Legionellen in Warstein Erkrankungswelle im Sauerland flaut nicht ab

Die Welle von Legionellen-Infektionen im sauerländischen Warstein flaut auch nach rund zwei Wochen nicht ab. Mittlerweile könnten 95 Menschen betroffen sein. Noch suchen Experten eine Klimaanlage, deren Abluft schuld an der Krankheitswelle sein soll.


Inzwischen gebe es rund 95 Verdachtsfälle, die wegen hohen Fiebers und einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kamen, teilte das Gesundheitsamt in Soest am Freitag (23.08.2013) mit. Ein Erkrankter sei in einem kritischen Zustand. In der vergangenen Woche waren zwei Männer an einer durch die Bakterien ausgelösten Lungenentzündung gestorben. Seit Mittwoch (21.08.2013) kontrollieren Mitarbeiter des Gesundheitsamtes deshalb sämtliche als "Rückkühl-Werke" arbeitenden Klimaanlagen in der 27.000-Einwohner Stadt. Ergebnisse der dort gezogenen Proben sollen in der kommenden Woche vorliegen.

Legionellen nachgewiesen

Experten gehen davon aus, dass die Erkrankungswelle mit größter Wahrscheinlichkeit durch eine nicht oder nur unzureichend gewartete Großklimaanlage ausgelöst wurde. "Die Anlagen arbeiten so, dass mit den Kühlschwaden kleinste Tröpfchen in die Umgebung abgegeben werden. Darin können sich dann die Legionellen befinden", sagte ein Kreissprecher - und über Kilometer in der Umgebung verteilen.

Dass die grippeähnliche Krankheitswelle durch Legionellen ausgelöst wurde, hat sich durch weitere Laborergebnisse bestätigt. Bei sechs der Erkrankten wurden die Bakterien nachgewiesen. Außerdem fanden sich auch in der Lunge des 53-Jährigen, der im Krankenhaus gestorben war, Legionellen.

Meldepflicht für Anlagen gefordert

Die Verantwortlichen in Warstein müssen Detektivarbeit leisten. Sie wollen herausfinden, wo Anlagen stehen, von denen die Infektion ausgehen könnte. "Wir haben Schornsteinfeger und Feuerwehrleute befragt, wo solche Anlagen auf den Dächern sind", sagte der Kreissprecher. Außerdem würden hochauflösende Luftbildaufnahmen ausgewertet. Bisher wurden acht Klimaanlagen mit der besonderen Technik gefunden, desinfiziert und vorerst stillgelegt. "Wir wollen verhindern, dass bei den derzeitigen Temperaturen erneut eine Legionellen-Wolke über die Stadt zieht", sagte die Soester Landrätin Eva Irrgang (CDU). Experte Martin Exner vom Deutschen Hygieneinstitut forderte vor dem Hintergrund der Massenerkrankung in Warstein am Mittwoch eine gesetzliche Melde- und Wartungspflicht für derartige Anlagen.


Stand: 23.08.2013, 17.02 Uhr


Kommentare zum Thema (8)

letzter Kommentar: 26.08.2013, 23.47 Uhr

Andi schrieb am 26.08.2013, 23.47 Uhr:
so langsam bekomme ich Angst, alle Leute hoffen auf Dienstag, bangen um die Ergebnisse, was ist wenn der "Legionellen-Verteiler" nicht dabei ist ??? Leute macht was...................bitte keine weiteren Todesfälle
heinzb aus nrw schrieb am 25.08.2013, 22.41 Uhr:
Kann die Gefahr nicht auch aus einem Städtischen Springbrunnen kommen, in dem der Sprühnebel die Keime in der Luft verteilt ??? Denn das Klima wird in dem Wasser des Brunnen auch erreicht, denke ich.
S.F. schrieb am 25.08.2013, 14.15 Uhr:
Ich finde es unverantwortlich, dass man ein Fußballspiel in Warstein stattfinden lässt, welches auch ganz einfach hätte abgesagt, verlegt oder an den Ort der Gegner gelegt hätte werden können. Ich hoffe nur, dass die Spieler nicht die dortigen Duschen benutzen, denn es ist ja noch nichts geklärt. Gerne würde ich dem Herrn Staffelleiter anbieten, eine kleine Dusche mit der gesamten Familie in Warstein zu nehmen.
Schroka schrieb am 25.08.2013, 10.11 Uhr:
Es ist beschämend, dass behördenseitig die Infektionsquelle bisher noch nicht gefunden worden ist. Dann die Kommentare entsprechender Institutionen ect. sind so was von nichtsagend und wichtigtuend, dass einem die Haare zu Berge stehen.
OWL schrieb am 25.08.2013, 09.39 Uhr:
In der nächsten Woche soll in Warstein die Mongolfiade stattfinden. Da kommen Zehntausende von Gästen, wie soll man sich als möglicher Besucher verhalten, finden das Event überhaupt statt?

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