Testfahrten der neuen U-Bahn in Köln: Bahnbrummen trifft auf Spitzenmusik
Die Linie der neuen Nord-Süd-Bahn der KVB in Köln führt direkt unter dem Dirigentenpult der Philharmonie entlang. Ob sich der Schall der Bahnen ins Gebäude überträgt, wird ab Mittwochnacht (15.08.2012) in aufwendigen Tests festgestellt. Erste Messungen 2009 hatten bereits zu Nachbesserungen geführt.

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Chefdirigent Jukka-Pekka Saraste vom WDR Sinfonieorchester in der Kölner Philharmonie
Unterirdisch ist nur die Lage der Kölner Philharmonie, ihre akustische Qualität ist hingegen überragend. Das soll auch so bleiben, wenn die Bahnen der KVB auf der neuen Nord-Süd-Strecke unter der Philharmonie vorbeibrausen werden. "Wenn man ein Orchester im Saal vor Augen hat, dann kommt die Bahn quasi bei den Ersten Geigern an und fährt dann am Dirigenten halb schräg vorbei", erklärt Christoph Stahl, WDR-Hauptabteilungsleiter für Orchester und Chor. Ob in der Philharmonie die Bahnen zu hören sein werden, sollen ab Mittwochnacht (15.08.2012) bis zum 21. August aufwendige Testfahrten klären. Ende 2012 werden nach KVB-Auskunft die ersten Bahnen auf einem Teil der Strecke den Betrieb aufnehmen. Traurige bundesweite Bekanntheit erlangte das Bauprojekt durch den Einsturz des Kölner Stadtarchivs in unmittelbarer Nähe einer U-Bahn-Baustelle im März 2009.
Schienen auf doppelten Federn

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Auf diesem Betonklotz wurde 2009 gerüttelt
Erste Schalltests unter der Philharmonie gab es bereits 2009. Damals lagen noch keine Schienen, es wurde darum ein Rütteln simuliert. Das war in der Philharmonie nicht nur messbar, sondern auch hörbar, wie Christoph Stahl berichtet, der bei einigen Tests dabei war. Weitere Messungen folgten 2010. Nach deren Auswertung "wurde das technisch Bestmögliche eingebaut, das ist ein doppeltes Masse-Feder-System", erklärt er. Die Schienen liegen auf zwei langen Betonblöcken von jeweils einem Meter und 50 Zentimeter Dicke. Diese Blöcke ruhen wiederum auf Kunststoffquadern, sodass der Beton keinen Kontakt zum Boden hat. Diese Konstruktion soll den Gebäudeschall, also die Vibrationen, die durch die Bahnen verursacht werden, abfedern.
Bleigewichte statt Fahrgäste
Für die 78 Testfahrten setzt die KVB zwei verschiedene Fahrzeugtypen ein und lässt diese beladen und nicht beladen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fahren. Denn eine leere Bahn klingt anders als ein voll besetzter Zug zur Rushhour. Aus versicherungstechnischen Gründen darf nur der Fahrer im Zug sitzen, darum werden die Fahrgäste durch Bleigewichte ersetzt. "Die Tests werden an verschiedenen Tagen in unterschiedlichen Bereichen tagsüber und auch in der Nacht durchgeführt", teilt die KVB mit. Man hat an viele Eventualitäten gedacht, erläutert Christoph Stahl: "Sie setzen sogar noch einen Wagen ein, der einen Schlag am Rad hat. Dann sieht man auch, was dann passiert."
Die Messungen in der Philharmonie

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Ähnlich wie 2009 werden Kabel verlegt, Mikrofone aufgestellt
In der Philharmonie werden zuvor Kabel verlegt, Mikrofone und Geofone aufgestellt. Letztere können die Erdschwingungen messen, die sich in einen Raum übertragen. Die Messinstrumente stehen an verschiedenen Stellen. Besonders wichtig sind neben dem Konzertsaal das Stimmzimmer für die Musiker und das WDR-Tonstudio in der Philharmonie. Die ersten Tests hatten ergeben, dass es lediglich im Saal keine Lärm-Beeinträchtigungen gibt. Denn der wurde beim Bau bereits "entkoppelt", das heißt, dass der gesamte Raum auf Federn ruht. Der Lärm-Grenzwert, der nicht überschritten werden darf, liegt bei 25 Dezibel. "Das ist gar nicht so wenig, wie man denkt. Unsere Akustiker sagen, manchmal haben sogar Fahrstühle schon diesen Lärm", erklärt der WDR-Hauptabteilungsleiter.
Der "worst case" würde teuer

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WDR-Tonstudio in der Kölner Philharmonie
Das WDR-eigene Studio in der Philharmonie ist für hochwertige CD-Produktionen ausgelegt. "Je perfekter die Aufnahme ist, desto stärker stören diese Geräusche", sagt Stahl. "Das würde den gesamten Aufwand, den man bei diesen Aufnahmen hat, ad absurdum führen, wenn da immer ein Nebengeräusch wäre." Die WDR-Tonmeister haben "ein superfeines Gehör, die würden wahrscheinlich wahnsinnig dabei." Falls die Messungen der Testfahrten ergeben, dass sich noch Gebäudeschall ins WDR-Studio überträgt, müsste in der Philharmonie baulich nachgebessert werden, denn im Bereich der Schienen ist bereits das Optimum umgesetzt. Im schlimmsten Fall müsste auch das WDR-Studio, ähnlich wie der Konzertsaal, entkoppelt werden, was mit Sicherheit sehr teuer würde. Christoph Stahl hofft jedoch, dass es so weit nicht kommen wird: "Ich bin optimistisch, aber wir warten jetzt erst mal die Ergebnisse ab." Und die werden erst einige Wochen nach der letzten Testfahrt vorliegen.
Sobald die Ergebnisse der Testfahrten vorliegen, wird WDR.de darüber berichten.
Stand: 15.08.2012, 14.27 Uhr
Kommentare zum Thema (13)
letzter Kommentar: 16.08.2012, 23:46 Uhr
- Relativität und Wahrnehmung schrieb am 16.08.2012, 23:46 Uhr:
- Lieber WDR, gut hätte es diesem Artikel auch zu Gesicht gestanden, die Kosten der hochverschuldeten Stadt Köln für jeden Sitz und Aufführung mitzuliefern und natürlich sich daraus ergebende Subvention pro Sitz und Ereignis. Es fällt durchaus auf, dass Kölner Kultur von weit Außerhalb auch aus Niederlanden Belgien gar Luxemburg und Frankreich genutzt wird. (siehe auch einen Kommentar mit Entfernungsangabe) Wird sie aber von dem Kölner Bürger auch so angesehen, wenn er /sie die Subvention pro Sitz und .....? Der Öffentliche Nahverkehr ist wohl , wenn sie denn abzuwägen hätten, den meisten Kölnern wichtiger als die Elfenbeinkultur weniger, zumal die sich die realen Eintrittspreise leisten sollten, wenn sie ihren Luxus haben möchten? Mit anderen Worten: dem Durchschnittskölner geht die Vibration unterm Gesäß des Dirigenten am A.......vorbei?
- Hans schrieb am 16.08.2012, 19:33 Uhr:
- Liebe WDR Redaktion, diesen Kommentar bitte nicht wieder löschen auch wenn sich jemand über meinen gestrigen Kommentar beschwert hat !! Jedoch bleibe ich auch heute dabei, das was Jüse und Irmgards zu dem Artikel geschrieben haben hat auch mit einer sachlichen Diskussion mit dem Problem der Philharmonie nichts zu tun. Man sollte sich mal dahin begeben und die Akkustik genießen ehe man so etwas schreibt!! Der WDR befürchtet selber Probleme bei CD Mitschnitten, wie sie in dem Artikel erwähnen. Zu der Dummheit (Entschuldigung für diesen Ausdruck) der Stadt Köln möchte ich mich hier nicht äußern. Was schon beim Bau der Philharmonie versäumt wurde dürfte allgemein bekannt sein! ( Ich denke hier nur bei Rheinhochwasser über einen längeren Zeitraum) Mit einem schönen Gruß aus 2.500 km Entfernung von Köln, Hans
- Fahrgast schrieb am 16.08.2012, 14:25 Uhr:
- Wer testet denn in den Zügen, ob die Fahrgäste nicht durch die Musik gestört werden?
- Bürger schrieb am 16.08.2012, 12:04 Uhr:
- Wofür so alles Geld da ist in diesem unserem Lande.....
- WDR.de schrieb am 16.08.2012, 09:50 Uhr:
- @Jüse. Danke für den Hinweis. Wir haben den entsprechenden Beitrag offline gestellt
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