Düsseldorf im Givebox-Fieber : Eine Bude voller Geschenke
Bei Ebay versteigern oder auf dem Flohmarkt feilschen war gestern. Der neue Trend für Abgelegtes heißt Givebox. In diese Buden kann jeder Bücher, Kleidung oder Geschirr legen oder von anderen Aussortiertes mitnehmen. Die Düsseldorfer bauen dank der Vernetzung über Facebook am Samstag (19.11.2011) bereits ihre dritte Givebox.

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Geschenke für jedermann
Annemarie Schürmann schaut fast täglich an der Givebox am Hermannplatz in Düsseldorf vorbei. "Sogar meine Parfüm- und Haarsprayproben, die ich gestern reingelegt habe, sind weg", freut sich die 62-Jährige. Erst seit fünf Wochen steht die Kiste in der Größe einer Telefonzelle in Flingern: Eine dunkelrote Spanplatten-Bude mit Filzblumen an den Wänden und einem Welldach zum Schutz vor Regen. Vorne ist die Givebox offen, sodass sich schnell sichten lässt, ob etwas Interessantes drin ist. "Die Idee ist einfach super, man hat so viel, was man nicht mehr braucht und hier findet es einen neuen Besitzer", erzählt Schürmann. Sie selbst findet auch oft etwas, was sie gebrauchen kann - oder nicht. "Ich habe vorige Woche einen Gemüsehäcksler mitgenommen, um dann festzustellen, dass ich in meiner Küche gar keinen Platz dafür habe." Da hat sie die Küchenmaschine einfach wieder in die Box gestellt.
Bücher, Kleidung und ein Wischmopp

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Dank an den unbekannten Spender
Ein Zettel draußen an der Box erklärt die Regeln: So soll nur Brauchbares abgelegt und Sachen nicht zum Weiterverkauf entnommen werden. Was nach zwei Wochen keinen neuen Besitzer gefunden hat, wandert in die Altkleidersammlung oder in den Müll. In der Givebox Flingern liegen an diesem Morgen jede Menge Bücher, zwei Glasschüsseln, Bettwäsche, Kinderkleidung und zwei Kerzenringe. An der Wand hängen Jacken und Hosen und in der Ecke wartet ein Wischmopp auf einen neuen Besitzer. Wer Größeres verschenken will, kann eine Notiz an die Pinnwand hängen. In Flingern ist derzeit ein Drucker im Angebot. Dass die Tauschgeschäfte florieren, lässt sich im vollen Gästebuch nachlesen. Hier bedanken sich die neuen Besitzer bei ihren unbekannten Schenkern.
Urbox stammt aus Berlin

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Treffpunkt in Flingern: Die Givebox
Die Idee der Givebox stammt aus Berlin. Dort stellte ein Pärchen beim Zusammenziehen im August 2011 fest, dass es vieles doppelt hatte. Also zimmerten die beiden eine mannsgroße Kiste, stellten ein Regal, einen Kleiderständer und ihre abgelegten Sachen hinein und nannte ihr Bauwerk "Givebox", eben eine Kiste, zum Geben. Die Resonanz auf die Geschenke für jedermann war groß, schließlich hat jeder Sachen in den Schränken, die er nicht braucht, die aber zu schade für den Müll sind. Und bei Ebay verkaufen oder auf den Flohmarkt gehen, ist oft lästig. Erfinder Andreas Richter postete die Idee der Givebox bei Facebook und hatte schnell viele Fans. Nachahmer in Frankfurt, München, Hamburg, San Francisco und Wien haben bereits zu Hammer und Nagel gegriffen. Meistens sind es Privatleute, die sich über Facebook finden und mit viel Engagement die Kisten bauen.
Viele Fans bei Facebook
So auch die Düsseldorfer. Silke Roggermann baute zusammen mit einer Freundin eine Facebook-Seite für eine Givebox in Flingern und war von der Resonanz überwältigt: "Nach einem Tag hatten wir 100 Fans, nach drei Tagen waren es 500." Zu einem ersten Treffen kamen zehn Mitstreiter, die gemeinsam den Bau der Kiste organisierten.

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Ein Schild an der Box lädt zur Facebook-Seite an
Hilfe gab es aus Berlin vom Erfinder. Richter stellte einen detaillierten Bauplan nebst Einkaufsliste für den Baumarkt ins Internet. Die 200 Euro für Bretter, Dach und Nägeln sammelten die Düsseldorfer über die Internetplattform betterplace.org. "Uns war es wichtig, dass wir unabhängig bleiben", erklärt Roggermann. Deshalb lehnte das Team Sponsorenangebote für das Baumaterial, die als Gegenleistung eine Plakette an die Box nageln wollten, ab. Es ging auch so. In nur drei Tagen hatten sie das Geld zusammen und legten los.
Ohne Facebook keine Givebox
"Ohne Facebook wäre die Givebox so schnell nicht möglich gewesen", sagt Roggermann. Auch für die Pflege der Box sei das Soziale Netzwerk ein Segen. Als zuletzt rund um die Box zu viel Krempel stand, reichte ein kurzer Aufruf bei Facebook und innerhalb von zwei Stunden war der Sperrmüll weg. Wer die Sachen weggeräumt hat, wissen die Initiatoren gar nicht. "Es kümmern sich viele Anwohner und Nachbarn um die Box, sortieren nicht Brauchbares aus und räumen auf", sagt Roggermann. So sei die Givebox auch gedacht, als ein Nachbarschaftsprojekt, bei dem jeder mitmacht. Wichtig ist den Initiatoren nur, dass die Box sauber bleibt und nicht zum Ärgernis wird. Immerhin steht sie auf einem öffentlichen Platz - ohne offizielle Genehmigung. Bislang ist jedoch noch niemand von der Stadt aufgetaucht.

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Silke Roggermann ist eine von zehn Givebox-Gründern
"Wir haben alle Bedenken ignoriert und einfach gemacht", sagt Roggermann. Und Bedenken hören die Düsseldorfer viele. Was passiert, wenn einer Medikamente reinlegt, wenn Müll entsorgt wird oder die Sachen weiterverkauft werden? "Wenn jemand durch den Weiterverkauf noch ein paar Euros verdient, ist ihm vielleicht auch geholfen", meint Roggermann gelassen. Man müsse einfach an das Gute im Menschen glauben. Immerhin funktioniere die Givebox in Flingern seit fünf Wochen prächtig und bis auf ein paar Kritzeleien wurde auch noch nichts zerstört.
Düsseldorfer bauen weiter
Nach dem guten Start in Flingern sind die Düsseldorfer heiß auf weitere Boxen. In Düsseldorf Gerresheim wurde vor zwei Wochen eine zweite Kiste gebaut. "Die ist noch schöner als unsere", beschreibt Roggermann die Arbeit im Givebox-Team. Aber dank Facebook profitiere jede neue Givebox von den Erfahrungen der Vorgänger. Am Samstag (19.11.2011) soll in Eller die dritte Givebox gezimmert werden. Auch hier läuft die Organisation über Facebook. Dort verspricht Hildegard Muffins mitzubringen, Marlies macht die Linsensuppen und Karl-Heinz kommt mit Akkuschrauber, Leiter und zwei gesunden Händen.
Stand: 19.11.2011, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (8)
letzter Kommentar: 20.11.2011, 20:51 Uhr
- Taxifahrer schrieb am 20.11.2011, 20:51 Uhr:
- "Givebox" wie armselig!
- Aufmerksame schrieb am 20.11.2011, 17:26 Uhr:
- Ja das stimmt. So wie jetzt immer noch. Ich hatte die Hoffnung, dass nachgedacht wird. Denn nun ist die gleichgeschlechtliche Behandlung nicht erfüllt. Es geht ganz einfach: "Givebox-Mitbegründerin Silke Roggermann". KG und schönen Abend noch!
- WDR.de schrieb am 20.11.2011, 16:50 Uhr:
- Danke für den Hinweis. Fehler passieren manchmal einfach ...
- Aufmerksame schrieb am 20.11.2011, 16:14 Uhr:
- Wenn unter dem Bild die Zahl 'zehn' steht, dann bitte auch den Gründer im Plural. WDR, was ist los`, schlechten Tag?
- WDR.de schrieb am 20.11.2011, 14:04 Uhr:
- Danke. Korrigiert.
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