Oldtimer-Camping Im Schätzchen durch die Welt

Von Carolin Bredendiek

Im Caravan Salon in Düsseldorf werden ab Samstag (25.08.2012) wieder die neuesten Trends der Camping-Welt dem Publikum präsentiert. Die heimlichen Stars der Messe sind aber nicht die blankpolierten High-Tech-Modelle, sondern die Oldtimer - wie der von Roswitha und Martin Zabel.


Roswitha und Martin Zabel vor ihrem Oldtimer-Wohnwagen.

Am allerschönsten ist es, wenn hinter ihnen der Wohnwagen ist und vor ihnen das Meer. "Die Luft, die Wellen und dann abends der Sonnenuntergang", sagt Roswitha Zabel, "das ist einfach toll." Und dann lächelt die 55-Jährige so, als könnte sie das Salz riechen, als säße sie gerade wirklich an der Adria und nicht in Grevenbroich.

Sie zieht, er schiebt

Im Juli waren Martin und Roswitha Zabel in Kroatien, ein bisschen restliche Urlaubsbräune auf Wangen und Armen zeugt noch davon. Mit dabei: ihr "altes schönes Schätzchen" - eine Constructam Comet 5, Baujahr 1970. Und wenn die, wie jetzt, nicht mit ihnen unterwegs ist, steht sie in einer Scheune keine zwei Minuten vom roten Backsteinhaus der Zabels entfernt. Mit geübten Handgriffen holt das Ehepaar den Wohnwagen ins Freie. Sie zieht, er schiebt - die beiden sind ein eingespieltes Team, Worte sind nicht nötig. Bis Martin Zabels Blick auf Staub und Blätter fällt, die sich seit dem Urlaub auf dem Dach angesammelt haben: "Kaum zu glauben, wie dreckig der nach den paar Wochen schon wieder ist."

Auch sonst sind, wenn es um den Wohnwagen geht, die Rollen bei den Zabels klar verteilt. "Ich kümmere mich um alles, was innen ist", sagt die Erzieherin und zwinkert mit den blau getuschten Wimpern, "und Martin übernimmt alles, was draußen anfällt." Und: nur er sitzt am Steuer. Denn vor den Oldtimer-Wohnwagen wird nur ein Wagen gespannt, der fast genauso alt ist. Und der königsblaue Renault 16, der das mobile Zuhause der Zabels bis ans Meer zieht, hat eben eine Lenkradschaltung. "Damit fahre ich nicht so gern", sagt Roswitha Zabel, ihr Mann hat jahrzehntelange Übung darin. Als Student fuhr der 56-Jährige seinen ersten R16, den jetzigen hat er schon seit 20 Jahren.

Ein Teddy für den ältesten Wagen

Beruflich pflegt der gelernte Stadtplaner heute Grevenbroicher Denkmäler - Häuser, Friedhöfe, Wegkreuze. "Ich habe wohl einfach eine Schwäche für alte Dinge", sagt er und tippt sich ans bärtige Kinn. Die Liebe zu alten Wohnwagen entdeckte er allerdings erst 2007, als die Zabels mit Freunden zu dem Treffen eines deutschen Camping-Oldie-Clubs in den Niederlanden fuhren. So was wollen wir auch, dachten sie, und machten sich auf die Suche: "Dann haben wir die Constructam in einer Anzeige gesehen", erzählt Martin Zabel, "aber wir dachten: Papier ist geduldig, wir sollten lieber hinfahren." Das Geld hatten die beiden gleich dabei: "Wir wollten den Wohnwagen direkt mitnehmen, wenn er uns gefällt."


Die Constructam Comet 5 von innen.
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Zum Schlafen können der Tisch zurück- und die Bänke ausgeklappt werden - das Bett ist dann zwei Meter breit.

Er gefiel. Und das tut er bis heute. "Bei den modernen Wohnwagen ist alles aus Kunststoff, das soll alles praktisch, nützlich und einfach sein", sagt Roswitha Zabel, "aber das hat doch gar keinen Flair." Ihr Oldie hat weder Toilette oder Dusche noch Fernseher oder Backofen - dafür erzählt jede Ecke ihre eigene Geschichte. Den Teddy auf der Sitzbank gewannen sie zum Beispiel auf der Camping-Messe in Düsseldorf - weil ihr Wagen dort der älteste war.

Ein Campingtisch neben dem anderen

Im Seitenfenster erinnern bunte Wimpel an Urlaube mit dem Oldie-Club. Wenn der zusammenkommt und eine große Campingwiese mit großen und kleinen, aber immer alten Wohnwagen bezieht, ist das ein bisschen wie eine Reise in die Vergangenheit. Die Zabels genießen die gemeinsamen Wochenenden: "Morgens stellt der erste seinen Tisch auf die Wiese, der zweite stellt seinen daneben, dann kommt der dritte und am Ende ist da eine ganz lange Frühstückstafel." Manche Clubmitglieder kommen jedes Mal mit einem anderen Gespann - "es gibt zwei, die sind beide 80 und haben sechs verschiedene Wohnwagen - und die dazu passenden Zugfahrzeuge", erzählt Martin Zabel, "das macht schon Spaß, sich das anzugucken."

Ob sie ihren eigenen Wohnwagen gegen einen anderen tauschen würden? "Ich würde den gleichen noch mal nehmen", sagt Roswitha Zabel, "aber dann ruhig mit Toilette."


Stand: 24.08.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 24.08.2012, 11:15 Uhr

andrea schrieb am 24.08.2012, 11:15 Uhr:
Herrlich! Das ist doch mal Kult! Manche alten Dinge sind wirklich schöner als neue - auch wenn sie nicht so hochmodern sind....
andrea schrieb am 24.08.2012, 11:02 Uhr:
Herrlich! Das ist doch mal Kult!