Ditib kündigt dem Moschee-Architekten Streit um weiß oder grau

Von Conny Crumbach

Die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) hat die Zusammenarbeit mit dem Architekten der Kölner Zentralmoschee, Paul Böhm, gekündigt. Der Architekt hatte jedoch selbst schon mit einer Kündigung des Vertrags gedroht.


Baustelle des Moschee-Neubaus in Köln-Ehrenfeld
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Der Moschee-Bau in Köln-Ehrenfeld

Für den Bezirksbürgermeister von Köln-Ehrenfeld, Josef Wirges (SPD), kam die Nachricht über die Kündigung des Vertrags mit dem Architekturbüro Böhm durch die Ditib offenbar sehr überraschend. Wirges ist Mitglied des Moschee-Beirats, der den Bau nach Wirges' Aussagen "beratend und freundschaftlich" begleitet. Für ihn habe die Zusammenarbeit zwischen der Ditib und dem Architekten der Moschee, Paul Böhm, "ganz normal" gewirkt. Den Bezirksbürgermeister erreichte die Mitteilung der Ditib am Freitag (22.10.2011). Dort heißt es: "In der technischen Abwicklung wurde der Architekt [...] den eigenen gestalterischen und qualitativen Anforderungen nicht mehr gerecht. Nachdem die Kosten aus dem Ufer liefen, gravierende Mängel sich häuften und wichtige Terminvorgaben nicht mehr zu halten waren, sahen wir uns schließlich gezwungen, die Notbremse zu ziehen und dem Architekturbüro Böhm mit sofortiger Wirkung zu kündigen".

Architekt drohte selbst mit Vertragskündigung


Doch offenbar war das Verhältnis zwischen der Ditib und dem Architekten Böhm im letzten Jahr alles andere als "ganz normal". Böhm selbst sagte WDR.de am Montag (24.10.2011): "In den letzten Monaten haben wir nur noch über Anwälte und Juristen miteinander kommuniziert und seit April keine Honorare mehr bekommen." Der Hintergrund: Im August 2010 wurde der gesamte Vorstand der Ditib ausgetauscht und damit auch alle Ingenieure, die als Ansprechpartner für den Architekten den Moschee-Bau von Bauherren-Seite betreut hatten. Das habe "das für eine weitere Vertragabwicklung nötige Vertrauensverhältnis massiv erschüttert", heißt es in der Pressemitteilung des Architekturbüros Böhm vom Montag. Dort gibt Böhm außerdem bekannt, der Ditib selbst mit der Kündigung zum 24.10.2011 gedroht zu haben. Die Ditib sei ihm nun zuvor gekommen: "Auch wenn die Ditib grundsätzlich weiterhin den künstlerisch anspruchsvollen Entwurf anerkennt, sind im Detail sehr starke Divergenzen vor allem über die Gestaltung der Fassaden und den Innenausbau aufgetreten." Auf Seiten des Bauherrn würden "Entscheidungen nicht getroffen und die Zahlungen von fälligen Vergütungen" verweigert, so die Sicht der Architekten.

Streit um Beton-Fassade

Hauptstreitpunkt bei der Gestaltung ist, nach Angaben von Paul Böhm, die Farbe der Fassade. Dabei geht es um die Frage: grau oder weiß. Mit dem alten Vorstand hätte man lange diskutiert und sich schließlich auf eine bestimmte Betonart und einen Farbton geeinigt. Jetzt stünde das wieder zur Debatte. "Ich vermute, man will uns mit der Kündigung unter Druck setzen", sagte Böhm am Montag. Die Mitarbeiter des Architekturbüros bedauern die Entwicklung in ihrer offiziellen Stellungnahme und befürchten, dass es nun einen langwierigen Rechtsstreit über die Sachverhalte geben wird. Paul Böhm ist vor allem daran gelegen, dass die gestalterische Qualität des Gesamtentwurfs erhalten bleibt. Eine weitere Stellungnahme der Ditib zum Thema gab es bisher nicht.

Stichworte

Ditib

Der DITIB gehören bundesweit mehr als 890 Mitgliedsvereine an. Die islamische Organisation in Deutschland tritt laut Selbstdarstellung für einen weltoffenen und liberalen Islam ein. Organisatorisch und personell ist der Verband eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde verbunden. So werden die Imame, die in DITIB-Moscheen arbeiten, von der Regierung in Ankara bezahlt.

Paul Böhm

Der Kölner Architekt Paul Böhm hatte 2005 den Architekturwettbewerb zum Bau der Moschee gewonnen. Nach seinem Entwurf wird die repräsentative Moschee in Köln-Ehrenfeld mit zwei 55 Meter hohen Minaretten und einer 36,5 Meter hohen, halbtransparenten Kuppel gebaut. Baubeginn war im Frühjahr 2009, das Richtfest wurde im Februar dieses Jahres gefeiert. Die Baukosten wurden ursprünglich auf etwa 25 Millionen Euro veranschlagt.


Stand: 24.10.2011, 15.08 Uhr


Kommentare zum Thema (11)

letzter Kommentar: 28.10.2011, 04:41 Uhr

Aufklärer schrieb am 28.10.2011, 04:41 Uhr:
Hallo, geht es noch ausweichender? Die Ditib hat 900 (von insgesamt 2700) Moscheen in Deutschland. Die Imane sind türkische STAATSBEAMTE und werden vom TÜRKISCHEN Staat (Diyanet) für 4 Jahre nach Deutschland geschickt. So gut wie keiner spricht Deutsch. Die Freitagspredigt wird tw. von Ankara vorgegeben. Für wen werden diese Imame im Zweifelsfall predigen? a) Schweden b) Transnistrien c) Deutschland oder d) Türkei Nb. Der Ditib Vorsitzende ist ein führender Mitarbeiter der türk. Botschaft. Aber da alle Beteiligten ganz angestrengt weggeschaut haben konnte man nicht wissen wie es z. B. bei der Berliner Sethlik Moschee lief und in Duisburg Marxloh. Leicht im I-net zu finden. Ich will euch nicht den "Spaß" nehmen. Schaut nach. Wo wir bei Marx sind. Sucht was Karli zum Islam geschrieben hat. Bekannt ist das Geschäfte und Wohnungen in Moscheen gebaut werden. Das trägt ganz sicher zur Integration bei. @otto Gegenbuch schreiben! Wird bestimmt lustig.
otto schrieb am 25.10.2011, 18:30 Uhr:
@heinz. Warum sollen wir dieses "Werk2 noch lesen? Die schlichteren unter uns haben es schon gekauft und den Ex-Banker zum Millionär gemacht! Mehr wollte der doch nicht, nur einige haben das (und anderes) nicht verstanden -oder verstehen wollen.
Micha schrieb am 25.10.2011, 08:24 Uhr:
Grundsätzlich kann ich nicht verstehen, dass Menschen in der heutigen Zeit immer noch irgendwelche Tempel für zig Millionen bauen - egal, von welchem Verein. Für mich ist das einfach nur krank!
heinzb aus nrw schrieb am 24.10.2011, 20:59 Uhr:
Lest " Deutschland schafft sich ab ", dann habt Ihr die Wahrheit, aber der Bürger wird in Deutschland nicht gefragt, er darf zahlen und den Multi-Kulti-Irrsinn erdulden.
@kölner schrieb am 24.10.2011, 20:36 Uhr:
Leider verbreiten Sie (absichtlich?) Unsinn. Natürlich gibt es in der Türkei Kirchen! Aber von einer bestimmten politischen Ecke wird gerne das Gegenteil behauptet! Aber davon ab: Was haben vermeintliche türkische Bauvorschriften mit den Gebäudefarben in Köln zu tun?

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