Privatbahn HKX zieht Halbjahres-Bilanz "Kleiner Stachel im dicken DB-Pelz"

Von Marion Linnenbrink

Rund 150.000 Reisende haben auf der Strecke Hamburg - Köln seit Juli 2012 das Angebot des privaten Anbieters HKX genutzt. Mit günstigen Tickets und einem Musikevent wurde am Mittwoch (23.01.2013) Bilanz gezogen.


Anzeigetafel mit HKX 1802 am Kölner Hauptbahnhof

Jubiläumsfahrt, 12.01 Uhr ab Köln Hbf

Von Köln nach Hamburg für maximal 23 Euro und an jedem Halt musikalische Unterhaltung, das bot HKX am Mittwoch (23.01.2013) ab 12.01 Uhr seinen Kunden. Die Zeit hat Symbolwert: Der erste "HKX 1803" (HKX steht für Hamburg-Köln Express) startete genau sechs Monate zurvor zu seiner ersten Fahrt auf dieser Strecke.


Rheingold-Waggon von innen

Komfort mit Waggons aus den Siebzigern gab es nicht immer

700 Mal sind die Züge des privaten Bahnanbieters seit dem 23. Juli 2012 gefahren. 150.000 Reisende – so das Unternehmen – waren seitdem an Bord der teilweise nostalgischen Rheingold-Wagen aus den Siebzigern.

Bands an Bord

Um dem Halbjahres-Jubiläum ein bisschen mehr Pep zu geben, war HKX auf Pop gekommen. In Kooperation mit dem "c/o-pop"-Festival verwandelte sich der Zug um 12:01 Uhr in eine rollende Festivalbühne. Newcomer-Bands und Solokünstler wurden auf die Strecke geschickt. Sie spielten bei allen planmäßigen Halts in NRW, Niedersachsen und Hamburg. Immer 120 Sekunden und - wenn die Fahrgäste wollten - auch später im Abteil.

"Wachsende Fangemeinde"


Eva Kreienkamp
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Eva Kreienkamp freut sich über die ersten sechs Monate

HKX-Chefin Eva Kreienkamp zieht eine positive Bilanz nach sechs Monaten. "Wir hatten lediglich sechs Zugausfälle im Herbst und haben auch keine großen Verspätungen zu beklagen", erklärt die Geschäftsführerin des Unternehmens, das von deutschen und internationalen Investoren vor vier Jahren gegründet wurde.

Das Ziel damals wie heute: "Neue Zuggäste zu gewinnen", so Kreienkamp, "und das ist uns in der Startphase gelungen, wir verzeichnen eine wachsende Fangemeinde." So nutzten vor allem junge Leute das Angebot, ab 18 Euro ein Ticket für die Strecke Köln - Hamburg zu erwerben. "Die würden sonst vielleicht mit der Mitfahrzentrale reisen", erklärt die HKX-Geschäftsführerin weiter. "Außerdem haben wir einen relativ hohen Frauenanteil", sagt Kreienkamp.

Gerade zum Wochenende, wenn der Zug bis zu dreimal täglich die Strecke fährt, gebe es auch schon Stammkunden. "Das sind Wochenendpendler oder Menschen, die Verwandtschaft in der anderen Stadt haben, die sie dann günstig regelmäßig besuchen können", berichtet Kreienkamp.

Zu wenig Angebote


Junge Leute im HKX-Abteil

Vor allem junge Leute nutzen das Angebot

Für Thomas Jakobi ist das HKX-Angebot nicht so attraktiv. Der Musikjournalist pendelt regelmäßig zwischen den beiden Städten, vermisst aber mehr Zugverbindungen. "Ich bin nur einmal im August mit HKX gereist, aber das Angebot reicht mir leider nicht. Wenn ich reisen will, fährt nur die Deutsche Bahn", bedauert er.

Ein ähnliches Feedback bekommt das Unternehmen auch von anderen Reisenden. "Wir wollen dreimal täglich die Züge anbieten können und damit dann profitabler werden", erklärt die HKX-Chefin. Schließlich beliefen sich die Investitionen bis zum Start vor sechs Monaten auf 16 Millionen Euro.

DB beobachtet weiter


Der HKX-Zug im Kölner Hauptbahnhof
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Seit Juli 2012 ist der HKX 700 Mal gefahren

Die Deutsche Bahn AG, kurz DB, bislang Monopolist auf dieser Strecke, beobachtet das Angebot des Mitbewerbers genau. "Es ist nicht so, dass wir den Wettbewerb nicht ernst nehmen", erklärt eine Bahnsprecherin WDR.de. Aber eine spürbare Auswirkung des Konkurrenzangebots auf die eigene Auslastung in den Zügen sei nach so kurzer Zeit nicht festzustellen. "Derzeit steigt bei uns die Nachfrage, da viele bei dem Schnee auf den Zug wechseln", so die Bahnsprecherin weiter.

Fakt ist, dass seit dem Fahrplanwechsel im Dezember neue Intercity-Züge eingesetzt werden, also der Komfort auch gestiegen ist. Das hat auch der Fahrgastverband "Pro Bahn" festgestellt. Der Ehrenvorsitzende von "Pro Bahn", Karl-Peter Naumann, hat beobachtet, dass die Bahn vor allem mit günstigen Gruppentarifen reagiert, wenn parallel der HKX-Zug fährt.

"Pro Bahn": "Nettes Zusatzangebot"


"Wir finden es ein nettes Zusatzangebot für Bahnreisende, auch wenn der Komfort für die Reisenden manchmal etwas gelitten hat", erklärt Naumann weiter. So wurden auch schon mal Nahverkehrstriebwagen statt Rheingold-Wagen eingesetzt, "damit die Züge nicht ausfallen mussten." Insgesamt sieht er aber die Konkurrenz sehr positiv. "Dieser kleine Stachel im dicken Pelz der DB tut gut", findet der Vielfahrer.

Insgesamt wünscht sich der Fahrgastverband mehr Konkurrenz bei besserem Wettbewerb. Denn die Tickets müssen für die privaten Anbieter im Internet gekauft werden. "Da hat die Bahn mit ihrem Ticketsystem, das fast jede Fahrkarte auf allen Zügen gilt, einen klaren Vorteil", so Naumann.

"Spannendes Experiment"

Auch Eva Kreienkamp sieht das Angebot ihres Unternehmens als "spannendes Experiment, das an manchen Stellen ein recht schwieriges Geschäft darstellt". Zahlen zu dem "schwierigen Geschäft", zu Gewinnen oder Verlusten, will sie nicht preisgeben. Vor allem die Rahmenbedingungen, so Kreienkamp, seien nicht immer absehbar. Denn: "Das System ist auf die DB ausgerichtet." Damit sich dies irgendwann mal ändert, will sie auf jeden Fall weitermachen. Und vor allem will die Chefin des Kölner Unternehmens den Jubiläumstag im HKX-Zug bei viel Musik einfach nur genießen.


Stand: 23.01.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (9)

letzter Kommentar: 24.01.2013, 15:46 Uhr

ICE schrieb am 24.01.2013, 15:46 Uhr:
Mensch Leute,DB taugt nix,HKx taugt auch nix:Kauft euch doch nen Pferd oder lauft auf Schusters Rappen.Immer nur meckern,meckern,meckern...
juergen schrieb am 24.01.2013, 02:05 Uhr:
So so, HKX verkauft mehr Fahrkarten, als Plätze vorhanden. Aber 150.000 Reisende sind nicht zutreffend, weil die Züge nicht ausgelastet sind. Und in Köln wird ohne Ansage von HKX das Gleis geändert. Klar, HKX macht die Ansagen im Kölner HBF. Da haben sich die Poster dieser Beiträge aber schlecht abgesprochen und wenig Logik bewiesen. Nicht, dass die noch ihre Prämie an die DB zurückzahlen müssen.
HKX NEIN DANKE - Teil 2 - schrieb am 23.01.2013, 16:29 Uhr:
Wir sprachen Ihr Personal an,um zu erfahren,wie es nun weitergehen soll denn wir hatten ja noch 4 Stunden vor uns. Die erste Möglichkeit war, den nächsten HKX-Zug abzuwarten (Abfahrt erst in einigen Std.) oder im Stehen zu fahren. Da wir noch einen wichtigen Geschäftstermin hatten, blieb uns nichts Anderes übrig, als im Zug zu stehen.Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, dauert die Fahrt 4 Std. Erst nachdem wir uns mit Nachdruck beschwert hatten,war die Crew bereit,den Serviceraum (4 Plätze) nach über einer Std. Fahrt auch für einige stehende Gäste freizugeben. Für die Unannehmlichkeiten gab es für die frierenden Gäste im defekten Wagon Kaffee umsonst..alle anderen konnten sich glücklich schätzen, mitgenommen zu werden!In Köln angekommen,dachten wir,wir hätten vielleicht Pech gehabt. Es würde sich hier ja um eine Ausnahme handeln. Was wir nicht wussten,dass sich das gleiche nochmal am nächsten Tag bei unserer Rückfahrt abspielen werden würde! HKX weiss von Ihren Kapazitätsproblemem...
Frank schrieb am 23.01.2013, 16:27 Uhr:
Ich bin ein schwer umzuerziehender Autofahrer. Ich fahre nur ganz selten mit der Bahn und dann meist beruflich. Meine Erfahrungen: Teuer, unbequem, laut und immer zu spät. Konkurrenz tut also Not. Wenn es jetzt langsam Alternativen zur Bahn gibt (HKX, Fernbusse), kann man nur hoffen, dass die Deutsche Bahn sich endlich auch um ihre Kunden bemüht. Ich bin einmal mit dem Eurostar nach London gefahren und war positiv erschlagen vom Service. Als der Zug defekt war, gab es vom ersten Moment an Infos, was passiert war, der Ersatzzug wurde zügig bereit gestellt und Anschlusszüge warteten. Wir wurden sogar von Eurostarmitarbeitern zu unseren Anschlusszügen begleitet, damit sicher gestellt war, dass wir diese auch noch erreichten. Da kann sich die Bahn eine Scheibe von abschneiden. Mit einem IC habe ich mal 2,5 Stunden ohne jede Info mitten auf der Strecke gestanden.
HKX NEIN DANKE !!!! schrieb am 23.01.2013, 16:23 Uhr:
Ich kann HKX leider NICHT weiterempfehlen! Ich habe 2 Tickets für eine Hin-und Rückfahrt HH-Köln-HH gebucht. Am Samstag, standen meine Frau und ich gemäß der Unterlagen und der Anzeigetafel am Bahnhof am Gleis Nr.12. Als wir merkten, dass von unserem Gleis die Gäste rannten, merkten wir, dass Sie ohne Vorankündigung das Gleis geändert hatten. Bis dahin war ja noch alles in Ordnung. Wir hatten ja noch 3 Min. Zeit, um das richtige Gleis zu finden! Am Zug angekommen, herrschte dort Chaos.Wir schafften es, in den Zug einzusteigen, doch unsere reservierten Plätze gab es nicht. Konnten sie auch nicht,weil Sie die Platzreservierung aufgehoben hatten. Das Hauptproblem lag aber darin, dass Sie nicht nur die Platzreservierung aufgehoben haben, sondern mehr Tickets verkauft haben,als Sie Platz zur Verfügung hatten. Angeblich seien einige Wagons ausgefallen und deshalb könne man nur mit 2 Wagons! fahren. Einer davon auch noch defekt!Ohne Licht und Heizung. In der jetzigen Jahreszeit sehr angen ...

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