Semesterbeginn an den Unis: Per Laptop auf der Suche nach der Traum-WG
Zehntausende Studenten suchen in NRW zum Semesterbeginn händeringend ein WG-Zimmer. Dabei können Online-Portale helfen. Aber kann die Suche im Netz den persönlichen Eindruck vor Ort wirklich ersetzen? Jurastudent Max Dogs hat versucht, so seine Traum-WG in Köln zu finden.

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Max war auf Wohnungssuche in Köln
Eingeschrieben ist er schon. Mitte Oktober startet sein Jura-Studium in Köln, jetzt steht für Max Dogs die Suche nach der passenden Bleibe an. Dabei schaut Max, wie wohl mittlerweile die meisten anderen Erstsemester auch, weitestgehend im Internet. Portale, die sich gezielt an Studenten und Auszubildende richten – also eher an Zimmersuchende und weniger an Wohnungssuchende – boomen seit einigen Jahren. Im Vergleich zum schwarzen Brett erleichtert das Netz die Suche ungemein. Vor allem aus der Entfernung. Wer sucht, muss heute eigentlich nicht mehr vor Ort, sondern nur online sein: Gibt man bei Google den Begriff "WG-Suche" ein, finden sich zahlreiche Dienste, die bei der Wohnraumsuche unterstützen.
Auch Max hat seine Suchanzeige bei solchen Portalen geschaltet. Praktisch sind sie vor allem, weil jeder Nutzer die Angebote filtern kann - etwa nach Größe, Lage und Anzahl der Mitbewohner. Max möchte mindestens 15 qm zur Verfügung haben und diese am liebsten in Uninähe. Außerdem könnten Fremdsprachen in einer WG ja auch von Vorteil sein, darum hat er angegeben, dass er neben Deutsch auch noch Englisch und Französisch spricht. Im Anzeigentext schreibt er außerdem, dass er sich "als unkomplizierten Mitbewohner" einschätzt und - ein wichtiger Punkt - "kein Problem mit Geschirrabwaschen" hat.
Musikrichtung und Sauberkeit
Manche Dienste gehen noch einen Schritt weiter und bieten die Möglichkeit, ein Profil anzulegen und persönliche Gemeinsamkeiten per Mausklick abzugleichen. Felix Klenk, Mitgründer einer seit Herbst 2011 existierenden Plattform, sagt: "Das ständige persönliche Abklappern von WGs kostet ja viel Zeit und Geld – und nicht zuletzt Nerven. Darum wollten wir das vereinfachen. Und die persönliche Ebene ist unserer Meinung nach das Wichtigste dabei."

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WG-Suche klassisch...
So kann der Nutzer nach Kriterien wie Musikgeschmack und Kleidungsstil filtern. Jeder kann auf einer Skala seinen "Reinlichkeitsgrad" von Eins bis Zehn einschätzen und angeben, wie lange er oder sie morgens im Bad braucht. Diese speziellen Angaben seien aber freiwillig, sagt Klenk mit einem Augenzwinkern.
Besichtigung aus 600 km Entfernung
Viele Suchportale bieten auch die Möglichkeit, Videos einzubauen, in denen man sich als Bewerber den Mitbewohnern schon mal vorstellen kann oder als Anbieter das entsprechende Zimmer und einen Rundgang durch die Wohnung zeigen kann. Ein hilfreicher Service, wenn – wie bei Max – mehrere hundert Kilometer zwischen altem und neuem Wohnort liegen.
Auch Max hat schon eine Wohnungsbesichtigung vom Laptop aus gemacht. Das Zimmer und die Wohnung gefielen ihm. Mit dem Mitbewohner, der das Zimmer untervermieten wollte, verstand sich Max im Gespräch per Videotelefonie auf Anhieb. Ganz billig war das Zimmer zwar nicht, aber es lag immerhin noch knapp unter seiner Obergrenze von 350 Euro Warmmiete.
Zur Unterschrift nach Köln
"Dennoch", sagt Max, "würde ich keinen Mietvertrag einfach so - nur übers Internet - abschließen. Unüberwindbar ist die Entfernung ja nun auch wieder nicht." Diese Einstellung hat ihn letztendlich auch dazu gebracht, das Zimmer doch nicht zu nehmen. Denn als Max dann in Köln war, um persönlich alles unter Dach und Fach zu bringen, fiel dem Mitbewohner plötzlich ein, welche Kosten Max noch übernehmen sollte.

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...und WG-Suche online
"Ein Abschlag für die neu gekaufte Küche war ja noch okay. Aber die Nebenkosten waren plötzlich doch viel höher als vorher besprochen." Insgesamt hätte Max für das kleine WG-Zimmer dann doch 440 Euro Miete zahlen müssen. "Und das", sagt er empört, "übersteigt nun wirklich mein Budget".
Mit neuen Freunden WG gegründet
Am Ende hatte Max doch die meisten Besichtigungstermine vor Ort, er hatte sich dafür extra im Hostel eingemietet. Rund 20 Zimmer und Wohnungen, schätzt Max, hat er gesehen. Bei einigen war es eigentlich "total sinnlos", sagt er, weil er sich auch mal mit 30 anderen Interessenten einen Termin teilen musste. Der Ansturm auf Wohnungen und WG-Zimmer in den Städten ist groß. "Langsam nervt's", fasst Max nach zwei Wochen seine mühsame Suche zusammen.
Am Ende hat es aber doch noch geklappt. Er hat sich mit zwei "Leidensgenossen" zusammen getan, die er bei Besichtigungen kennen gelernt hatte. Die Wellenlänge stimmte, also beschlossen die drei, einfach eine eigene WG zu gründen. Die Suche nach Wohnungen war zwar auch nicht viel leichter als die nach einem einzelnen Zimmer - aber gemeinsam findet man vielleicht auch mehr Angebote, als wenn man alleine guckt, dachten sie sich. Fündig geworden sind sie im Netz, danach stand aber die klassische Besichtigung an.
Max' Fazit: "Grundsätzlich ist es nicht schlecht, sich die Wohnung vielleicht per Video oder auf Fotos anzugucken. Aber ich hätte kein gutes Gefühl, sofort alles fest zu machen, ohne einmal da gewesen zu sein." Und seine Reise hat sich ja auch deshalb schon gelohnt, weil er neue Leute kennen gelernt hat, mit denen er nun zum Wintersemester zusammenzieht.
Stand: 04.10.2012, 00.00 Uhr
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