Verseuchte Blutspende kam aus NRW Bis zu 2.000 Pferde mit tödlichem Virus infiziert

Von Annika Mareli Schlemmer

Im August traten in mehreren Regionen in NRW und Rheinland-Pfalz Fälle der ansteckenden Blutarmut bei Pferden auf. Wie am Freitag (21.09.2012) bekannt wurde, könnten sich bis zu 2.000 weitere Pferde aus der ganzen Welt bei einem Tier aus NRW angesteckt haben.


Ein Pferd grast, Nahaufnahme von Kopf und Maul
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Ansteckungsgefahr, wenn Pferde mit Kot in Berührung kommen

Fünf erkrankte Tiere mussten in NRW in den letzten Wochen eingeschläfert werden. Zumeist waren Tiere betroffen, die Blutinfusionen erhalten hatten. Das Spenderblut kam aus der Pferdeklinik am Kottenforst in Wachtberg bei Bonn. Hengst "Kasimir" war seit zehn Jahren regelmäßig Blutspender für andere Pferde, die in der Klinik operiert wurden. "Kasimir" selbst starb im Sommer 2012 an Altersschwäche, noch bevor die ersten Seuchenfälle bekannt wurden. Sicher ist laut Informationen der Klinik, dass "Kasimir" vor 2009 nicht erkrankt war. Seitdem erhielten rund 20 Pferde Blut des infizierten Tieres, die nun auf das Virus untersucht werden. Noch bis zu 2.000 weitere Pferde könnten sich bei "Kasimir" in der Klinik angesteckt haben – Reitpferde aus der ganzen Welt waren zeitweise zur Behandlung in Wachtberg.

Übertragung vor allem durch Stech-Insekten

Die offiziell als "Equine infektiöse Anämie" (EIA) bezeichnete Krankheit tritt weltweit bei Einhufern auf und wird vor allem über Insekten (z.B. Pferdebremsen), aber auch über Körpersekrete oder Pferdeäpfel übertragen. Darum sollte der Pferdekot regelmäßig aus Weide und Stall entfernt werden. In Deutschland traten in den vergangenen Jahren nur vereinzelt Fälle der Krankheit in Reitställen auf. Zumeist waren die Tiere, die das Virus in sich trugen, aus Osteuropa importiert worden.

Einschläferung zwingend


Galoppierende Pferde (Haflinger) auf einer Weide
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Tritt die Blutanämie auf, muss die ganze Herde untersucht werden

Sichtbare Symptome sind bei erkrankten Tieren nicht zwingend zu erkennen, teilt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW mit. Erst bei hohen Belastungen kann es zum Ausbruch der Krankheit kommen. Dann sind Fieber, Futterweigerung und Blutungen der Schleimhäute typische Krankheitszeichen. Da die Symptome aber auf den ersten Blick auch die einer normalen Grippe sein können, wird das Virus nicht immer sofort erkannt. Es existiert kein Impfstoff – auch Heilung ist ausgeschlossen. Daher müssen erkrankte Pferde nach tierseuchenrechtlichen Vorschriften immer eingeschläfert werden.

Meldepflicht und Sperrzone


Bei Auftreten muss die Pferdeseuche dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden, dies schreibt das Tierseuchengesetz (TierSG, Stand 22.06.2004) vor. Außerdem müssen die Behörden das Gebiet um einen betroffenen Reitbetrieb herum im Radius von mindestens einem Kilometer sperren, so ist es in der Einhufer-Blutarmut-Verordnung (BlutArmV, Stand 04.10.2010) vemerkt. Alle anderen Pferde innerhalb dieser Sperrzone müssen auf das Virus untersucht werden und kein fremdes Pferd darf bis zur Aufhebung des Bezirks in den gesperrten Bezirk gebracht werden. Menschen sind durch die Krankheit nicht gefährdet.

Wer "Kasimir" angesteckt hat, ist noch nicht geklärt. Aber vor allem laufen derzeit die Untersuchungen, ob die Pferde, die in den vergangenen dreieinhalb Jahren in der Wachtberger Klinik standen, das Virus in sich tragen. Bisher sind noch keine weiteren Befunde bekannt.


Stand: 21.09.2012, 14.46 Uhr