Kind ohne Ticket aus Bus gewiesen Aufgelöst und durchgefroren

Ein elfjähriges Mädchen musste in Bottrop aus dem Bus aussteigen, weil es kein Ticket hatte. Eine knappe Stunde musste die Schülerin durch die Kälte zu Fuß nach Hause gehen, sagt ihre Mutter. Und das, obwohl die 11-Jährige dem Fahrer selbst gesagt hatte, dass sie ihr Schokoticket vergessen habe.


Melanie Wien aus Bottrop schildert WDR.de den Fall, der sich am Mittwoch vergangener Woche (16.01.2013) ereignete: Ihre Tochter Melina wollte nach der Schule mit dem Bus nach Hause fahren, merkte jedoch, dass sie ihre Monatskarte, das sogenannte Schokoticket, vergessen hat. Ehrlich sagte sie dem Busfahrer Bescheid. "Der sagte dann nur: 'Dann kannst du wieder aussteigen und nach Hause laufen.'" Melanie sah ihre Freundinnen im Bus davonfahren und trat zu Fuß den Heimweg durch Schnee und Kälte an. "Sie kam völlig aufgelöst und durchgefroren hier an", schildert ihre Mutter. Dabei hätte man den Kindern, als in der Schule Werbung für das Schokoticket gemacht worden sei, genau das empfohlen: "Sagt dem Busfahrer Bescheid, das ist kein Problem."

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Beschwerde der Mutter bei der Hotline

Unmittelbar nach dem Vorfall beschwerte sich Melanie Wien bei der Hotline des Betreibers, der "Vestischen Straßenbahnen GmbH". Die Mitarbeiterin habe gleich gesagt, dass das Verhalten des Busfahrers nicht in Ordnung war, notierte sich die Kontaktdaten und stellte eine Reaktion des Unternehmens in Aussicht. Nach einer Woche vergeblichen Wartens auf eine Entschuldigung habe sie dann die Lokalzeitung angerufen. Bis heute warte sie auf eine Stellungnahme des Unternehmens. "Das kann ja immer mal vorkommen, das so was passiert", sagt Wien, "aber ich finde es auch für meine Tochter wichtig, dass sich das Unternehmen bei ihr entschuldigt." Und sie hätte gerne, dass der Busfahrer auf das Fehlverhalten hingewiesen wird und künftig anders handelt.

Dem Unternehmen tut der Vorfall leid

"Das tut uns sehr, sehr leid", sagte Norbert Konegen, Sprecher der Vestischen, auf Nachfrage von WDR.de. "Das ist nicht korrekt, Kinder unter 14 Jahren müssen auch ohne Ticket grundsätzlich befördert werden." Der betroffene Busfahrer gehöre zu einem im Auftrag der Vestischen fahrenden Subunternehmen. "Aber auch diese Fahrer werden von uns auf die Beförderungsbedingungen hingewiesen", so Konegen. "Wir entschuldigen uns in aller Form bei dem Kind und seinen Eltern, das hätte nicht passieren dürfen." Konegen kündigte an, dass sich das Unternehmen auch noch persönlich bei den Betroffenen entschuldigen werde. Zur Bearbeitung der Beschwerde gehöre aber auch die genaue Klärung des Sachverhalts und das dauere in der Regel acht Werktage.


Stand: 25.01.2013, 11.18 Uhr


Kommentare zum Thema (153)

letzter Kommentar: 29.01.2013, 01.22 Uhr

Michael S. aus Meerbusch schrieb am 29.01.2013, 01.22 Uhr:
Es ist echt Traurig,dass es einem Kind nicht mehr zugemutet wird mal etwas zu Laufen. Kein Wunder das es in Deutschland immer mehr Fettleibige Kinder gibt. Das der Steuerzahler überhaupt für eine Fahrkarte für 2 Kilometer aufkommen muß ist eine Unverschämtheit... "Deutschland schafft sich ab"
RechtsDaumenLinks schrieb am 28.01.2013, 10.48 Uhr:
Also fassen wir einmal zusammen. Eine junge weibliche Person, vergisst Ihre Fahrkarte zu hause. Auf der Fahrt zur Schule hin hat Sie diesen Umstand erstmal verschwiegen, während der Schulzeit war es Ihr leider unmöglich Ihre Mutter anzurufen oder es war nicht so wichtig da man Ihr ja zugesichert hatte "Vergessen" ist kein Problem(war es auch nicht da der Busfahrer dieses "nicht" Problem ja gleich gelöst hat). Nun gut, der Busfahrer hat Ihr die Mitfahrt verweigert, obwohl laut Betreiber Kinder unter 14 Jahren grundsätzlich mitgenommen werden müssen(woran man das erkennt ohne Ausweis ist mir schleierhaft und es würde mich wundern wenn die junge weibliche Person einen dabei gehabt hätte, evtl. durchsägen und die Ringe zählen?) Sie wurde also zu einem Spaziergang genötigt, am hellichten Tag, in einer belebten Innenstadt(man hört quasi die Wölfe in der Ferne heulen). Ach ja kalt war es auch noch(richtige Bekleidung hilft), sogar so kalt um trotz Bewegung völlig auszukühlen. Grausame Welt...
Jonas schrieb am 27.01.2013, 17.50 Uhr:
@Ranulf: Wenn man auch den WAZ-Blog liest und den Hinweisen dort nachgeht, weiß man, dass das Kind im Judoverein ist. Rätselhaft ist wohl wieso das Mädchen für 2 km Weg angeblich eine Stunde gebraucht hat. Es handelt sich wohl um eine bunt ausgeschmückte Story, um Aufmerksamkeit zu erregen. Natürlich hat der Busfahrer sich nicht korrekt verhalten, aber deswegen würde aus unserer Familie zumindest niemand einen medialen Aufstand initiieren. Das kann man auf dem kleinen (Dienst)Weg erledigt. Auch hätten sich unsere Kinder in ähnlicher Situation anders verhalten: Anrufen, Mitschüler um Hilfe bitten, Ticket kaufen,...- das gab es viele vernünftige Möglichkeiten. Vielleicht ist das auch ein Frage der Erziehung. Hoffentlich haben die Eltern das Mädchen zumindest auf die Folgen des Medienhypes vorbereitet. Kinder können grausam sein - das Mädchen erwarten morgen sicherlich nicht nur freundliche Reaktionen von Mitschülern...
Ranulf Kirschke schrieb am 27.01.2013, 17.13 Uhr:
Das Verhalten des Busfahrers war etwas ohne Fingerspitzengefühl. Aber: Wenn ein 11jähriges Kind von 1h Fußmarsch hundskaputt ist , so sollte man eine Anmeldung in einem Sportverein in Erwägung ziehen. Wenn das Gleiche Kind nach 1h Fußmarsch durchgefroren ist,so sollte man der Mutter mal erklären,daß Winter ist. Das der WDR so eine Geschichte im der AS bringt,zeigt doch, daß in NRW alles in Ordnung ist Einfach Lächerlich!!!
Angela schrieb am 27.01.2013, 14.09 Uhr:
Ich habe meinen Sohn (10 J.) zu dem Sachverhalt mal selbst befragt: Du hast dein Ticket nicht dabei, was nun? "Ich kann nicht mitfahren, ich habe ja kein Ticket!" Was hättest du getan? "Wenn ich Geld mit gehabt hätte, hätte ich eben einen Fahrschein kaufen müssen, vielleicht hätte mir auch ein Mitschüler das Geld leihen können. Oder aber ich wäre zur Schule zurück gelaufen, dort hätte ich auch um Hilfe bitten können. Aber ich glaube Mama, ich wäre einfach nach Hause gelaufen!" Es ist schon sehr traurig, mit was für Vorbildern viele Kinder heute groß werden... Mir ist bei der Erziehung meiner Kinder einiges sehr wichtig: Verantwortung, Toleranz, Selbstvertrauen etc. Auch ich nehme mich nicht aus, die Zeiten haben sich geändert und wir packen unsere Kinder oft zu sehr in Watte, bei einem Anruf hätte ich ihn abgeholt, ich hätte die Karte gebracht o.ä. Was ich aber als allerletztes gemacht hätte, wäre, dem Busfahrer die Schuld zuzusprechen, das sieht mein 10jähriger Sohn ein Glück auch so!

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