Karpfen in Verkaufstheke lebte noch: Totgesagte schwimmen länger
Er lag schon auf der Eisablage eines Fischhändlers auf dem Kamener Wochenmarkt. Dort befinden sich in der Regel nur Fische, die längst tot sind. Dieser Karpfen lebte aber. Gemerkt hat es Sonja L. – und weil die Lehrerin ein großes Herz hat, hat sie den Karpfen gerettet.

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Der gerettet Karpfen "Herr Effultus"
Mitten im Wohnzimmer steht ein kleines Aquarium. Darin schwimmt der Karpfen, immer noch etwas lädiert. Er hat aber auch ein heftiges Martyrium hinter sich. Gefangen wurde er wohl vor zwei Tagen, dann landete er auf der Eisablage eines Kamener Fischhändlers. Da hätte er längst tot sein sollen. Sonja L. wollte an genau diesem Fischstand für ihren jüngsten Sohn ein Fischbrötchen kaufen. Ihr Auge fällt auf die Auslage mit den frischen Karpfen. Und eben den einen, der besonders frisch war, denn der Karpfen bewegt noch die Kiemen. "Ich habe mich zu Tode erschrocken", erinnert sich die Lehrerin, "weil ich nicht damit gerechnet habe einen lebenden Fisch anzutreffen. Ich habe dann auch gesagt: Der bewegt sich ja noch, hauen sie dem doch mal eins drüber! Das wollten die Verkäuferinnen dann aber nicht."
Der Karpfen wird mit nach Hause genommen
Weil sich niemand in der Lage sieht, das Tier an Ort und Stelle zu erlösen, entschließt sich die Kamenerin, den Karpfen mit nach Hause zu nehmen. "Ich hab denen gesagt, dass ich auf keinen Fall friedlich Weihnachten feiern kann, wenn ich den Fisch hier so zurücklasse." Sie bezahlt den Fisch und setzt ihn zuhause in das Aquarium. Da kommt die nächste Überraschung. Der Karpfen hat Schlagseite! "Das kommt wohl davon, dass der so lange auf Eis gelegen hat", glaubt die Lehrerin. "Der war einseitig gefroren, und wenn er getaucht ist, hat er sich immer zur Seite gedreht. Darum verpasst die Familie dem Tier den Namen "Herr Effultus" – lateinisch für liegend.
Der Fisch darf in den Gartenteich
Am nächsten Tag war der Fisch dann aber wieder komplett aufgetaut. Und erfreut sich seitdem bester Gesundheit. Das soll sich nach dem Willen der Familie auch nicht mehr ändern. Herr Effultus soll sich jetzt erst einmal im kleinen Gartenteich erholen. Im nächsten Jahr wollen sie ihn dann in einem großen Teich aussetzen, wo der gerette Fisch hoffentlich bis zu seinem natürlichen Tode verbleiben kann. Das könnte noch eine Weile dauern, denn Karpfen können über fünfzig Jahre alt werden.
Stand: 21.12.2012, 13.51 Uhr
Kommentare zum Thema (27)
letzter Kommentar: 24.12.2012, 14:28 Uhr
- Ewald schrieb am 24.12.2012, 14:28 Uhr:
- @Thomweb: Der selbstgeschlachtete Weihnachtsbraten, Karnickel, Ente, Gans oder auch ein Reh. dafür muß dann allerdings der Jäger kommen um es aus der Herde zu schießen, schmeckt immer noch am besten, man weiß genau wo das Fleisch herkommt und geht mit mehr Respekt an die Zubereitung und den anschl. Genuss. Das töten von Tieren zum Verzehr ist ein ganz natürlicher Vorgang und fast so alt wie die Menschheit! Ich halte es für wichtig und richtig dies auch unseren Kindern und Enkeln zu vermitteln. Das gehört einfach zum natürlichen Leben dazu!
- Rhodan schrieb am 24.12.2012, 13:39 Uhr:
- @Thomweb: Da ist schon was dran. Man (ich) ist geneigt, sich auf das Fleisch zu freuen und den Gedanken an das dahintergestorbene Tier auszuschließen. Die Geschichte dieses Karpfens führt uns den Individualismus innnerhalb eines gedankenlosen Massenverzehrs vor.
- Thomweb schrieb am 24.12.2012, 12:52 Uhr:
- Ich sehe mir ungefähr einmal im Monat SAT1 an. Dort lief letztens eine Folge von Knallerfrauen mit Martina Hill, der besseren Katzenberger. Hill spielte eine Mutter, deren Sohn zum Essen unbedingt ein Stück Fleisch haben will. Also fährt sie mit ihm zu einer Weide, auf der Rinder grasen. Drückt ihm ein Messer in die Hand und sagt ihm, er solle sich doch ein Stück holen. So ist es richtig! Wer unbedingt jeden Tag Fleisch auf den Teller haben will, sollte selbst in einen Schlachthof gehen und dort Tiere umbringen. Ich selbst hatte vor fünf Jahren das Vergnügen auf dem Bauernhof meiner Familie in Georgien, einer Ziege am Abend den Huf zu schütteln. Am nächsten Tag habe ich geholfen, sie auszuweiden. Sie war sehr lecker. Man hat dann immer im Gewissen, welches Tier man da gerade isst. Ich selbst halte es mit dem Fleisch mittlerweile wie im Mittelalter: Braten kommt nur am Wochenende auf den Tisch.
- Herbert Kaiser schrieb am 23.12.2012, 13:35 Uhr:
- Das hier ist eine schöne Weihnachtsgeschichte derart, wie wir sie als Kinder gerne gehört haben und wie sie Kinder heute immer noch gerne hören. Schade, dass die Fleischesser-Fraktion das wieder mal zum Anlass nimmt, ihrem Hass auf alles, was anders oder auch nur ansatzweise "öko" ist, und möglicherweise nach "Nachdenken" aussieht, freien Lauf zu lassen. Hoffentlich sind das nicht diesselben Leute, die sonst die Verrohung der Gesellschaft und den Verlust von Werten beklagen; und gleichzeitig beim Anblick eines Lebewesens sofort und nur an "fressen" bzw. "Mahlzeit" denken (mindestens zweimal hier belegt). Aber, Iguana, es ist auch keine Veganer- oder Vegetarier-Geschichte (bei aller Sympathie), denn es ging ja zunächst um "Fischbrötchen", und der erste Vorschlag war, den noch lebenden Fisch totzuschlagen. Dennoch: Es ist eine herzerwärmende Geschichte um Mitleid, Erbarmen und Gnade, und das ist es, was die Engel zur Heiligen Nacht verkünden. Frohe Weihnachten!
- WDR.de schrieb am 23.12.2012, 13:46 Uhr:
- @Lecker schmecker - Kommentar wurde entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema des Artikels bei.
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