Neue alte Nummernschilder "WAT" und "WAN" wieder da

Elf Kommunen dürfen bald wieder ihre alten Autokennzeichen vergeben. Das Comeback der zumeist 1975 abgeschafften Aufschriften soll das Heimatgefühl stärken. Mehreren Städten bleibt eine Rückkehr zum traditionellen Nummernschild jedoch versagt.


Nach teils jahrelangen Diskussionen in einigen Städten und Gemeinden steht nun fest: In zunächst elf nordrhein-westfälischen Kommunen dürfen Autofahrer demnächst wieder mit althergebrachten Nummernschildern fahren. Ein Sprecher von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) bestätigte am Montag (23.07.2012) entsprechende Zeitungsberichte. Die Kommunen konnten ihre Anträge ans Land richten. Die Landesregierung bringt die Vorschläge nun beim Bund ein, der dazu eine Verordnung erlassen muss.

Wanne-Eickel wieder mit eigenem Schild

Die bisherigen Kennzeichen bleiben erhalten. Künftig dürfen Städte jedoch zusätzlich auch Nummernschilder mit Abkürzungen vergeben, die zumeist 1975 im Zuge der großen Gebietsreform abgeschafft worden waren. Lieferbar ist dann unter anderem wieder das Schild "WAT" für die Bürger in Bochum-Wattenscheid. Ebenfalls zurück: "BLB" (Berleburg), "CAS" (Castrop-Rauxel), "DIN" (Dinslaken), "GLA" (Gladbeck) "JÜL" (Jülich), "MO" (Moers), "LP" (Lippstadt), "LÜN" (Lünen), "WAN" (Wanne-Eickel) und "WIT" (Witten).

Dem Bund seien alle Kennzeichen, die wieder eingeführt werden sollen, gemeldet worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Hochsauerlandkreis habe noch um Fristverlängerung gebeten. Im Herbst muss lediglich noch der Bundesrat zustimmen, was aber als reine Formsache gilt. Frühestens im Oktober ist damit zu rechnen, dass die kostenpflichtigen Schilder bei den Kommunen bestellt werden können. "Die Wiedereinführung der alten Autokennzeichen ist eine preiswerte und bürgerfreundliche Form, das Heimatgefühl zu stärken", sagte Verkehrsminister Groschek.

Thema für Heimatvereine?

Die ganze Debatte um ein Revival der Kfz-Aufschriften scheint aber eher ein Steckenpferd von Traditionalisten und Lokalpolitikern zu sein. "Bei unserer Mitgliedschaft war das nie ein Thema, dass Leute eine Rückkehr zu alten Kennzeichen gefordert haben", sagte Ralf Collatz vom Automobilclub ADAC. "Das ist was für Heimatvereine."


Eine Reihe von Kommunen dürfen nicht zum alten Schild zurück. Vor allem in den Kreisen gab es oft Streit, weil Städte mit ihren Initiativen für ein eigenes Kennzeichen am Widerstand der anderen Mitgliedsgemeinden scheiterten. Insgesamt kamen landesweit 16 Vorschläge für ein eigenes Autokennzeichen nicht zum Zuge, weil die übergeordnete Instanz in den Kreisen oder Großstädten ihr Veto einlegte.

Streit über "Gemeinschaftsgefühl"

Im Frühjahr lehnte der Borkener Kreistag zum Beispiel den Wunsch seiner einwohnerstärksten Kommune Bocholt ab, neben dem Kreisschild "BOR" künftig wieder das in den 70er Jahren abgeschaffte "BOH" anzubieten. Bocholts Bürgermeister Peter Nebelo zeigte sich enttäuscht. Es sei doch nur "um ein kleines Anliegen der Bocholter Bürger" gegangen, "die sich ein Symbol zurück wünschen", sagte der SPD-Rathauschef der Stadt im Münsterland. Die Ablehnung sei "nicht nachvollziehbar". Die Mehrheit im Kreistag hatte argumentiert, das "Gemeinschaftsgefühl" in dem ländlichen Kreis sei nicht mit unterschiedlichen Autoschildern vereinbar.

Stichworte

Die NRW-Gebietsreform

Die kommunale Gebietsreform war zwischen 1965 und 1975 eines der umstrittensten politischen Vorhaben in Nordrhein-Westfalen. Das Land setzte gegen den erbitterten Widerstand etlicher Gemeinden eine Neuordnung der Kommunen durch. Durch die Eingemeindung zahlreicher Dörfer und Städte in größere Kommunen sollte die Verwaltung auf lokaler Ebene vereinfacht und modernisiert werden. Gegner beklagten eine Zerstörung teils jahrhundertealter Strukturen. Teile der Reform wurden vom NRW-Verfassungsgerichtshof gekippt.

Mit der Neuordnung verschwanden auch die alten Autokennzeichen vieler Städte und Gemeinden. In Nordrhein-Westfalen war somit von 1975 an für jeden Autofahrer der neue Verwaltungsbezirk, also die kreisfreie Stadt oder der jeweilige Landkreis maßgeblich. Aus" BOH" (Bocholt) wurde "BOR" (Borken) und aus "CAS" (Castrop-Rauxel) wurde "RE" (Recklinghausen).


Stand: 23.07.2012, 11.47 Uhr


Kommentare zum Thema (13)

letzter Kommentar: 24.07.2012, 23:41 Uhr

steuerzahler schrieb am 24.07.2012, 23:41 Uhr:
Wer keine Probleme hat der macht sich welche. Ist doch egal was man für ein Blechschild am Auto hat. Deswegen gehen die Kommunen auch nicht verantwortlicher mit den dem Bürger abgepressten Euronen um. Ein Nr.-Schild für immer wäre sinnvoller. Ist aber eine schöne Ablenkung zur Beerdigung unseres Wohlstandes wenn die "lieben" Griechen sich über unser Erspartes stürzen.
Stürmer schrieb am 23.07.2012, 20:55 Uhr:
Ach so, Heimatgefühle stärken. Gleichzeitig soll in Zukunft jedes Nummernschild bei einem Umzug in Deutschland bleiben dürfen. Ein Wanne-Eickeler mit Heimatgefühlen wenn er in München wohnt und sich dort als Wanne-Eickeler per PKW erklärt...Naja, jeder wie er möchte. Es gibt sicher Schlimmeres.
Anonym schrieb am 23.07.2012, 18:06 Uhr:
Ihr habt Sorgen - wegen einem Stück Blech....
Aua schrieb am 23.07.2012, 16:20 Uhr:
Mann das schmerzt!Kleinstaaterei vom feinsten!Es wird Zeit das dies Land auf 3 Bundeslaender reduziert wird-spart jede menge unterbeschaeftigte Politiker die vor lauter Langeweile haufenweise sinnlose Gesetze produzieren.
der_marc schrieb am 23.07.2012, 15:06 Uhr:
Meiner Meinung nach geht das genau in die falsche Richtung. Besser wäre es Kennzeichen zu vergeben, die das ganze Autoleben lang am Fahrzeug verbleiben - wie in anderen Staaten. Dann kann man sich beim Umzug die ganze Rennerei und einen Großteil der Kosten sparen. Aber dann würde ja unsere "Schilderindustrie" den Bach runter gehen. Wie krank muss man sein, dass man beim Blick auf ein KFZ-Kennzeichen "Heimatgefühle" entwickelt?

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