Kölner kocht für Obama Der Geheimdienst macht die Kisten auf

Bill Clinton ist Genießer, Georg W. Bush trinkt nur spezielle Milch und Barack Obama macht Abstecher in die Küche - der Exil-Kölner Horst Klein bekocht seit Jahren die Präsidenten Amerikas. Auch bei der Amtseinführung Obamas (21.01.2013) liefert Klein das Lunch-Menü.


Gedeckter Saal
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So gedeckt waren die Tische bei der ersten Amtseinführung Obamas

Horst Klein ist in Köln-Mülheim aufgewachsen. Zuerst kochte er im "Dom Hotel", dann in Frankreich, der Schweiz, Schweden und auf den Bahamas. 1971 landete er in den Staaten, wo er eigentlich nur zwei Jahre bleiben wollte. In einem Vorort von Washington gründete er mit zwei Partnern eine Cateringfirma. Der 69-Jährige beliefert Geschäftsleute, Politiker und Staatsoberhäupter. Bereits zum siebten Mal in Folge richtet sein Unternehmen das Festmahl bei der Amtseinführung, der Inauguration, eines US-Präsidenten aus.

WDR.de: Herr Klein, was ist die Lieblingsspeise von Barack Obama?

Horst Klein: Da muss ich passen. Das weiß ich leider nicht.

WDR.de: Aber Sie kochen doch nach seiner Vereidigung im Kapitol für den Präsidenten. Warum wissen Sie das nicht?


Porträt Host Klein
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Exil-Kölner und echter Rheinländer: Horst Klein

Klein: Der Präsident isst nur äußerst selten etwas, wenn er zu Festmahlen außerhalb des Weißen Hauses eingeladen ist. Häufig bleibt er nur eine halbe Stunde. Die vorherigen Präsidenten haben meistens gegessen, wenn sie irgendwo eingeladen waren. Bill Clinton zum Beispiel war ein echter Genießer. George W. Bush hatte viele Extrawünsche. Das fing mit einem speziellen Kaffee und spezieller Milch an. Wenn wir das Catering gemacht haben, mussten meine Leute das immer besorgen. Aber wenn Obama speist, dann geht er später in die Küche und bedankt sich bei dem Personal.

WDR.de: Was für ein Menü tischen Sie denn bei dem Festmahl auf? 


Bisonfilet und Gemüse
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Der Hauptgang: Bisonfilet mit Heidelbeersoße und frischem Gemüse

Klein: Das Menü hat etwas von der Würze des Landes - "A Taste of America": Als Vorspeise servieren wir Hummer. Die Soße dazu ist aus Muscheln. Als Hauptgang gibt es Bisonfilet mit frischem Gemüse und zum Nachtisch Apfelkuchen. Die Äpfel wurden mit Honig gekocht. Das alles erinnert an den Pioniergeist Amerikas. Solche Speisen haben schon die frühen Einwanderer im US-Staat New York gegessen. Damals wurden sie natürlich anders vorbereitet. Vor vier Jahren waren die Gerichte angelehnt an die Zeit von Präsident Lincoln, dessen 200. Geburtstag damals gefeiert wurde. Präsident Obama hat alles aufgegessen. Bei diesem Inaugurations-Mal ist übrigens erstmals alles "bio", so wie die First Lady, Michelle Obama, es mag.   

WDR.de: Hat denn die First Lady bei der Wahl des Menüs mitgemischt?


Barack Obama und die First Lady Michelle Obama auf dem Weg ins Weiße Haus (20.01.2009)
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Die Obamas: Michelle legt Wert auf bio

Klein. Nein, Mrs. Obama hält zwar im Weißen Haus die Fäden weitestgehend in der Hand, was das Essen betrifft. Aber nicht außerhalb. Das Inauguration-Festmahl wurde von einem 14-köpfigen Komitee ausgesucht, das unter anderem aus Kongressmitarbeitern besteht. Unsere Vorbereitungen für die 248 Gäste laufen bereits seit August, nachdem wir wieder den Zuschlag erhalten haben.

WDR.de: Mit wem sitzt der Präsident am Tisch?

Klein: Mit seiner Frau natürlich. Und acht anderen Gästen. Aber ich darf nicht verraten, um wen es sich handelt.

WDR.de: Im alten Rom gab es Vorkoster, die geprüft haben, ob das Essen schmackhaft oder womöglich sogar vergiftet war. Wie stellt man sicher, dass die Mahlzeit des US-Präsidenten absolut in Ordnung ist?

Klein: Schon seit Freitag waren bei uns drei Leute vom Secret Service. Die haben meinen Angestellten ganz genau über die Schulter geschaut, als wir vorgekocht haben. Überhaupt sind alle aus der Firma, bei der Inauguration sind 150 im Einsatz, in den Monaten zuvor durchleuchtet worden. Diese Sicherheitsüberprüfung war ein Riesenaufwand.

WDR.de: Wird die Mahlzeit für Barack Obama extra gekennzeichnet?


Barack Obama bei seiner Rede zur Amtseinführung am 20.01.2009
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Barack Obama bekommt speziell verpacktes Essen

Klein: Ja. Der Präsident bekommt zwar genau das gleiche Menü wie alle anderen Gäste. Aber seine Portionen werden speziell abgepackt, in Kisten verschlossen und am Montagvormittag im Kapitol von denselben Geheimdienst-Leuten wieder aufgeschlossen. Das ist die gleiche Prozedur wie bei den früheren Präsidenten.

WDR.de: Sie haben auch schon die Bundeskanzlerin Merkel und Queen Elizabeth bewirtet …

Klein: … es gibt kein Staatsoberhaupt, das wir nicht bekocht haben. Queen Elizabeth hat mich vor Jahren für eine eigene Veranstaltung gebucht, weil es ihr so gut geschmeckt hat.

WDR.de: Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken, gibt es da etwas, was Sie anders machen würden?

Klein: Nein, ganz bestimmt nicht. Ich würde alles ganz genau so machen.

Das Gespräch führte Lisa von Prondzinski.

Gelassen...
Lisa von Prondzinski

... und sehr angenehm ist Horst Klein im Gespräch. Auch Humor hat er. Den sagt man ja den Rheinländern nach. Insofern ist der Promi-Koch seiner Heimat treu geblieben - auch nach über 40 Jahren in den Staaten.

Stichworte

Inauguration

Die Amtseinführung des US-Präsidenten wird als Inauguration (lat. Vorzeichen) bezeichnet. Der Wortlaut des Eides, den der Präsident ablegt, ist in der amerikanischen Verfassung festgelegt: "Ich schwöre (oder gelobe) feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich verwalten und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften erhalten, schützen und verteidigen werde".

Traditionell wird die Inauguration am 20. Januar begangen. Weil der 20. dieses Mal aber auf einen Sonntag fällt, wurden die großen Feierlichkeiten auf Montag (21.01.2013) verlegt. Die Zeremonie findet seit 1801 vor dem Kapitol in Washington statt. In seiner Rede reißt der Präsident die Themen an, die er in den nächsten Jahren anpacken will. Vor vier Jahren, als Obama als erster schwarzer Präsident ins Weiße Haus zog, kamen Millionen Menschen zu den Feierlichkeiten nach Washington.


Stand: 20.01.2013, 00.00 Uhr