Interview zum Kopfball-Experiment Die Ente, der Rhein und das Experiment

Eine kleine gelbe Plastikente schwimmt seit Tagen im Auftrag der ARD-Sendung "Kopfball" auf dem Rhein. Inzwischen ist sie eine Berühmtheit. Produzent Wolfgang Meschede im Interview über das Experiment, hilfreiche Lebensretter und die Angst vor dem Rheinfall.


Plastikente auf dem Wasser, dahinter ein Boot der DLRG
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Selbst für einen erfahrenen Produzenten sind es aufregende Tage. Wolfgang Meschede begleitet die Ente auf ihrem Weg auf dem Rhein, um daraus einen Film zu machen. Ihn hat WDR.de kurz vor dem Ziel der Ente in den Niederlanden erreicht und mit ihm über die kuriose Idee gesprochen und was die Ente auf ihrer Reise schon alles erlebt hat.

WDR.de: Die Ente, ihr Baby, ist seit Tagen auf dem Rhein unterwegs. Haben Sie schon mal eine Nacht durchschlafen können?


Mann lehnt über dem Rand eine Schlauchbootes und hält eine Ente ins Wasser
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Produzent Wolfgang Meschede bei einem Schwimmtest

Wolfgang Meschede: Eigentlich nicht. Es gibt ständig Fragen zu beantworten, was gerade passieren soll. Und weil bei mir alle Fäden zusammenlaufen, klingelt auch nachts immer wieder das Telefon. Selbst wenn ich mal nicht an Bord eines Begleitschiffes bin.

WDR.de: Wie sind sie überhaupt auf die Idee mit der Ente gekommen?

Meschede: Auslöser war eine Zuschauerfrage, wie lange ein Tropfen Rheinwasser von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in die Nordsee braucht. Bei unseren Recherchen haben wird dann festgestellt, dass das noch nie gemessen wurde. Es gibt zwar im Zusammenhang mit der Hochwasserforschung Untersuchungen, die sich aber immer nur auf einzelne Abschnitte des Rheins bezogen hatten. Weil wir wussten, dass das Wasser so schnell schwimmt, wie ein Objekt, das auf ihm treibt, brauchten wir nur noch einen prominenten Gegenstand. Da hatten wir die Idee mit der Ente.

WDR.de: Ist es eigentlich seit der Quelle immer die gleiche Ente?

Meschede: Nein, da, wo der Rhein noch ein Bach ist, haben wir eine handelsübliche Quietscheente benutzt. Ab da, wo der Rhein ein Fluss ist, schwimmt eine etwa Fußball große Ente. Das war das größte, was es als Plastikente noch zu kaufen gab. Außerdem mussten wir die Ente operieren. Sie hat einen Kiel an der Unterseite bekommen, so dass sie immer geradeaus schwimmt und dann haben wir zur Ortung noch einen GPS-Sender eingebaut. Der ist zwar nur so groß wie eine Zigarettenschachtel aber rund ein Pfund schwer. Eigentlich hätten wir den auch gerne im Kiel untergebracht, aber da funktionierte der Satellitenempfang nicht richtig. Und huckepack, auf dem Rücken wäre der Schwerpunkt zu hoch gewesen. So ist der Sender im Bauch der Ente gelandet. Eine Ente auf dem Rhein ist also keine einfache Sache.

WDR.de: Wo hatten Sie Angst um sie?


Das Kamerateam von Kopfball posiert vor dem Rheinfall in Schaffhausen
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Gruppenbild mit Ente vor dem Rheinfall

Meschede: Beim Rheinfall in Schaffhausen. Aber da ist sie unbeschadet durchgekommen. Die Schiffe auf dem Rhein haben uns zuerst auch Sorgen gemacht, aber die sind gar kein Problem. Durch ihre Bugwelle schwimmt die Ente links oder rechts an ihnen vorbei. Einmal haben wir die Ente sogar durch eine Schleuse geschickt. Probleme gab es mit der Ente an den Flussbiegungen. Da wird sie immer wieder abgetrieben und verfängt sich am Ufer. Dann müssen wir sie wieder in die Mitte des Rheins setzen. Dafür haben wir sogar einen speziellen Haken entwickelt.

WDR.de: Ging das denn immer so einfach?

Meschede: Ja, dank der Hilfe der DLRG. Deren Mitglieder konnten wir als Helfer gewinnen. Sie haben die Ente über weite Strecken betreut. Ohne sie wäre das gar nicht möglich gewesen.

Was hat sie auf der Reise besonders überrascht?


Ein kleines Boot mit selbstgemalter Entenflagge
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Bekennender Entenfan auf dem Rhein

Meschede: Das ungeheuer große Medieninteresse. Das hat dafür gesorgt, dass wir inzwischen von vielen Menschen am Ufer begleitet werden, die die Ente mal fotografieren wollen. Selbst Boote mit selbstgebastelten Entenflaggen haben uns schon begleitet und in Köln gab es zur Begrüßung von der Feuerwehr sogar eine Wasserfontäne.

Inzwischen ist die Ente am Unterlauf den Rheins in den Niederlanden, genauer auf der Waal unterwegs. Am Mittwoch soll die Ente in der Nordsee ankommen. Wie schnell war sie denn nun?


Ente aus gelbem Plastik schwimmt im Rhein vor der Kölner Skyline
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Fototermin mit dem Dom

Meschede: Unsere Aktion hat am 1. September begonnen, aber wir müssen noch genau ausrechnen, wie lange die Nettoschwimmzeit war. Denn die Ente ist nicht jede Nacht durchgeschwommen. Etwa im Mittelrheintal, wo das für die Begleiter zu gefährlich geworden wäre. Auch den Bodensee konnte sie nicht durchschwimmen, weil es dort nur eine sehr geringe Fließgeschwindigkeit gibt. Das heißt, die Ente hätte bis zu vier Jahre im Bodensee treiben können. So lange wollten wir dann nicht warten. Ich schätzte, wir werden auf eine reine Schwimmzeit von etwa zwölf Tagen kommen. Das liegt etwa in dem Rahmen, den auch die wissenschaftlichen Berechnungen ergeben haben.

Was wird aus der Ente, wenn sie ihr Ziel, die Nordsee erreicht hat?

Meschede: Dass wissen wir noch nicht endgültig. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, über die wir schon nachgedacht haben. Sie könnte zum Beispiel zu Ehren der DLRG versteigert werden. Vielleicht interessiert sich aber auch ein Museum für unsere Ente, wo sie dann ausgestellt werden könnte.

Und was machen Sie, wenn Ihre Ente am Ziel ist?

Meschede: Ich werde erst mal ausschlafen. Und dann müssen wir ja noch unseren Film fertig schneiden, der am 21. Oktober in der Sendung Kopfball gezeigt wird.

Robert Franz führte das Interview.


Stand: 17.09.2012, 15.30 Uhr


Kommentare zum Thema (8)

letzter Kommentar: 19.09.2012, 22:07 Uhr

Ruby schrieb am 19.09.2012, 22:07 Uhr:
Super, das ist ja mal was total gelungenes und erfreuliches. Bei den ganzen negativen Sachen in den Medien ist es echt erfrischend mal was positives verfolgen zu können. Ich habe es genossen. Eine tolle Zuschauerfrage und Berichterstattung.
Maria schrieb am 19.09.2012, 12:51 Uhr:
Vielen Dank für die tolle Idee. Ich habe den Weg der Ente täglich verfolgt und sie regelrecht ins Herz geschlossen. Schön, wenn andere sich da was abschauen und „Aufträge im Dienste der Wissenschaft“ auf so eine knuffige Art und Weise abwickeln. Alles Gute kleine Ente – und natürlich auch dem Kopfball-Team! Und übrigens, herzlichen Glückwunsch. Sie hat ja wohl ihr Ziel seit erreicht!
Anna schrieb am 19.09.2012, 08:22 Uhr:
Genial - das Experiment und Versteigerung zu gunsten DRLG wäre auch super! Muß mir unbedingt im Kalender notieren und die Sendung im Oktober verfolgen!!
Nici Schnuffel schrieb am 18.09.2012, 22:35 Uhr:
FREU!! Dank dem Kopfballzuschauer,der diese Aktion ausgelöst hat...und naklar allen Beteiligten....ich finde das echt total klasse!! ;-) Leider konnte ich sie nicht live sehen die süße Nadia....lach beim nächsten mal bitte einmal duch die Pader schwimmen kleine Quitschi...;-))
Elena - 1984 schrieb am 18.09.2012, 16:39 Uhr:
Tolle Sache. Aber könnte man die Ente inder Nordsee nicht einfach weiter schwimmen lassen? Wäre doch interessant zu sehen wie weit die Reise geht.

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