Kirchendiebstahl im Münsterland Das Rätsel um die Mumienhand

Sie war schon immer von Geheimnissen umweht, jetzt ist noch eines dazu gekommen: Unbekannte haben eine uralte mumifizierte Hand aus einer Kirche in Legden (Kreis Borken) gestohlen - kurz vor der entscheidenden Untersuchung.


Hand, nach der Plastinierung
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Unansehnliches "Star-Objekt": Die Mumienhand aus der Sankt-Brigida-Kirche

"Wir sind tieftraurig", sagt Alfred Janning vom Heimatverein Legden, der sich um das wertvolle Stück gekümmert hat. "Die Hand war unser Star-Objekt." 1905 war sie zufällig entdeckt worden, als ein Wehrturm in dem 7.000-Einwohner-Ort abgerissen wurde - gut erhalten, da in Kalk gelagert. Seitdem wurde sie in einem Kasten in der Sankt-Brigida-Kirche ausgestellt. "Am 23. September hat der Küster sie noch gesehen, am 25. war sie weg", erzählt Janning. Da hatte der Feuerwehrchor in der Kirche für eine Goldhochzeit geprobt, ein Mitglied wollte sie einem anderen zeigen - "und da war sie verschwunden". Aber erst drei Tage später schlugen die Legdener Alarm. Bis dahin hatten sie geglaubt, die Hand sei in guten Händen - bei den Wissenschaftlern, die sie untersuchen wollten.

Kurz vor der entscheidenden Untersuchung

Die Legdener wollten nämlich genauer wissen, was es mit der Hand auf sich hat. Der damalige Pfarrer hatte den Fund zwar 1905 so beschrieben: "eine schlanke Hand, vermutlich von einer Frau, aber mit Schwielen". Aber warum wurde sie abgetrennt? Warum wurde sie in Kalk eingelagert? Und wie alt ist sie überhaupt? Das sollte eine Untersuchung in Kiel klären. Dort war 2010 schon einmal eine Probe analysiert worden, Ergebnis: Sie ist wohl älter als angenommen. Das genaue Alter sollte in den nächsten Wochen anhand einer neuen Probe bestimmt werden. Janning: "Dafür müssen zwei Gramm entnommen werden, aber auch das kostet Geld." Der Diebstahl platzte mitten in die Suche nach Sponsoren.

Gottesurteil ...


Leerer Holzkasten, am Haupteingang der Kirche
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Der Kasten ist verwaist

Dabei waren sie des Rätsels Lösung schon auf der Spur. Eine erste Untersuchung bei der Rechtsmedizin in Düsseldorf 2006 hatte ergeben, dass sie säuberlich abgetrennt wurde: "Das war kein Dieb, dem die Hand zur Strafe abgehackt wurde", so Janning. Seine Vermutung: Es handelte sich wohl um eine Schwur- oder auch Barhand. "Wenn jemand Opfer eines Verbrechens wurde, hat man den mutmaßlichen Täter an der Leiche vorbeigeführt. Und wenn sie blutete, war das der Beweis." Weil man die Leiche nicht so lange offen liegen lassen konnte, wurde die Hand abgetrennt und das Opfer beerdigt. Janning hat eine Theorie: "In der Nähe wurde vor mehreren hundert Jahren ein Adliger erschlagen." Vielleicht gehörte ihm die Hand.

... oder Abwehrzauber?

Janning hat noch eine andere mögliche Erklärung: "Vielleicht wurde die Hand als eine Art Zauber in die Festungsmauer eingemauert. Das war so ein Aberglaube, dass der Feind damit abgewehrt werden kann." Bei so vielen Theorien: Hat er eine Idee, wer der Dieb ist? Da kann er auch nur raten. "Vielleicht richtet sich jemand gerade ein Zimmer ein.... Ein Kinderstreich war das jedenfalls nicht." Ein Rätsel mehr, das jetzt die Polizei lösen muss.


Stand: 02.10.2012, 09.20 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 02.10.2012, 19:08 Uhr

Ingo Nielebock schrieb am 02.10.2012, 19:08 Uhr:
Kann man die Hand nicht weg werfen, ist ja ekelhaft