Weinlese in NRW: Volle Reben am Lehrweinberg
Am Lehrweinberg in Rhöndorf sind jetzt alle Reben abgeerntet. Der Most, der aus der Presse fließt, ist fruchtig und süß. Vom dritten Jahrgang des "Rhöndorfer Cuvees" wird es aber wohl weniger Flaschen geben, als erhofft: Die Vögel waren früher dran als die Menschen.

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Reif für die Ernte
Es wurde Zeit: Diese Woche war der Erntetermin angesetzt - und länger hätten die Helfer nicht warten dürfen. Denn sonst hätten sich die Vögel noch mehr Trauben von den Rebstöcken geholt. "Das liegt an der Fruchtfolge", sagt Götz Teichgreeber, der Fachmann für Weinkunde im Ortsverein Rhöndorf. Die Trauben waren dieses Jahr vor den Bucheckern und Kastanien reif, also haben die Vögel sich am Weinberg bedient. "Nächstes Jahr müssen wir wohl alle Pflanzen einnetzen", sagt der Experte.
Dorfprojekt für alle
Aber die Trauben, die noch da sind, sind prall, süß und damit definitiv reif. Zehn Erntehelfer aus dem Ort hocken mit ihren Heckenscheren zwischen den Rebstöcken und schneiden die vollen Reben ab. Keiner von ihnen ist Berufswinzer. Götz Teichgreeber hat allerdings schon Vorwissen auf dem Gebiet der Weinkunde, denn er bewirtschaftet selbst einen eigenen Weinberg. Sein Beruf ist das aber nicht: "Ich bin pensionierter Lehrer".

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Der Lehrweinberg in Rhöndorf
Franz-Josef Weber ist beruflich Vermessungstechniker und kümmert sich in seiner Freizeit mit um den Weinberg. "Mit mehreren Leuten hier mal zwei Stündchen am Wochenende zu arbeiten, macht Spaß – so fällt es leichter, als wenn hier nur ein oder zwei Leute für alles zuständig wären.", sagt er. Er sammelt fleißig die abgeschnittenen Trauben in seinem Eimer. "Und man lernt eine ganze Menge über die Pflanzen", fügt er hinzu. Jeder, der etwas über Weinbau lernen möchte, kann beim monatlichen Treffen am Lehrweinberg helfen. Die Rebstöcke müssen regelmäßig beschnitten und gegen Ungeziefer gespritzt, der Rasen zwischen den Pflanzen gemäht und Unkraut gejätet werden.
Sechs verschiedene Sorten
Auf dem Lehrweinberg stehen rund 150 Rebstöcke, die im Sommer 2008 vom Ortsverein angeschafft und gepflanzt wurden. Früher war die Fläche schon für den Weinbau genutzt worden - bis zur Flurbereinigung in den 70er Jahren, so der Vereinsvorsitzende des Bürger- und Ortsvereins Jörg Erich Haselier. Dann kam die Idee, auf der ungenutzten Fläche einen kleinen Weinberg anzulegen, um Bürgern und Gästen in Rhöndorf beispielhaft die Prinzipien des Weinbaus zu zeigen. Finanziert wurde das Projekt mit der Unterstützung von "Rebpaten", die sich dem Ort verbunden fühlen, aber nicht unbedingt hier wohnen. "Die kommen dann meist zur Verkostung", sagt Götz Teichgreeber.
Sechs verschiedene Weinsorten wachsen hier am Hang, die meisten Rebstöcke davon Riesling. Daneben Grauburgunder, Spätburgunder, Kerner, Scheurebe und Müller-Thurgau. Letzterer ist schon vor ein paar Wochen geerntet worden. Zum Teil wurde Federweißer draus, aber ein bisschen vom Most der Müller-Thurgau-Reben soll auch für den Wein verwendet werden.
Rhöndorfer Cuvee
Der Wein vom Lehrweinberg ist immer ein "Cuvee", also eine Mischung aus verschiedenen Sorten. "Das wäre viel zu umständlich, bei den wenigen Weinstöcken jede einzelne Sorte zu lesen, zu pressen und zu einem eigenen Wein zu verarbeiten", meint Götz Teichgreeber. Also wird eine "gute Mischung" draus.

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Viele Helfer sammeln die Trauben von den Reben
Die erste Ernte 2010 ergab schon rund 30 Liter Wein. "Eigentlich hätte ich das gar nicht geerntet", sagt der Fachmann. "Die jungen Pflanzen müssen erstmal kräftig werden, bevor sie wirklich abgeerntet werden". Aber weil der Lehrweinberg auch eine repräsentative Funktion hat, werden Kompromisse eingegangen, fügt er hinzu. So konnten die Rhöndorfer schon früh die ersten eigenen Flaschen in der Hand halten.
Erst mahlen, dann pressen
Immer wieder laufen die Helfer mit vollen Eimern zum alten Musikpavillon am Dorfplatz, in der sie die Mühle und Presse aufgebaut haben. Wenn einer mal aus Versehen seinen vollen Traubeneimer direkt in die Presse entleert, weist Götz Teichgreeber darauf hin, dass erst das Mahlen dran ist und danach die Presse.

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Ein Glas Weinmost probieren
Aus der Mühle fällt Weinmaische - "Matsche", wie eins der Kinder feststellt. Die wird in die Presse gekippt und dort zu Most gekeltert. Der ist noch grau-grünlich, als er aus der Presse läuft, weil ja die ganzen Reben mit Stielen, Kernen und Traubenschalen gemahlen und gepresst wurden. Alle dürfen mal ein Glas der diesjährigen Ernte probieren. Der Saft schmeckt süß, nach frischem Traubensaft eben. "Mit einem Hauch von Apfel", stellen einige fest.
Wenig, aber dafür jetzt schon lecker
Nach einer guten halben Stunde sind die Trauben ausgepresst. Das Plastikfass, in dem der Most gesammelt wird, fasst jetzt schätzungsweise 30 Liter. Dazu kommen noch ein paar Liter vom Müller-Thurgau, der ja schon früher geerntet worden war. Insgesamt ist der Ertrag damit zwar dieses Jahr mengenmäßig deutlich geringer als im vergangenen Jahr, aber qualitativ ist noch alles offen. Der Wein vom letzten Jahr sei in der Hinsicht noch "nichts besonderes" gewesen, aber das werde ja immer besser, erläutert Hildegard Teichgreeber, die durch den Weinberg, den sie mit ihrem Mann besitzt, auch schon Erfahrung im Weinbau hat. Erst nach sieben oder acht Jahren erreiche ein Weinstock seine beste Ertragszeit. "Langfristig", sagt ihr Mann, gehe er davon aus, dass es "mehr als 100 Liter jährlich" werden. Vorausgesetzt, die Vögel sind nicht wieder zuerst da. "Jedenfalls hatten wir noch nie so viele Erntehelfer wie heute - im Verhältnis zur Menge des gewonnenen Weins", lacht er.
Nach 24 Stunden soll der Most in einen großen Edelstahlbehälter umgefüllt werden. Hier wird der Wein dann gären und reifen, bis er klar ist. Dann wird abgefüllt, und im nächsten Jahr werden die Helfer für ihre Erntemühen belohnt: Dann findet, wie jeden Herbst, eine feierliche Verkostung statt, bei der der 2012er Jahrgang des "Rhöndorfer Cuvees" probiert wird.
Stand: 07.10.2012, 06.00 Uhr
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