Protest gegen höhere Kita-Beiträge: Elternaufstand in Willich
In niederrheinischen Willich formiert sich Widerstand. Der dortige Stadtrat plant den Wegfall des Geschwisterbonus und damit steigende Betreuungskosten. Mit den Mehreinnahmen soll der klamme Haushalt saniert werden.

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Kinderbetreuung könnte in Willich teurer werden
Patricia Schmitz klingt am Telefon selbst noch ganz überwältigt. Die zweifache Mutter hat vor wenigen Tagen spontan die Protestgruppe "Eltern in Willich - Diskussionsrunde zum Thema Wegfall des Geschwisterbonus" bei Facebook ins Leben gerufen. Ein sperriger Titel, doch jeden Tag wollen mehr Menschen dort mitdiskutieren. "Wir sind schon rund 600 Leute", sagt die 33-Jährige. 600 Mütter und Väter, die gemeinsam ihrem Ärger Luft machen wollen. Denn: Die Stadt plant, neben anderen Maßnahmen auch an den Betreuungskosten für Kinder zu schrauben, um ein Sechs-Millionen-Loch im Haushalt der CDU-regierten Stadt am Niederrhein zu stopfen.
"900 Euro mehr im Monat"
Patricia Schmitz, die sich im Elternrat ihres Kindergartens engagiert, hatte eher zufällig von den Plänen ihrer Stadt erfahren. In einer Ratsitzung vor Weihnachten wurde dort festgelegt, dass man dem klammen Haushalt unter anderem mit erhöhlten Elternbeiträgen aus Kita und Offener Ganztagsschule beikommen wolle. Um an das Geld zu kommen, will man künftig den so genannten Geschwisterbonus wegfallen lassen. Der sah bisher vor, dass für die Betreuung von Geschwisterkindern keine zusätzlichen Gebühren erhoben werden. Fällt der Geschwisterbonus weg, kann es für Eltern mit mehreren Kindern teuer werden. "Wir haben eine vierfache Mutter in unseren Reihen, die müsste nach der Neuregelung 900 Euro mehr im Monat zahlen", so Patricia Schmitz.
Eltern stellen Bürgeranträge
"Wir wollen Bewegung in die politische Entscheidung bringen", sagt Günter Rönz, selbst zweifacher Vater aus Willich, der innerhalb weniger Tagen zum Sprecher der Protestbewegung geworden ist. Viel Zeit bleibt den Eltern dabei nicht mehr. "Schon am 21. Februar 2013 will der Stadtrat den Wegfall des Geschwisterbonus beschließen. Es geht dort also gar nicht mehr um das "Ob", sondern nur noch um das "Wie", ärgert sich Rönz. Um das Thema inhaltlich noch einmal auf die Tagesordnung im Rat zu bringen, wollen Willicher Eltern am Mittwoch (06.02.2013) gleich mehrere Bürgeranträge stellen. "Wir wollen damit erreichen, dass die Sache noch einmal neu gedacht und auch kommuniziert wird." Auch die bedruckten T-Shirts für den Marsch zum Rathaus sind schon in Auftrag gegeben.
Für Rönz ist die geplante Erhöhung der Betreuungskosten ein Skandal. Es gäbe doch gesetzliche Vorgaben, dass Betreuungsplätze ausgebaut werden müssten und auch die Nachfrage an Plätzen in der Offenen Ganztagsschule steige. "In Willich könnte man glatt den Eindruck haben, die Stadt wolle die Nachfrage über den Preis drosseln. Betreuungsplätze gehören aber aufgestockt und nicht gedrosselt."
CDU: "Wir wollen an das Thema noch mal ran"
Während die Eltern in Willich befürchten, dass der Beschluss bei der kommenden Ratssitzung nur noch reine Formsache ist, klingt das bei der CDU-Fraktion in Willich ganz anders. "Wir haben zwar die Pflicht, den Haushalt auszugleichen, aber bislang ist das nur ein Verwaltungsvorschlag", erklärt Dieter Lambertz. CDU-Mann Lambertz ist auch Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, der dem Vorschlag bei der letzten Sitzung zugestimmt hatte. "Wir haben die Stadtverwaltung aber auch gebeten, alternative Konzepte vorzulegen."
Auch der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Bäumges nimmt den Elternprotest ernst. "Wir haben die Ansprache der Bürger wahrgenommen und wollen an das Thema noch mal ran", so das Ratsmitglied. Am 18. Februar wolle man sich dazu auch mit den Bürgern zusammensetzen.
Erst reden und dann entscheiden, das wollen auch die Willicher Eltern. "Vielleicht kommt man ja noch auf andere Ideen," so Günter Rönz. Sollte der Rat am Ende doch die Erhöhung der Kitakosten beschließen, wollen die Eltern aber nicht aufgeben. "Wir werden das weiterkochen. Es gibt ja auch noch juristische Ansätze."
Stand: 06.02.2013, 06.00 Uhr
- Schwerpunkt: Kinderbetreuung in NRW
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Kommentare zum Thema (23)
letzter Kommentar: 10.02.2013, 11:33 Uhr
- Ralph Peter schrieb am 10.02.2013, 11:33 Uhr:
- Na endlich geht es den unverhältnismäßigen Subventionen von von Eltern an die Substanz. Wer Kinder in die Welt setzt sollte sich auch um die Finanzierung der Betreuung kümmern können! Es ist NICHT Aufgabe der Länder und Kommunen Menschen nur wegen einer "Elterneigenschaft" finanziell übermäßig zu subventionieren bzw. schadlos zu halten. Schlimm genug das Menschen ohne Elterneigenschaft gezwungen werden höhere Beiträge z.B. die Pflegeversicherung zu zahlen ect. Ich habe kein Interesse daran für fremde Kinder mir fremder Menschen auch noch zur Kasse gezwungen zu werden bzw. auf kommunale Leistungen, Straßenreparaturen, Kulturförderung, Erhalt von Freizeitinfrastruktur wie Parks und Schwimmbäder usw., zu Gunsten dieser mittelstands Eltern zu verzichten. Es wird höchste Zeit das hier der Rotstift angesetzt wird! Liebe Stadt Willich, zieht das durch!
- Einschläge auf der Insel der Seeligen schrieb am 08.02.2013, 15:24 Uhr:
- Da staune ich nicht schlecht, mitten im Spiessertraum -große Autos, eigenes Haus mit Garten, Arbeiten in der Stadt, Wohlstand - ziehen dunkle Wolken auf. Wer finanziell in der Lage ist 900 Euro im Monat mehr zu bezahlen, der verfügt sicherlich über ein Spitzeneinkommen, da verstehe ich das gejammere nicht. Die Städte sind schon längst Pleite, jetzt frißt sich das halt weiter durch die Provinz. Mal sehen, welche Vorschläge zur Haushaltsentlastung folgen werden ... Mit dem Thema Kinder und Familie hat das wenig bis gar nichts zu tun, leere Kassen heißt das Thema.
- Eine Mutter von drei Kindern schrieb am 08.02.2013, 11:04 Uhr:
- Die beste Betreuung für Kinder findet, bis auf Ausnahmen in sozial sehr schwachen und bildungsfernen Familien, immer noch im Elternhaus statt! Deshalb ist ein anständiges Betreuungsgeld für Eltern viel wichtiger als Kitas. Wir erleben zur Zeit eine fatale Ideologie in der Kinderbetreuung die unseren Kindern, unter dem Strich, mehr schadet als nützt. Wer Kinder in die Welt setzt sollte sich nicht damit beschäftigen seine Kinder möglichst schnell in staatl. Einrichtungen zu parken um fix wieder beruftätig zu sein sondern sich anständig um die Kinder kümmern. Wer mehr Karriere und Geldgeil ist sollte auf Kinder verzichten.
- @sechserpaschb schrieb am 06.02.2013, 15:35 Uhr:
- Schoen das ihr es so hinbekommen habt.Allerdings wer kann sich heutzutage noch "euer Modell"leisten?"Wir als Gesellschaft"brauchen die Frauen als Arbeitskraefte und gleichzeitig ein fruehes Training der Kinder(Sozial und Intelligenz-selbsterstaendlich nicht verschult,sondern Spielerisch)-wozu die meissten Eltern nicht in der Lage sind.Sehe ich heutzutage an jeder Ecke-die ueberforderten Wunschmuetter die mit den natuerlichen Reaktionen ihrer Kinder nicht klarkommen-weil die erfahrenen Gross.u.Urgrossmuetter fehlen.Stattdessen hirnerweichende Ratgeber gelesen.Anschlliessend dann noch ADHS diagnostizieren lassen damit dann das Kind per Ritalin endlich ruhig gestellt werden kann.
- sechserpaschb schrieb am 06.02.2013, 14:46 Uhr:
- Nein, dank zweier Umzüge und 4 Kindern haben wir drei Kigas aus Elternsicht erfahren. Und zwei Kinder haben Kitas aus Erziehersicht erlebt. Es gibt bestimmt viele Erzieherinnen, die ihr bestes geben. Das stelle ich nicht in Frage. Nur zu glauben, dass eine Ganztagsbetreuung von Kindern in einer Kita besser sein soll als die früher übliche mit Kiga am Vormittag und nachmittags zu Hause, zweifel ich angesichts des Schlüssels Erzieherin zu Kind an. Da unsere Kinder älter sind, haben sie uns bestätigt, dass sie es als schön empfunden haben, dass ihre Mutter nachmittags zu Hause war, weil es ihne Geborgenheit gegeben hat. Gut, wir haben nie Pauschalreisen in die weite Welt machen können, na und. Es gibt andere Werte, die mehr zählen als Luxus oder Selbstverwirklichung im Beruf.
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