Kein Gebührenerlass bei Blitz-Studium Prozess: Turbo-Student muss zahlen

Der Arnsberger Marcel Pohl hat in der Rekordzeit von 20 Monaten sein Studium absolviert. Danach hat der 22-Jährige keine Gebühren mehr an die private Uni gezahlt - zu Unrecht, meint die Hochschule. Das Amtsgericht gab ihr Recht.

Marcel Pohl vor dem Landgereicht in Arnsberg Video Turbo-Student an Privatuni muss Studiengebühren komplett zahlen (01:47 Min.) WDR aktuell vom 18.07.2012

Turbo-Student an Privatuni muss Studiengebühren komplett zahlen

Am Mittwochvormittag (18.07.2012) entschied das Amtsgericht Arnsberg dass der Student die volle Summe zahlen muss. Marcel Pohl hatte argumentiert, dass er nach einem vorzeitig erreichten Studienabschluss das gleiche Recht haben müsse wie ein Studienabbrecher, der den Vertrag mit der Privatuni auch kündigen könne. Das sahen die Richter jedoch anders: Im Gegensatz zu einem Abbrecher habe der Beklagte ja die für einen Abschluss notwendigen Leistungen der Fachhochschule in Anspruch genommen. Nur durch die Nutzung mehrerer Standorte sei ein so früher Abschluss möglich gewesen. Entscheidend für das Gericht war auch, dass in dem Vertrag zwischen dem Studenten und der Fachhochschule nicht explizit von "Semestergebühren" die Rede gewesen sei. Stattdessen sei ein verbindlicher Gesamtpreis vereinbart worden. Der müsse nun gezahlt werden.

Der Trick des Turbo-Trios

Und mit diesem Verfahren, man könnte auch sagen Trick, schaffte der Arnsberger Marcel Pohl seinen Turbo-Abschluss an der privaten Hochschule für Ökonomie und Management: Als er in Dortmund sein Studium aufnahm, tüftelte der 22-Jährige gemeinsam mit zwei Kommilitonen einen ehrgeizigen Plan aus. Das Trio vereinbarte, sich das Studium quasi zu teilen - jeder besuchte nur ein Drittel der Veranstaltungen und informierte anschließend seine Mitstreiter über den Lernstoff. Anschließend reisten die drei quer durch die gesamte Republik, zu den insgesamt 21 Standorten der privaten Hochschule. Auf Grund ihrer Abstecher konnten sie in Blitzgeschwindigkeit die Studienmodule mitsamt der Prüfungen absolvieren. Das Resultat für Pohl: Der Abschluss eines Bachelor- und Masterstudiums in nur vier Semestern.

Ein Schreiben von der Hochschule

Nach dem erfolgreichen Abschluss kündigte Marcel Pohl den mit der Hochschule zu Anfang seines Studiums abgeschlossenen Vertrag und stellte die monatliche Überweisung der Studiengebühren von 395 Euro ein. Kurz darauf wurde der 22-Jährige von der Dortmunder Hochschule exmatrikuliert - Marcel Pohl ging davon, aus, dass Studium damit ad acta gelegt sei. Doch dann erhielt der frischgebackene Absolvent ein Schreiben von der Hochschule in Dortmund, mit der Aufforderung, die Gebühren zu zahlen. Zu Recht - wie nun das Amtsgericht Arnsberg entschieden hat.


Stand: 18.07.2012, 10.55 Uhr


Kommentare zum Thema (43)

letzter Kommentar: 23.07.2012, 13:10 Uhr

Die, mit Verstand schrieb am 23.07.2012, 13:10 Uhr:
Da lässt sich wohl ein wenig Neid bei einigen vermuten. So ein Schnell-Studium ist eine Ausnahme und deshalb auch so bemerkenswert. Ausserdem wird Pohl wohl auch bei der älteren Generation Anerkennung ernten. Natürlich fehlt jedem Studenten zu Beginn die nötige Praxis. Aber das ist normal und jeder Arbeitgeber wird sich um solche Talente, wie Pohl, Grünwald und Kopper prügeln. Ausserdem...nur einer der drei arbeitet ja nun in einem Unternehmen, die anderen beiden haben ja schließlich ihr eigenes gegründet. Vielleicht ist dieses Unternehmen ja auch für einige andere Eifersüchte eine gute Adresse: (Link entfernt) um vielleicht ansatzweise eine ähnliche Leistung vollbringen zu können. Alle Studenten sollten sie unterstützen, denn würde es einen selbst treffen, würde letztlich doch jeder anders denken. Unternehmer, die Deutschland dringend nötig hat. Jetzt vergrault sie nicht auch noch!!!!
Matthias schrieb am 20.07.2012, 16:38 Uhr:
interessant erscheint mir auch die Tätigkeit der beiden Kommilitonen Kopper und Grünwald: (Link entfernt) Angeboten wird u.a. Ghostwriting, interessant ...
Basti schrieb am 20.07.2012, 15:10 Uhr:
Ach herrlich.Was wird das Geschrei groß sein, wenn Herr Pohl in 3 Jahren mit 25 Lenzen durch ein deutsches Traditionsunternehmen schreitet und das von ihm erlernte in die Praxis umsetzt.Dann werden einige,welche sich hier für ihn stark gemacht haben sehen, wie ökonomisch ein 25 jähriger mit mitvierzigern umspringt. Gott bewahre uns vor derlei "Leistungsbewusstsein".
Zuviel heisse Luft schrieb am 19.07.2012, 14:03 Uhr:
Kann mir nicht vorstellen, dass die drei damit einen Meilenstein gesetzt haben und die FHO somit ein Monopolurteil erzielen wollte. Wenn studieren soooo einfach ist, warum haben dann nur drei so gehandelt? - Richtig, weil sie vor lauter Auswendiglernen nicht zum Vertragslesen kamen und der gemeine Student an sich alles ruhig angehen lässt und im günstigsten Fall auch weiß auf was er sich einlässt...
Anonym schrieb am 19.07.2012, 13:50 Uhr:
Wie heißen die Sonntagssprüche: Leistung in Deutschland lohnt sich!

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