danach" verweigert worden sein soll? Ich meine, wo ist da der Kausal-Zusammenhang? Kann man ein Vergewaltigungs-Opfer erst behandeln, nachdem die "die Pille danach" verabreicht wurde oder was? Solange ich die Antwort auf diese Frage nicht kenne, ist der Skandal für mich nicht aufgelöst. (Ich hoffe mal, keinen Post übersehen zu haben)
Celtes schrieb am 02.02.2013, 17.55 Uhr:
Fortpflanzungsverweigerer sorgen sich um das Leben. Toll!

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