Global Game Jam in Mülheim Ein Wort, zwei Tage und tausend Spiele

Von Katja Goebel

Wenn in 63 Ländern an über 300 Orten Menschen zwei Tage lang zusammenhocken, um aus einem Wort ein Spiel zu machen, dann ist Global Game Jam. Auch in Mülheim wetteiferten Programmierer, Grafiker und Studenten um die beste Spielidee.


Computertastatur
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Ein Thema, 48 Stunden und tausend neue Spiele - das ist der Global Game Jam.

Das sitzen sie jetzt also in diesem Seminarraum - für die nächsten zwei Tage. Sie tragen Spitznamen wie "Vogelfrei"," Mr Yeah" oder "Sharky X". Ihre Tastaturen sind allesamt schwarz, und ihre Erwartungen gespannt. Doch eigentlich wollen sie nur spielen. "Global Game Jam" nennt sich dieser Wettstreit unter Kreativen. In über 60 Ländern sitzen zur selben Zeit ähnlich motivierte Grüppchen und warten auf eine Art Startschuss zum Programmieren. Denn bei dieser ganz speziellen Entwicklerparty mit Kaffee, Bier und Erdnüssen geht es weltweit darum, Spiele zu einem bestimmten Schlagwort zu entwickeln. Die Zeit ist knapp. Schon am Sonntag (27.01.2013) muss das Spiel fertig sein.

Hör, wohin dein Herz dich trägt!


Studenten mit I-Pad
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Erste Ideen sammeln ...

Zum ersten Mal hat die Game Development Initiative Ruhr (GDI.Ruhr) das Entwickler-Spektakel ins Ruhrgebiet geholt. Und jetzt starren rund 40 Köpfe gebannt auf die Projektionsfläche vorn, auf der Mitorganisator Jörg gleich das Thema des diesjährigen Wettbewerbs bekannt gibt. Das kann ein Wort sein oder eine Grafik - Hauptsache, den Kreativen im Raum fällt dazu etwas ein. Doch diesmal hören sie nur etwas. Den Schlag eines Herzens. Ist das ein Trick, um die Spannung im Raum zu steigern? Wann kommt endlich das Thema? Fragende Gesichter. "Das ist das Thema", grinst Projektleiterin Steffi. "Das Thema heißt Herzschlag".

Es bleibt wenig Zeit zum Sackenlassen. Jetzt gibt es eine Vorstellrunde. Jeder hat 30 Sekunden. Peter sagt, er mag gute Games. Jessi ist fit im 3-D-Bereich. Arthur gesteht, dass er keine Spiele spielt, dafür aber um so besser malt. André würde gerne ein Horrorspiel erfinden, und Simon fällt zum Herzschlaggeräusch erst einmal nur ein fahrender Zug ein. Eines aber haben die Studenten, gelernten Game-Designer, Informatiker und Illustratoren im Raum gemein - sie alle haben Lust auf Experimente. Denn genau darum geht es beim Global Game Jam. Nicht das perfekt ausgearbeitete Produkt ist am Ende wichtig, sondern viel mehr die grobe Skizze eines innovativen Spiels. Also los.

Feindliche Torten und Vogelgezwitscher


Bildschirm mit einer Illustration
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... und erste Bilder malen.

Teambildung steht jetzt an. Während die einen noch auf der Suche nach potenziellen Mit-Entwicklern durch den Raum schlendern, hat Arthur schon das erste Bild auf dem Monitor gezeichnet. Es sieht aus wie ein Sahne-Torte mit Himbeer-Glasur, doch für Arthur ist das ein feindlicher Organismus, den man spielerisch zur Strecke bringen muss. Das Tempo des Angriffs könnte ja das einer Herzschlagfrequenz sein.

Einen Tisch weiter hat Abdul zwei Verbündete gefunden. Es sind die Brüder Issa und Kurasch. Schnell sind sich die drei einig. Sie wollen ein Spiel mit Gesundheitsaspekt entwickeln. "Vielleicht eines, bei dem der Spieler erst mal selbst ordentlich laufen muss, um seinen Herzschlag zu erhöhen", sagt Abdul, der sich nach eigenen Angaben auf Bild, Ton und Video versteht. Und als hätte er es geahnt, hat er am Morgen sogar noch seinen Schrittzähler eingepackt. Neben der Vogelstimmen-CD. "Wer weiß, wofür man die heute noch gebrauchen kann."

Der Countdown läuft


Student vor einem Bildschirm
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Viel Nachdenken ...

Marco und Jonas haben noch keine packende Idee, aber dafür die Ruhe weg. Sie haben sich mit anderen Teams ausgetauscht und dann beschlossen, es zu zweit zu probieren. Die beiden studieren Medienwissenschaften. Dabei hat Marko schon als Bachelor-Arbeit ein Spiel entwickelt. Eines, in dem Kinder spielerisch etwas über Krebs erfahren können. Und worauf kommt es jetzt an? "Es ist immer das gleiche Prinzip. Man braucht im Spiel ein Ziel, etwas, was einen auf dem Weg dorthin behindert und einen Mehrwert", erklärt Jonas. Und wie ist der Stand der Dinge? "Wir wollen irgendwas mit Licht und Mechanik kombinieren. Weiter sind wir noch nicht." In spätestens sechs Stunden werde man aber etwas haben, sind sich Jonas und Marco sicher. Dann wollen die beiden nämlich erst mal nach Hause fahren und eine Runde schlafen.

Spaß und Disziplin


Computermaus
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... für kreative Klicks.

Apropos Schlaf. Der sei ganz wichtig, sagt Johannes, der vor drei Jahren schon einmal bei einem Global Game Jam dabei war. "Wer zu müde ist, programmiert nur noch Müll." Johannes war mal professioneller Spieleentwickler. Heute programmiert er Webseiten. Dieser verrückte 48-Stunden-Wettbewerb schaffe vor allem gute Kontakte, sagt Johannes. Ideen könne man später noch weiterentwicklen und Interesse bei anderen wecken. "Aber man müsste schon großes Glück haben, daraus etwas Großes zu machen." Ihm gehe es vor allem um den Spaß. Und auch Abdul, der Erstsemester-Student, hat seine ganz persönlichen Erwartungen an diesen Kreativ-Marathon: "Ich bin Perfektionist und verliere mich gerne in Details. Hier lerne ich Disziplin."

Am Ende des 48-Stunden-Projekts haben allein in Mülheim acht Teams jeweils ein Spiel entwickelt. Entstanden sind dabei nicht nur PC-Spiele, sondern auch Handy-Games. Die Spielideen aller Teilnehmer weltweit werden auf der Homepage des Global Game Jam vorgestellt.

Übrigens ...
Katja Goebel

Den klassischen Computerspielentwickler habe ich mir immer als kauzigen Nerd vorgestellt. Ich nehme alles zurück. Selten so viele kreative, begeisterungsfähige und offene Menschen getroffen wie bei diesem verrückten 48-Stunden-Wettstreit.


Stand: 27.01.2013, 17.33 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 28.01.2013, 22:40 Uhr

Abdülhamit Yilmaz schrieb am 28.01.2013, 22:40 Uhr:
Mit dem Schrittzähler wurde es leider doch nichts, aber zumindest ist das Spiel mobil. Außerdem machte ich ordentlich Gebrauch von den Vogelgeräuschen. :)