Ärztin in Aachen verurteilt Lebenslänglich für tödliche Morphiumspritze

Eine Ärztin ist in Aachen am Dienstag (10.07.2012) wegen Mordes an ihrem 85 Jahre alten Ehemann zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Motiv sollen eine neue Arbeitsstelle und ein Liebhaber gewesen sein. Die Verteidigung kündigte Revision gegen das Urteil an.


Die 36-jaehrige Narkoseaerztin Lydia H. steht am Dienstag (10.07.12) im Landgericht in Aachen zwischen ihren Anwaelten
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Lebenslange Haft nach Überdosis Morphium

Die 36-Jährige habe ihren Mann auch deshalb aus dem Weg geräumt, um für eine neue Arbeitsstelle in Ulm und für ihren neuen Liebhaber frei zu sein, sagte der Vorsitzende Richter Gerd Nohl am Dienstag in Aachen. Sie habe dabei ihren Beruf als Ärztin missbraucht. Die Richter am Landgericht sprachen ein lebenslanges Berufsverbot aus.

Zehn Ampullen Morphium gespritzt

Verteidiger Reinhard Birkenstock kündigte Revision an. Er hatte die Tat als Totschlag in einem minder schweren Fall gewertet. Die Mörderin wirkte bei der Urteilsverkündung wie versteinert. Nach fünf Monate langem Schweigen hatte sie im Prozess die Tat gestanden, aber ihren emotionalen Ausnahmezustand betont. Die Richter sahen das anders. Die Frau habe mit ihrem Mann im Februar 2011 über die Zukunftspläne der Ärztin gestritten und wohl in Sekundenschnelle den Mordplan gefasst. Sie habe ihrem Mann zehn Ampullen Morphium gespritzt. Die Richter beschrieben den genauen Tatablauf nicht. Die Frau habe in einer besonderen Situation die falsche Entscheidung getroffen, sagte Nohl.

Vertrauensverhältnis war gestört

Der Ehemann habe die damals drogenabhängige Prostituierte von der Straße geholt, ihr Schule, Studium und Ärzte-Ausbildung ermöglicht. Als sie fertig war, habe sie einen 67-Jährigen in Süddeutschland kennengelernt und in Ulm eine Stelle bekommen. Das Vertrauensverhältnis des Ehepaars sei gestört gewesen.

Der Ehemann habe ihre Konten geräumt und gesperrt. Aber der körperlich unterlegene Mann habe nicht damit gerechnet, dass seine Frau ihn angreifen würde. "Er war arg- und wehrlos", sagte Nohl. Seine Frau habe sich das Überraschungsmoment zunutze gemacht.

Anwalt Birkenstock konnte keinen kalt geplanten Mord erkennen. Der Ehemann habe die Frau im Streit schwer gedemütigt. Abgrundtief erregt, zornig und ins Mark getroffen habe sie ihn getötet. Sie habe die Tat nicht geplant, sondern im Affekt gehandelt, hatte Birkenstock in seinem Plädoyer gesagt.


Stand: 10.07.2012, 15.29 Uhr