Entscheidung im Duisburger Kirchenstreit: Kirchen gerettet - einstweilen
Die Entscheidung im Streit um die geplante Schließung von vier Kirchen in Duisburg-Hamborn ist gefallen: Eine wird sofort geschlossen, drei weitere bleiben offen - zumindest bis auf weiteres. Die Gemeindemitglieder, die gegen die Pläne protestiert hatten, werteten das am Samstag (21.01.2012) als Erfolg.

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Auch die Heilige Barbara wurde angerufen
Am Samstagnachmittag (21.01.2012) wurde das Bischofswort offiziell verlesen, in dem Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck seine Entscheidung festgehalten hat: Sankt Konrad wird kurzfristig geschlossen, Sankt Barbara im Jahr 2015. Die Kirche Sankt Peter, die in unmittelbarer Nähe der Merkez-Moschee liegt und in der eine große polnisch-sprachige Gemeinde für gut besuchte Gottesdienste sorgt, bleibt offen und wird mit einem sozial-pastoralen Konzept weitergeführt, was zum Beispiel bedeutet, dass die Caritas von dort aus arbeitet. Die Sankt Norbert wird mit Sankt Johann fusioniert und darf über 2015 weiter bestehen, soweit es die finanziellen Mittel zulassen. Alle Kindergärten, so hieß es weiter, sollen geöffnet bleiben.
"Wir sind positiv beeindruckt"
Bei vielen werde seine Entscheidung "Betroffenheit und Trauer auslösen", schrieb Overbeck in einem Brief an die Gläubigen, der am Sonntag (22.01.2012) in den Kirchen verlesen werden sollte. Es habe aber keine tragfähige Alternative gegeben. Angelika Hoffmann, ehrenamtliche Gemeinderatsvorsitzende der Gemeinde Sankt Barbara, war trotzdem zufrieden: "Wir sind mit unseren Forderungen durchgedrungen", sagt sie im Gespräch mit WDR.de. Sie ist davon überzeugt, dass das ohne den massiven Protest der Duisburger Katholiken nicht der Fall gewesen wäre. "Wir sind positiv beeindruckt." Dass gerade "ihre" Kirche in drei Jahren doch geschlossen wird, betrübt sie natürlich. "Aber wir werden versuchen, noch einiges auf den Weg zu bringen und den Übergang fließend zu gestalten. Das wird uns auch noch gelingen."
Gebete, Petitionen und Kirchenbesetzung

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Aufschub für St. Barbara
Was mit Sankt Konrad passiert, der Kirche, die noch in diesem Jahr geschlossen werden soll, weiß Hoffmann nicht. "Ich glaube nicht, dass sie abgerissen wird." Genau das ist anderen Kirchen im Bistum schon passiert; andere wurden umgewidmet oder stehen seit Jahren leer. Grund ist ein Kurswechsel, den das Bistum schon vor Jahren vollzog, weil es weniger Bedarf, weniger Steuereinnahmen und weniger Priester gibt. Die beiden Pfarreien Sankt Johann und Sankt Norbert zum Beispiel zählen heute nur noch 25.000 Gemeindemitglieder - Ende der fünfziger Jahre waren es fast dreimal so viel. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Gottesdienstbesucher um 87 Prozent, die der Taufen um 83 Prozent. Aber als das "Zukunftskonzept" des Bistums auch in Duisburg-Hamborn zum Zuge kommen sollte, liefen die Gemeindemitglieder Sturm: Sie reichten Petitionen ein, beteten gemeinsam für den Erhalt und besetzten sogar Sankt Barbara, eine der von der Schließung bedrohten Kirchen. Von weiteren Protesten, die Hoffmann vor der Bekanntmachung für den Fall androhte, dass vier Kirchen handstreichartig ausgelöscht würden, ist nun keine Rede mehr. Was die übrigen Gemeindemitglieder von der Entscheidung halten, wird sich zeigen: Exemplare des Bischofsworts wurden gestern in den Kirchen ausgelegt, rechtzeitig zur Vorabendmesse.
Stand: 22.01.2012, 10.21 Uhr
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