Interview mit DZI-Geschäftsführer Wilke: Junge Spender gesucht
Der 19. August ist der Welttag der humanitären Hilfe. Hungernden helfen wollen laut Statistik vor allem gut situierte Frauen ab 50. Wer jüngere Spender anziehen will, braucht viel Kreativität, weiß DZI-Chef Burkhard Wilke.
Burkhard Wilke ist der wissenschaftliche Leiter und Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin. Das 1893 gegründete Institut vergibt das DZI-Spendensiegel nach eigenen Angaben an "gemeinnützigen Organisationen, die sich durch überregionale Spendensammlungen finanzieren, und für regelmäßig durchgeführte abgegrenzte Sammlungen". Um das Siegel zu tragen, müssen Organisationen verschiedene Kriterien vor allem transparente Finanzstrukturen erfüllen. Eine Prüfung können sie beim DZI beantragen. Sie ist gebührenpflichtig.
WDR.de: Wer sind typische Spender?
Burkhard Wilke: Etwa ein Drittel der Bevölkerung spendet regelmäßig. Typischerweise spenden Frauen im Alter von 50 plus.
WDR.de: Welches waren die erfolgreichsten Spendenaktionen der vergangenen Jahre?

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DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke
Wilke: Spendenaktionen wie für Haiti 2010 oder nach dem Tsunami im Indischen Ozean Ende 2004, die für sich genommen große Beträge erbracht haben, bilden einen kleinen Anteil am Gesamt-Spendenvolumen. Das beträgt in Deutschland jährlich fünf bis sechs Milliarden Euro. Selbst das Rekord-Spendenaufkommen nach dem Tsunami mit 670 Millionen Euro in Deutschland ist dagegen nur ein kleiner Teil. Der Großteil wird über dauerhafte, eher unspektakuläre Kommunikation zwischen den Organisationen und ihren Spendern eingeworben. Dabei ist wichtig, dass die Wohltätigkeitsorganisationen nachhaltig vertrauenswürdig sind und den richtigen Ton finden, um ihre Spender anzusprechen.
WDR.de: Was ist dabei wichtig?
Wilke: Dass sie regelmäßig informieren, ohne zu überfrachten. Sonst fühlen sich Spender nicht nur belästigt, sondern fürchten auch hohe Kosten. Katastrophenaktionen haben aber ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten - dabei geht es dann mehr um Emotionen und darum, ob und wie stark die Medien einsteigen. Je ungewöhnlicher, je aufrüttelnder die Bilder, desto großer die Spendenbereitschaft.
WDR.de: Häufig verweisen Organisationen auf die Möglichkeit, über ihre Internetplattform zu spenden. Welche Bedeutung haben Online-Spenden derzeit?
Wilke: Aktuell machen sie nur einen geringen Prozent-, vielleicht sogar nur Promillesatz des Gesamtspendenvolumens aus. Dennoch wird die Bedeutung von Online-Spenden absehbar zunehmen, weil das Internet auch immer mehr Teil des Alltags wird und damit auch ein geeigneter Ort, um für Spenden zu werben.
WDR.de: Bei der Aktion "Ein Tag" wollten drei Organisationen kürzlich in 24 Stunden 100.000 Euro für die Hungernden in Somalia sammeln. Sie bewarben die Aktion auf eigens eingerichteten Aktions-Accounts auf Facebook und Twitter. Nicht ganz 13.000 Euro kamen zusammen. Eignen sich soziale Netzwerke für solche Aktionen nicht?

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Ob on- oder offline: Immer den Spendensammler prüfen
Wilke: Von dieser Aktion weiß ich nichts. Es gibt auch aus dem Ausland noch keine Erhebungen, wie viel in diesen jüngeren Medien für Spenden geworben wird, aber über Spenden gesprochen wird dort sicher viel. Es wird derzeit viel ausprobiert. Unternehmen haben sich etwa Kredite durch Follower geben lassen - in einzelnen Fällen kann das zünden. Soziale Netzwerke können wirkmächtig sein, vor allem im politischen Rahmen. Auf der anderen Seite besteht immer die Gefahr der Inflationierung, wenn nun auch der Spendensektor Facebook und Twitter verstärkt für sich entdeckt. Je mehr Themen dort hineingedrängt werden, desto schwieriger wird es auch, bestimmte Summen überhaupt zu erzielen. Aber der Schlüssel zu jüngeren Spendern führt nicht allein über das Kommunikationsmedium.
WDR.de: Sondern?
Wilke: Wenn nicht nur in Deutschland die Spender älter sind, ist das keine Frage der Ignoranz oder des mangelnden Interesses, sondern ganz profan eine Frage des Geldes. Junge Menschen haben nun einmal weniger finanzielle Mittel als andere, die bereits auf ihr Berufsleben zurückblicken. Es bleibt eine ständige Herausforderung für Organisationen, jüngere Menschen an Spenden heranzuführen. Früher war es etwas einfacher, weil die Gesellschaft von vor 40, 50 Jahren noch sehr viel religiöser geprägt war. Das Spenden wurde mit dem Glauben über Jahrhunderte eingeübt und anerzogen. Das fällt zunehmend weg.
WDR.de: Wohltätigkeit für Junge - könnten das SMS-Spenden sein? Worauf müssen Spenden-Willige dabei und bei Online-Spenden achten?
Wilke: SMS-Spenden sind sicher vielversprechend. Zum einen ist fünf Euro eine geringe Einstiegshöhe, das macht es auch für jüngere Leute leicht, außerdem sind SMS eine populäre Form. Für Online- oder SMS-Spenden gelten die gleichen Seriositätskriterien und Tipps bei der Prüfung des Spendenempfängers wie sonst auch. Ein schnelles Medium sollte nicht zu einer unüberlegten Entscheidung führen. Es muss klar sein, von wem der Spendenaufruf kommt. Dann kann man prüfen, ob die Organisation über ein DZI-Spendensiegel verfügt - sonst kann man sich bei uns auch direkt erkundigen. Kann man auf der Website den Jahresbericht mit Einnahmen und Ausgaben einsehen? Das wäre ein gutes Zeichen. Wenn aber der Name der Organisation unbekannt ist und auf der Website mehr Bilder und Emotionen zu finden sind als Informationen, ist das ein schlechtes Zeichen.
Das Gespräch führte Insa Moog.
Stand: 19.08.2011, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (6)
letzter Kommentar: 20.08.2011, 15:15 Uhr
- Laurinus schrieb am 20.08.2011, 15:15 Uhr:
- Wenn ich dann mal schaue und die ehem. Bonner OB, eine Finanzexpertin hohen Grades, als Chefin einer solchen Sammelorganistion sehe, regt sich das Bedürfnis, dort zu spenden, nicht!
- Bulli1 schrieb am 20.08.2011, 13:31 Uhr:
- Spendenaufrufe kommen ja nun zu jeder Gelegenheit! Afrika hat es schlimm getroffen. Da muß Hilfe geleistet werden! Hilfe von einem Land, wie dem unseren, in dem Lebensmittel hoher Qualität (Weizen) verbrannt werden. Verbrannt werden dürfen! Und nur für ein paar kw Strom! Andere beste Lebensmittel (Mais)werden hydriert zu Benzin. Das nennt man dann Öko. Wieder andere werden zu Gas (Bio) verarbeitet! Völlig unnötig und nur als Gewinnbringer für die Landwirte. Deren Lobby ist weit größer, als die der hungernden Afrikaner! Das sind nämlich die gleichen Leute, die als Lobbyisten auftreten, die den Bürgern anraten, jetzt zu spenden! Und schlimmer noch! Vor einer Woche habe ich einen bekannten Helfer, den Herrn Neudeck, gehört. Auch er, in seiner Funktion aber ríchtig, bat um Geld! Was ich nicht wußte, war aber, daß er damit die Lebensmittel "vor Ort" einkaufen wollte! Heißt das, die Waren sind da, aber werden nicht abgegeben? Oder nur zu Wucherpreisen, die Herr Neudeck dann zahlen muß?
- Anonym schrieb am 19.08.2011, 16:57 Uhr:
- Ihr Reichen, bitte lasst die Hungernden doch alle zu uns kommen. Dann müssen wir die Spendengelder nicht so weit senden. Eigentlich ist es doch einerlei, wer eure ArbeiterInnen sind. Nur das Problem, ob sich aus all den Migranten einmal eine gute Polizei für den Schutz eures Eigentums bilden lässt, müsst ihr auch allein für euch entscheiden.
- Olle Saege schrieb am 19.08.2011, 15:53 Uhr:
- Alos ich habe die Nase gestrichen voll davon. Jetzt sollten die Ackermänner und Konsorten erst einmal vorausspenden. Schön, wenn er, der Spießbürger für kleine arme Würstchen spenden darf, so fühlt sich der noch fest im Sattel sitzende Mittelstandsbürger ausgesprochen wohl, das beruhigt sein Gewissen. Aber es beunruhigt ihn in keiner Weise, dass Menschen zu Bettlern gemacht werden. In meiner Heimat zum Beispiel, ja, da war es so bitterlich und erbärmlich, dass man sich der Filet-Stücke annahm, und den Rest zur weiteren Beseitigung oder Aufarbeitung unselbständig Abhängigen überließ, die aber ohne mein Mitleid zu erreichen, selbst die Verantwortung für ihre politische und staatsbürgerliche Leichtfertigkeit und für Leichtgläubigkeit übernehmen sollen. Vielleicht bin ich ungerecht, aber meine Mama sagte schon, wer nicht hören will, muss fühlen.
- paula schrieb am 19.08.2011, 12:59 Uhr:
- Mit Geldspenden wird sich in den Hungergebieten allein nichts ändern. Die Einstellung der Bevölkerung muß sich ändern. Wenn 30 Jährige Frauen schon 8-10 Kinder haben und sicher werden es auch noch mehr, wird sich an dem Elend nichts ändern. Hier werden Kinder in die Welt gesetzt, die sie nicht ernähren können. Mehr Haustiere gleich noch mehr Verwüstung der Landschaft. Die Einstellung muß sich ändern und auch der religiöse Wahnsinn.
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